Wie? Nikon-Knipse plus Canon-Knipse? Nein ;) Genau genommen geht es um eine Nikon-Kamera mit Nikon-Objektiv plus einer Canon-"Linse". Gemeint ist konkret der Achromat (Nahlinse) Canon 500D in der 77mm-Ausführung.
Diese Makro-Vorsatzlinsen sind wohl anerkannt mit die besten die man sich antun kann. Im Gegensatz zu den billigen Nahlinsen, bestehen diese Teile aus einem Linsensystem und liefern damit eine sehr gute Abbildungsleistung in der Mitte und am Rand. Der Preis ist daher auch entsprechend hoch. Ich habe für eine gebrauchte 77mm 500D 100 Euro auf den Tresen gelegt, gebraucht. Eine 52mm-Version, die sich schon seit Jahren in meinem Besitzt befindet, hat mich damals ca. 75 € (neu) gekostet.
Aufgrund der guten Erfahrungen mit dieser Vorsatzlinse, habe ich kurzentschlossen im Gebrauchtmarkt zugegriffen. Da ich an meiner D700 viele Objektive mit 77mm Filtergewinde verwende, schien mir dies eine gute Idee zu sein. Objektive wie das 70-200 VR II, 24-70 oder auch das 300/4.0 waren Kandidaten für eine Adaption. Mit entsprechenden Step-Up- oder Step-Down-Ringen lassen sich noch weitere Objektive mit dieser Vorsatzlinse verwenden.
Mein erstes Opfer ist das hervorragende AF-S 70-200 VR II, von dem ich hier auch Bilder zeige. Das Objektiv ist sicherlich eines, wenn nicht das beste Telezoom im mittlere Bereich von und für Nikon. Leider ist die Nahgrenze auch eher klassisch...ca. 1,40 Meter. Damit bekommt man keine Makros hin. Mit dem Achromat 500D kann man von ca. 50 cm ausgehen...ganz grob geschätzt. Das reicht zwar immer noch nicht für echte Makros, aber immerhin hat man ein Arme-Leute-Makro am Start, mit dem man schon was anfangen kann. Zumindest aus meiner Sicht.
Diese und die folgenden Aufnahmen sind ca. 1/4 der Originale! Man ist also noch weit von einem 1:1-Makro entfernt. Aber immerhin kriegt man mit minimalem Gewichts- und Platzaufwand ein Werkzeug in die Hand, mit dem man die typischen Blümchenmakros machen kann, wenn man gerade kein echtes Makro in der Hand hat. Die Leistung hängt natürlich von der Nahgrenze und Brennweite des verwendeten Objektivs ab. Tests mit dem AF-S 300/4.0 werde ich noch machen (ähnlich "schlechte" Naheinstellgrenze).
Die Aufnahmen sind alle aus der Hand gemacht, ohne künstliches Licht oder andere Hilfsmittel. Der Bildstabilisator war jedoch immer an. Mit einer D700 und dem hier verwendeten AF-S 70-200 VR II war die Verwendung des Autofokus überhaupt kein Problem. Alles mit AF-C, kein Stativ, teilweise Wind, so dass die Motiventfernung sich nicht nur durch mein Gewackel ständig geändert hat.
FSK 18!!! Na gut, ist halt Frühling ;)
Die Autofokus-Treffsicherheit des Objektivs leidet durch die Nahlinse nicht, auch wenn makro-typisch nur wenige Millimeter scharf abgebildet werden. Die Fokussiergeschwindigkeit und -Genauigkeit des D700+70-200 ist nicht beeinträchtigt aus meiner Sicht.
Der geringe Schärfebereich ist allerdings wie immer ein Problem. Bei Blende 11, 170mm und entsprechend notwendigem kurzen Abstand, ist nur ein kleiner Bereich wirklich scharf.
Wird das Motiv parallel zur Sensorebene aufgenommen, erhält man genug scharf abgebildete Motivdetails. Aber auch hier sieht man schon...makrotypisch...wenige Millimeter vor oder hinter dem Fokuspunkt erhält man keine ausreichende Schärfe mehr. Ein Problem der Makrofotografie an sich.
Fazit:
Sicherlich ist solch ein Achromat kein wirklicher Ersatz für ein echtes Makroobjektiv. Aber aufgrund des geringen Platzbedarfs und des Gewichts, ist er eine doch recht brauchbare Ergänzung wenn es einmal etwas näher sein darf, soll, muss. Mit dem 105 VR Micro hätte ich sicherlich bessere Ergebnisse erzielen können (zur Erinnerung: das hier sind ca. 1/4-Crops!), aber das würde eben auch ein weiteres fettes Objektiv in der Fototasche bedeuten.
Das größte Problem bei einer Nahlinse: man hat einen sehr eingeschränkten Arbeitsbereich. Während man z.B. mit dem AF-S 105 Micro in jeder Motiventfernung Aufnahmen machen kann, ist man bei dieser Lösung auf einen kleinen Bereich beschränkt (ca. 30 cm). Man kann weder auf unendlich fokussieren, noch nahezu beliebig nah an das Motiv herangehen, wie es mit einem echten Makroobjektiv der Fall ist.
Wenn man also den Preis eines 105er Nikkor bedenkt und man ernsthaft Makros machen möchte, ist diese Lösung eher ungeeignet. Für ein Erweiterung der Möglichkeiten, sprich Verringerung der Nahgrenzen von guten Teleobjektiven, kann man allerdings darüber nachdenken. Gewicht und Platz für diese Vorsatzlinse sind vergleichsweise gering...der Preis allerdings nicht wirklich. Billige Einlinser sind jedoch nicht empfehlenswert, wie ich selber vor vielen Jahren schon feststellen konnte.
Letztendlich empfehle ich ein echtes Makroobjektiv. Wer aber selten Makros macht oder einfach kein dafür taugliches Objektiv mitschleppen will, kann mit der Canon 500D Nahlinse auskommen, ein entsprechendes Objektiv vorausgesetzt.
Danke.
Sonntag, 29. April 2012
Mittwoch, 25. April 2012
Ein kurzer Gang durch Mainz
Anlässlich der JAX, der Java Technologie Konferenz, war ich 2 Tage in Mainz. Die Gelegenheit habe ich natürlich genutzt um vor, zwischen und nach den Veranstaltungen ein paar kleine Touren durch die Innenstadt zu machen. Das Wetter war so lala und viel Zeit war auch nicht, also habe ich mich auf den Stadtkern rund um den Rhein beschränkt. Halt alles im Radius von ca. 2-3 km rund um die Rheingoldhalle, wo die Konferenz statt fand.
Wie man sieht war es meistens bedeckt. Ob das was mit einer Eigenart zu tun hat, die mir aufgefallen ist? Ich meine die Farbe Rot! Ich fand die dominierend Farbe in Mainz war Rot. Fast an jedem Gebäude fanden sich rote Steine.
Nicht immer so eindeutig wie hier...
aber egal wo hin ich meine Knipse auch gehalten habe, Rottöne waren überall im Sucher.
Ihr könnt ja selber entscheiden, ob ich nur "Rot gesehen" habe oder ob es wirklich viel Rot dort gab...außer bei den Schwarzweißaufnahmen natürlich ;)
http://www.gstoever.de/fotos/mainz/
In diesem Sinne, viel Spaß in der "Roten Stadt".
Wie man sieht war es meistens bedeckt. Ob das was mit einer Eigenart zu tun hat, die mir aufgefallen ist? Ich meine die Farbe Rot! Ich fand die dominierend Farbe in Mainz war Rot. Fast an jedem Gebäude fanden sich rote Steine.
Nicht immer so eindeutig wie hier...
aber egal wo hin ich meine Knipse auch gehalten habe, Rottöne waren überall im Sucher.
Ihr könnt ja selber entscheiden, ob ich nur "Rot gesehen" habe oder ob es wirklich viel Rot dort gab...außer bei den Schwarzweißaufnahmen natürlich ;)
http://www.gstoever.de/fotos/mainz/
In diesem Sinne, viel Spaß in der "Roten Stadt".
Samstag, 31. März 2012
Nikon AI-S 50 1.2 - Ein kurzer Erfahrungsbericht
Das Nikkor AI-S 50/1.2 habe ich mir neulich gebraucht in einem Fotoforum gekauft. Ich denke wer diesen Artikel bewusst gesucht hat, kennt das Objektiv. Für alle anderen, es ist ein immer noch neu zu kaufendes manuelles Objektiv aus vergangenen Tagen, also inklusive Blendenring und mechanisch erstklassiger Verarbeitung. Wer ein wenig mehr erfahren möchte, schaue z.B. mal hier nach:
http://www.mir.com.my/rb/photography/companies/nikon/nikkoresources/50mmnikkor/index6.htm
Das Objektiv kann an den besseren Nikon-Gehäusen mit Zeitautomatiken verwendet werden. Somit ist eine korrekte Belichtung kein Problem...eine korrekte Fokussierung aber schon; dazu später mehr.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.4 an D700]
Objektive mit einer Blende von 1.2 sind schon ungewöhnlich. Während die günstigeren Zoomobjektive meistens im Bereich von 3.5 bis 5.6 operieren und selbst die teuren Profizooms "nur" durchgängig 2.8 liefern, ist 1.2 schon eine Ansage bezüglich "Offenblende". Natürlich gibt es auch viele aktuelle Festbrennweiten mit einer max. Blendenöffnung von 2.0 oder 1.4 (z.B. AF-S 24, AF-S 35, AF-S 85, alle 1.4), aber ein Nikkor mit 1.2 gibt es in moderner Ausführung nicht.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
Ich war also gespannt, was solch ein Offenblendmonster aus grauer Vorzeit leisten kann und vor allem, was man damit überhaupt erreichen kann. Von einem aktuellen 1.4er-Objektiv mit Autofokus, dem AF-S 85/1.4, kannte ich schon die Probleme, aber auch die ungewöhnliche Anmutung der Bilder bei einer so offenen Blende. Die Probleme liegen in erster Linie bei der Fokussierung. Durch die extrem geringe Schärfentiefe bei voll geöffneter Blende sind je nach Motivabstand nur wenige Millimeter wirklich scharf genug abgebildet. Das ist zwar auch abhängig von Bildgröße und Betrachtungsabstand, aber für den durchschnittlichen Fall kann man ruhig davon ausgehen, dass nur sehr wenig im Bild vom Betrachter als scharf beurteilt wird. Somit hat man also die Pflicht diesen scharfen Bereich möglichst gut zu wählen, was manuell mit modernen Digitalkameras mehr als schwierig ist. Die Mattscheiben sind zwar sehr hell und zeigen ein klares Bild, aber man erkennt nicht wirklich die Schärfeebene, schon gar nicht bei Blendenstufen unterhalb von 4.0 oder max. 2.8. Auch scheint es mir so, als wenn die Justierung der Mattscheiben nicht immer wirklich ausreichend präzise ist, so dass man auch manuell einen Back- oder Frontfokus haben kann. Ob das wirklich so ist...ich weiß es nicht. Tatsache: bei einer D7000 und D700 hatte und habe ich permanenten Backfokus (95% aller Fehlfokussierungen sind so).
Wie dünn die Schärfentiefe bei 1.2 ist, kann man hier vielleicht erahnen:
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
Nicht einmal alle Zacken dieser Plastikbaggerschaufel liegen so in der Schärfeebene, dass sie bei näherer Betrachtung als scharf durchgehen würden...GENIAL ;)
Die Verarbeitung der Linse ist übrigens sehr, sehr gut! Vollmetall, schwer, leichtgängig, trotzdem mit guter Dämpfung, präzise, wertig...geil! Das ist meilenweit besser als die 1500€-Plastiklinsen die man heute geboten bekommt. Natürlich haben diese andere Qualitäten, mit denen das ehrwürdige 50er nicht mehr mithalten kann, aber ein wenig Wehmut muss erlaubt sein angesichts dieses Messingteils.
Aber genug der nostalgischen Verklärung, kommen wir zu den wichtigen Dingen, den optischen Eigenschaften an einer modernen Digitalknipse. Gleich eines vorweg, bei Blendenwerten kleiner 2.0, also 1.2 und 1.4 (mehr Stufen gibt es zwischen 1.2 und 2.0 nicht), ist die optische Leistung...künstlerisch. Wer den satten Kontrast, die Schärfe und die allgemeine Abbildungsleistung eines z.B. AF-S 85 / 1.4 erwartet, wird enttäuscht. Die Bilder sind sehr weiche. Nicht das es ihnen an Auflösung fehlen würde, es ist eher ein Kontrastproblem. Helle Stellen im Motiv werden von einer weit ausgedehnten Farbfehlerwolke umgeben, überstrahlen und geben einen, um es positiv zu münzen, traumhaften Effekt. Von "crispen" Digitalbildern kann da keine Rede mehr sein. Das sieht eher nach "Zärtliche Cousinen" aus ;)
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
In dieser Auflösung und nach meiner Bearbeitung sieht man diesen Effekt nicht mehr deutlich, aber vielleicht kann man ihn erahnen.
Aber manchmal braucht es eben einen weichen Pinsel. Ich habe persönlich noch keinen wirklichen Zugang zu diesem Objektiv finden können, was aber sicherlich auch an der Kürze der Zeit liegt, in der ich es ausprobiert habe und an der Tatsache, dass passende Motive auch nicht mal eben so auf Bäumen wachsen.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
Leidlich scharf geht übrigens auch mit diesem Objektiv. Voraussetzungen: exakte Fokussierung und entsprechendes Licht und Motiv, bei dem die Farbfehler und Weichheit des Objektivs nicht zum Tragen kommen.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
Aber auch bei sanften Lichtverhältnissen kann man bei 1.2 in die Falle tappen...Stichwort Bokeh! In diesem extremen Beispiel sieht man ein sehr unattraktives Bokeh, hervorgerufen durch ca. 2-3 Meter entfernte Äste und Blätter im Gegenlicht. Leichtes Abblenden verbessert den Eindruck, obwohl der Hintergrund dadurch natürlicher leicht schärfer wird. Ein eher gruseliges Bokeh kann man aber mehr oder weniger mit jedem Objektiv erzeugen und auch das Gegenteil davon.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
Wider besseren Wissens: Offenblende bei hellem Tageslicht. Hier kann man selbst bei dieser Ausgabegröße schon erkennen, dass man sowas tunlichst sein lassen sollte. Die Kontrastkanten und hellen Stellen blühen geradezu aus und erzeugen einen Effekt wie bei einem brutal eingesetzten Unschärfefilter. Die Details darunter kann man übrigens trotzdem noch erkennen, es ist also nicht so, dass man eine generelle Unschärfe hat, nur überlagern die Störungen diese Details dermaßen, dass man keinen wirklich sauberen Bildschärfeeindruck mehr erhält. Als Effekt aber sicherlich teilweise einsetzbar. Die chromatischen Abberationen sind allerdings sehr heftig...Schwarzweißberarbeitung ist vielleicht eine gute Idee ;)
Die Situation ändert sich aber schon leicht, wenn man auf Blende 1.4 abblendet. Zwar kann das Objektiv auch hier nicht ganz mit den aktuellen 50mm-Linsen mithalten was den Kontrast angeht, aber man erkennt schon wohin die Reise geht.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.4 an D700]
Zwar nicht 100% gut fokussiert, aber die Kontraste sind bei 1.4 schon ein wenig besser, die Schärfe geringfügig aus meiner Sicht.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.4 an D700]
Lässt man dann noch die Farben weg, und entledigt sich so den chromatischen Abberationen, erhält man schon relativ scharfe Abbildungen, in diesem Fall auch mit einem anständigen Bokeh.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.4 an D700]
Die Kontraste und damit auch die Farbwiedergabe kommen bei 1.4 in Bereiche, wo man noch was machen kann, auch bei härterem Tageslicht.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.4 an D700]
Wie bereits anfangs erwähnt, ist die manuelle Fokussierung mit einer modernen Digitalkamera eine Herausforderung. Ich meine sogar ohne entsprechend korrekt justierte Mattscheibe oder besser noch "manuelle" Mattscheibe fast unmöglich. Entsprechende Mattscheiben kann man für viel Geld
kaufen und einbauen/einbauen lassen, aber ich habe keinerlei Erfahrung damit. Ich weiß nur, dass es mit
allen von mir verwendeten manuellen Linse nicht einfach ist, mit der Originalmattscheibe sicher zu fokussieren. Mit diesem Objektiv lag meine Trefferquote ähnlich niedrig wie mit dem Samyang 85/1.4, also deutlich unter 50%...teilweise sogar unter 10%.
Diese "Action-Aufnahme" war allerdings einfach, da ich hier geschummelt habe ;) Da sich die Bewegung in einer Eben abspielte, konnte ich die Verankerungspunkte der Schaukelketten als Fokushilfe verwenden. Ich habe also zunächst versucht mich plan zur Ebene der Bewegung aufzustellen, dann den Punkt an der Aufhängung fokussiert und konnte so beliebig viele korrekt fokussierte Bilder aufnehmen. Von vorne wäre mir sicherlich kein einziges Bild bei Blende 1.4 gelungen und wenn, dann nur durch Zufall.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f2.0 an D700]
Bei Blende 2.0 dreht das Teil so richtig auf! Vergessen sind die Schleierwolken und chromatischen Abberationen, die den Bildern einen Traum-Touch verleihen. Nun sind das aber auch immerhin 1 1/2-Blendenstufen, also darf man auch einen entsprechenden Zuwachs an Abbildungsqualität erwarten.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f2.0 an D700]
Ab hier kann man es nun auch wagen, Tageslichtaufnahmen mit stärkereren Kontrasten und/oder feineren Details aufzunehmen. Was übrigens bei dieser Aufnahme sehr geholfen hat, ist der perfekte Anschlag auf Unendlich! Dreht man den Fokusring auf oo, hat man wirklich die korrekte Einstellung für alles, was mehr als 15 Meter Entfernt ist (oder je nach Blende besser auch mehr).
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f5.6 an D700]
Bei Blende 5.6 erreicht das Objektiv eine hervorragende Schärfe für eine 50mm-Festbrennweite, die sicherlich locker oberhalb der Grenze des Auflösungsvermögens des Sensors einer 12-Megapixel-Kamera liegen dürfte. Vermutlich ist das schon bei 2.8 der Fall. Selbst feinste Strukturen werden, korrekte Fokussierung vorausgesetzt, perfekt abgebildet. Kontraste sind sehr gut, Farbwiedergabe...ich weiß es noch nicht genau...sage mal unspektakulär neutral.
Die kleinste Blendenöffnung ist f16. Hier erhält man aufgrund der 9 Blendenlamellen sehr schöne Sterne bei beispielsweise Wasserreflektionen.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f16 an D700]
Das ist nun nichts Ungewöhnliches und kann sicherlich mit allen 9-"Bladern" erzeugt werden.
Fazit (vorläufig):
Die manuelle Fokussierung ist schwierig bis fast unmöglich, was aber an mir (zum Teil) und an der verwendeten Kamera liegt. Die optische Leistung ist meiner Ansicht nach nicht mehr auf der Höhe der Zeit! Selbst ein billiges Nikkor AF-S 50/1.8 leistet bei Offenblende in vielen Belangen mehr. Allerdings hat dieses Objektiv einen Charme bei Blenden <2.0, denn man sicherlich als Mittel für bestimmte Motive gewinnbringend einsetzen kann. Ab Blende 2.0 finde ich das Objektiv eher uninteressant. Es ist dann sehr scharf und gut, aber da sind auch aktuelle Objektive, die leichter zu bedienen sind und besser abgestimmt auf digitale Gehäuse. Also eine Gurke? Nein, sicherlich nicht! Erstens ist es ein 1.2er und zweitens ein wirklich sehr gut gearbeitetes manuelles Objektiv. In fachkundigen Händen können damit sicherlich traumhafte Ergebnisse erzielt werden. Für einen Hobbyknipser wie mich, ist dieses Objektiv aber eher eine Herausforderung. Ich stelle mich aber gerne dieser Herausforderung und werde es daher sicherlich noch öfter verwenden.
Ich hatte bisher sowohl Frust als auch Spaß mit diesem Objektiv. Bei passendem Licht, Motiv und Fokussierung sind die Ergebnisse sogar bei Blende 1.2 teilweise überraschend gut. Liegt es aber mal daneben, sind die Bilder ein direktes Opfer der Löschtaste an der Kamera.
Aus meiner Sicht ist es als "Lichtriese" nicht wirklich tauglich, da die Abbildungsfehler viele Motive schlecht aussehen lassen. Wer aber diese optischen Fehler in seine Komposition einbauen kann, wird sicherlich seine Freude damit haben.
Angesichts des aktuellen Kauf- und Gebrauchtpreises, gebe ich eine 3+ (C+) in Schulnoten.
Danke für's Lesen.
http://www.mir.com.my/rb/photography/companies/nikon/nikkoresources/50mmnikkor/index6.htm
Das Objektiv kann an den besseren Nikon-Gehäusen mit Zeitautomatiken verwendet werden. Somit ist eine korrekte Belichtung kein Problem...eine korrekte Fokussierung aber schon; dazu später mehr.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.4 an D700]
Objektive mit einer Blende von 1.2 sind schon ungewöhnlich. Während die günstigeren Zoomobjektive meistens im Bereich von 3.5 bis 5.6 operieren und selbst die teuren Profizooms "nur" durchgängig 2.8 liefern, ist 1.2 schon eine Ansage bezüglich "Offenblende". Natürlich gibt es auch viele aktuelle Festbrennweiten mit einer max. Blendenöffnung von 2.0 oder 1.4 (z.B. AF-S 24, AF-S 35, AF-S 85, alle 1.4), aber ein Nikkor mit 1.2 gibt es in moderner Ausführung nicht.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
Ich war also gespannt, was solch ein Offenblendmonster aus grauer Vorzeit leisten kann und vor allem, was man damit überhaupt erreichen kann. Von einem aktuellen 1.4er-Objektiv mit Autofokus, dem AF-S 85/1.4, kannte ich schon die Probleme, aber auch die ungewöhnliche Anmutung der Bilder bei einer so offenen Blende. Die Probleme liegen in erster Linie bei der Fokussierung. Durch die extrem geringe Schärfentiefe bei voll geöffneter Blende sind je nach Motivabstand nur wenige Millimeter wirklich scharf genug abgebildet. Das ist zwar auch abhängig von Bildgröße und Betrachtungsabstand, aber für den durchschnittlichen Fall kann man ruhig davon ausgehen, dass nur sehr wenig im Bild vom Betrachter als scharf beurteilt wird. Somit hat man also die Pflicht diesen scharfen Bereich möglichst gut zu wählen, was manuell mit modernen Digitalkameras mehr als schwierig ist. Die Mattscheiben sind zwar sehr hell und zeigen ein klares Bild, aber man erkennt nicht wirklich die Schärfeebene, schon gar nicht bei Blendenstufen unterhalb von 4.0 oder max. 2.8. Auch scheint es mir so, als wenn die Justierung der Mattscheiben nicht immer wirklich ausreichend präzise ist, so dass man auch manuell einen Back- oder Frontfokus haben kann. Ob das wirklich so ist...ich weiß es nicht. Tatsache: bei einer D7000 und D700 hatte und habe ich permanenten Backfokus (95% aller Fehlfokussierungen sind so).
Wie dünn die Schärfentiefe bei 1.2 ist, kann man hier vielleicht erahnen:
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
Nicht einmal alle Zacken dieser Plastikbaggerschaufel liegen so in der Schärfeebene, dass sie bei näherer Betrachtung als scharf durchgehen würden...GENIAL ;)
Die Verarbeitung der Linse ist übrigens sehr, sehr gut! Vollmetall, schwer, leichtgängig, trotzdem mit guter Dämpfung, präzise, wertig...geil! Das ist meilenweit besser als die 1500€-Plastiklinsen die man heute geboten bekommt. Natürlich haben diese andere Qualitäten, mit denen das ehrwürdige 50er nicht mehr mithalten kann, aber ein wenig Wehmut muss erlaubt sein angesichts dieses Messingteils.
Aber genug der nostalgischen Verklärung, kommen wir zu den wichtigen Dingen, den optischen Eigenschaften an einer modernen Digitalknipse. Gleich eines vorweg, bei Blendenwerten kleiner 2.0, also 1.2 und 1.4 (mehr Stufen gibt es zwischen 1.2 und 2.0 nicht), ist die optische Leistung...künstlerisch. Wer den satten Kontrast, die Schärfe und die allgemeine Abbildungsleistung eines z.B. AF-S 85 / 1.4 erwartet, wird enttäuscht. Die Bilder sind sehr weiche. Nicht das es ihnen an Auflösung fehlen würde, es ist eher ein Kontrastproblem. Helle Stellen im Motiv werden von einer weit ausgedehnten Farbfehlerwolke umgeben, überstrahlen und geben einen, um es positiv zu münzen, traumhaften Effekt. Von "crispen" Digitalbildern kann da keine Rede mehr sein. Das sieht eher nach "Zärtliche Cousinen" aus ;)
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
In dieser Auflösung und nach meiner Bearbeitung sieht man diesen Effekt nicht mehr deutlich, aber vielleicht kann man ihn erahnen.
Aber manchmal braucht es eben einen weichen Pinsel. Ich habe persönlich noch keinen wirklichen Zugang zu diesem Objektiv finden können, was aber sicherlich auch an der Kürze der Zeit liegt, in der ich es ausprobiert habe und an der Tatsache, dass passende Motive auch nicht mal eben so auf Bäumen wachsen.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
Leidlich scharf geht übrigens auch mit diesem Objektiv. Voraussetzungen: exakte Fokussierung und entsprechendes Licht und Motiv, bei dem die Farbfehler und Weichheit des Objektivs nicht zum Tragen kommen.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
Aber auch bei sanften Lichtverhältnissen kann man bei 1.2 in die Falle tappen...Stichwort Bokeh! In diesem extremen Beispiel sieht man ein sehr unattraktives Bokeh, hervorgerufen durch ca. 2-3 Meter entfernte Äste und Blätter im Gegenlicht. Leichtes Abblenden verbessert den Eindruck, obwohl der Hintergrund dadurch natürlicher leicht schärfer wird. Ein eher gruseliges Bokeh kann man aber mehr oder weniger mit jedem Objektiv erzeugen und auch das Gegenteil davon.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.2 an D700]
Wider besseren Wissens: Offenblende bei hellem Tageslicht. Hier kann man selbst bei dieser Ausgabegröße schon erkennen, dass man sowas tunlichst sein lassen sollte. Die Kontrastkanten und hellen Stellen blühen geradezu aus und erzeugen einen Effekt wie bei einem brutal eingesetzten Unschärfefilter. Die Details darunter kann man übrigens trotzdem noch erkennen, es ist also nicht so, dass man eine generelle Unschärfe hat, nur überlagern die Störungen diese Details dermaßen, dass man keinen wirklich sauberen Bildschärfeeindruck mehr erhält. Als Effekt aber sicherlich teilweise einsetzbar. Die chromatischen Abberationen sind allerdings sehr heftig...Schwarzweißberarbeitung ist vielleicht eine gute Idee ;)
Die Situation ändert sich aber schon leicht, wenn man auf Blende 1.4 abblendet. Zwar kann das Objektiv auch hier nicht ganz mit den aktuellen 50mm-Linsen mithalten was den Kontrast angeht, aber man erkennt schon wohin die Reise geht.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.4 an D700]
Zwar nicht 100% gut fokussiert, aber die Kontraste sind bei 1.4 schon ein wenig besser, die Schärfe geringfügig aus meiner Sicht.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.4 an D700]
Lässt man dann noch die Farben weg, und entledigt sich so den chromatischen Abberationen, erhält man schon relativ scharfe Abbildungen, in diesem Fall auch mit einem anständigen Bokeh.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.4 an D700]
Die Kontraste und damit auch die Farbwiedergabe kommen bei 1.4 in Bereiche, wo man noch was machen kann, auch bei härterem Tageslicht.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f1.4 an D700]
Wie bereits anfangs erwähnt, ist die manuelle Fokussierung mit einer modernen Digitalkamera eine Herausforderung. Ich meine sogar ohne entsprechend korrekt justierte Mattscheibe oder besser noch "manuelle" Mattscheibe fast unmöglich. Entsprechende Mattscheiben kann man für viel Geld
kaufen und einbauen/einbauen lassen, aber ich habe keinerlei Erfahrung damit. Ich weiß nur, dass es mit
allen von mir verwendeten manuellen Linse nicht einfach ist, mit der Originalmattscheibe sicher zu fokussieren. Mit diesem Objektiv lag meine Trefferquote ähnlich niedrig wie mit dem Samyang 85/1.4, also deutlich unter 50%...teilweise sogar unter 10%.
Diese "Action-Aufnahme" war allerdings einfach, da ich hier geschummelt habe ;) Da sich die Bewegung in einer Eben abspielte, konnte ich die Verankerungspunkte der Schaukelketten als Fokushilfe verwenden. Ich habe also zunächst versucht mich plan zur Ebene der Bewegung aufzustellen, dann den Punkt an der Aufhängung fokussiert und konnte so beliebig viele korrekt fokussierte Bilder aufnehmen. Von vorne wäre mir sicherlich kein einziges Bild bei Blende 1.4 gelungen und wenn, dann nur durch Zufall.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f2.0 an D700]
Bei Blende 2.0 dreht das Teil so richtig auf! Vergessen sind die Schleierwolken und chromatischen Abberationen, die den Bildern einen Traum-Touch verleihen. Nun sind das aber auch immerhin 1 1/2-Blendenstufen, also darf man auch einen entsprechenden Zuwachs an Abbildungsqualität erwarten.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f2.0 an D700]
Ab hier kann man es nun auch wagen, Tageslichtaufnahmen mit stärkereren Kontrasten und/oder feineren Details aufzunehmen. Was übrigens bei dieser Aufnahme sehr geholfen hat, ist der perfekte Anschlag auf Unendlich! Dreht man den Fokusring auf oo, hat man wirklich die korrekte Einstellung für alles, was mehr als 15 Meter Entfernt ist (oder je nach Blende besser auch mehr).
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f5.6 an D700]
Bei Blende 5.6 erreicht das Objektiv eine hervorragende Schärfe für eine 50mm-Festbrennweite, die sicherlich locker oberhalb der Grenze des Auflösungsvermögens des Sensors einer 12-Megapixel-Kamera liegen dürfte. Vermutlich ist das schon bei 2.8 der Fall. Selbst feinste Strukturen werden, korrekte Fokussierung vorausgesetzt, perfekt abgebildet. Kontraste sind sehr gut, Farbwiedergabe...ich weiß es noch nicht genau...sage mal unspektakulär neutral.
Die kleinste Blendenöffnung ist f16. Hier erhält man aufgrund der 9 Blendenlamellen sehr schöne Sterne bei beispielsweise Wasserreflektionen.
[Nikkor AI-S 50/1.2 bei f16 an D700]
Das ist nun nichts Ungewöhnliches und kann sicherlich mit allen 9-"Bladern" erzeugt werden.
Fazit (vorläufig):
Die manuelle Fokussierung ist schwierig bis fast unmöglich, was aber an mir (zum Teil) und an der verwendeten Kamera liegt. Die optische Leistung ist meiner Ansicht nach nicht mehr auf der Höhe der Zeit! Selbst ein billiges Nikkor AF-S 50/1.8 leistet bei Offenblende in vielen Belangen mehr. Allerdings hat dieses Objektiv einen Charme bei Blenden <2.0, denn man sicherlich als Mittel für bestimmte Motive gewinnbringend einsetzen kann. Ab Blende 2.0 finde ich das Objektiv eher uninteressant. Es ist dann sehr scharf und gut, aber da sind auch aktuelle Objektive, die leichter zu bedienen sind und besser abgestimmt auf digitale Gehäuse. Also eine Gurke? Nein, sicherlich nicht! Erstens ist es ein 1.2er und zweitens ein wirklich sehr gut gearbeitetes manuelles Objektiv. In fachkundigen Händen können damit sicherlich traumhafte Ergebnisse erzielt werden. Für einen Hobbyknipser wie mich, ist dieses Objektiv aber eher eine Herausforderung. Ich stelle mich aber gerne dieser Herausforderung und werde es daher sicherlich noch öfter verwenden.
Ich hatte bisher sowohl Frust als auch Spaß mit diesem Objektiv. Bei passendem Licht, Motiv und Fokussierung sind die Ergebnisse sogar bei Blende 1.2 teilweise überraschend gut. Liegt es aber mal daneben, sind die Bilder ein direktes Opfer der Löschtaste an der Kamera.
Aus meiner Sicht ist es als "Lichtriese" nicht wirklich tauglich, da die Abbildungsfehler viele Motive schlecht aussehen lassen. Wer aber diese optischen Fehler in seine Komposition einbauen kann, wird sicherlich seine Freude damit haben.
Angesichts des aktuellen Kauf- und Gebrauchtpreises, gebe ich eine 3+ (C+) in Schulnoten.
Danke für's Lesen.
Mittwoch, 15. Februar 2012
Ganz unten - Fotografie mit dem Handy
Leicht angelehnt an den bekannten Buchtitel von Günter Wallraff, befasse ich mich heute mal mit meinem neuesten Spielzeug, einem Smartphone. Diese kleinen Wunderwerke leisten mehr als vor vielleicht 10 Jahren noch ein ausgewachsener PC. Neben diversen Schnittstellen und Sensoren, wie WLAN, Bluetooth, Infrarot, Lagesensor, Kompass, GPS, usw., verfügen alle auch über mindestens eine Kamera. Als Hobbyfotograf konnte ich da natürlich nicht anders, als diese Kamera einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Bei der Auswahl meines ersten Smartphones habe ich viele Reviews zu Rate gezogen und dort dann auch u.a. die Leistung der Kamera versucht zu ermitteln. Auch wenn die Kamera für mich eher eine untergeordnete Rolle für die Kaufentscheidung spielte. Aus vielerlei Gründen fiel meine Wahl auf das Xperia Arc S von Sony Ericsson. Nach dem ich die für mich interessanten und wichtigen Features erforscht hatte, war letzte Woche dann auch endlich die Kamera dran. Hier nachfolgend meine ersten Einschätzungen, wobei ich Video komplett ausklammere.
In den vielen Testberichten die ich las, könnte ich schon erkennen, dass es mit der Leistung der Handy-Kameras nicht gerade weit her ist. Zwar wird wie bei allen Knipsen mit hoher Megapixelzahl geworben und auch vermeintliche Super-Sensor-Techniken wie Exmor werden in die Waagschale geworfen und sollen den Käufern animieren. Aber was man auf den Testbildern sehen konnte, war eher ernüchternd. So schon leicht vorbelastet, habe ich dennoch versucht über meinen Schatten zu springen und die Kamerafunktion ganz vorurteilsfrei zu bewerten. Was daraus geworden ist, könnt ihr nun lesen.
Nach den ersten flüchtigen Testbilder mit der Kamera fühlte ich mich wirklich "ganz unten" ;) Wenn man normalerweise mit einer Spiegelreflexkamera mit entsprechend aufwendigen und teuren Objektiven Fotografiert, ist man schon reichlich verwöhnt. Meine letzte Kompaktkamera hatte ich vielleicht vor 5 Jahren in den Hand. Was man auf dem Handydisplay sehen konnte, sah erstmal noch halbwegs brauchbar aus. Herangezoomt wurde es dann schon düsterer und auf dem PC-Monitor betrachtet war eigentlich klar, die taugen nichts!
Während die Bedienung noch halbwegs zu überzeugen weiß, ist die Bildqualität eigentlich nicht mal auf dem Niveau einer wirklich billigen Kompaktkamera. Gut, verwundert ja auch nicht weiter, wenn man die technischen Parameter einmal anschaut. Ein winziges Objektiv, das wahrscheinlich nur aus 1 Linse besteht (können auch mehr sein) und ein Winzling von Sensor mit einer wahnsinnigen Auflösung. Entsprechend fällt bei den Bildern sofort eines auf, selbst bei strahlendem Sonnenschein ist das Bild übersät mit Artefakten, also Bildstörungen die durch Sensorrauschen und die Entrauschung durch die Kamerasoftware entstehen. Blauer Himmel hat Struktur in Form von Löchern und bunten Pixeln. Außerdem werden feine Strukturen nahezu immer komplett glatt gebügelt, auch ein Seiteneffekt des Rauschens und der damit notwendigen kamerainternen Nachbearbeitung. Von den z.B. 8 Megapixeln der Kamera im Arc S dürften effektiv nur sehr wenige übrig bleiben, wenn man die Details betrachtet. Soweit hatte ich das auch bei Testberichten aller anderen Smartphones gesehen, die ich mir angeschaut habe, darunter auch das iPhone 4GS. Die Unterschiede waren eher gering, wirklich überzeugende Bildergebnisse liefert in meinen Augen keines der Geräte...wenn man solche Ansprüche hat wie ich wohlgemerkt.
Eigentlich hätte ich also nach den ersten Testbildern schon aufgeben, und das Thema Handykamera zu den Akten legen können. Aber so leicht wollte ich es dann doch nicht auf sich beruhen lassen. Mich reizte einfach das Unperfekte und ich wollte wissen, was man aus diesem Teil herauskitzeln kann. Also das Teil geschnappt und an einem sonnigen Tag damit durch die Gegend gelaufen. Die Luft war kalt, der Himmel entsprechend klar, also beste Voraussetzungen.
Bei der Auswahl meines ersten Smartphones habe ich viele Reviews zu Rate gezogen und dort dann auch u.a. die Leistung der Kamera versucht zu ermitteln. Auch wenn die Kamera für mich eher eine untergeordnete Rolle für die Kaufentscheidung spielte. Aus vielerlei Gründen fiel meine Wahl auf das Xperia Arc S von Sony Ericsson. Nach dem ich die für mich interessanten und wichtigen Features erforscht hatte, war letzte Woche dann auch endlich die Kamera dran. Hier nachfolgend meine ersten Einschätzungen, wobei ich Video komplett ausklammere.
In den vielen Testberichten die ich las, könnte ich schon erkennen, dass es mit der Leistung der Handy-Kameras nicht gerade weit her ist. Zwar wird wie bei allen Knipsen mit hoher Megapixelzahl geworben und auch vermeintliche Super-Sensor-Techniken wie Exmor werden in die Waagschale geworfen und sollen den Käufern animieren. Aber was man auf den Testbildern sehen konnte, war eher ernüchternd. So schon leicht vorbelastet, habe ich dennoch versucht über meinen Schatten zu springen und die Kamerafunktion ganz vorurteilsfrei zu bewerten. Was daraus geworden ist, könnt ihr nun lesen.
Nach den ersten flüchtigen Testbilder mit der Kamera fühlte ich mich wirklich "ganz unten" ;) Wenn man normalerweise mit einer Spiegelreflexkamera mit entsprechend aufwendigen und teuren Objektiven Fotografiert, ist man schon reichlich verwöhnt. Meine letzte Kompaktkamera hatte ich vielleicht vor 5 Jahren in den Hand. Was man auf dem Handydisplay sehen konnte, sah erstmal noch halbwegs brauchbar aus. Herangezoomt wurde es dann schon düsterer und auf dem PC-Monitor betrachtet war eigentlich klar, die taugen nichts!
Während die Bedienung noch halbwegs zu überzeugen weiß, ist die Bildqualität eigentlich nicht mal auf dem Niveau einer wirklich billigen Kompaktkamera. Gut, verwundert ja auch nicht weiter, wenn man die technischen Parameter einmal anschaut. Ein winziges Objektiv, das wahrscheinlich nur aus 1 Linse besteht (können auch mehr sein) und ein Winzling von Sensor mit einer wahnsinnigen Auflösung. Entsprechend fällt bei den Bildern sofort eines auf, selbst bei strahlendem Sonnenschein ist das Bild übersät mit Artefakten, also Bildstörungen die durch Sensorrauschen und die Entrauschung durch die Kamerasoftware entstehen. Blauer Himmel hat Struktur in Form von Löchern und bunten Pixeln. Außerdem werden feine Strukturen nahezu immer komplett glatt gebügelt, auch ein Seiteneffekt des Rauschens und der damit notwendigen kamerainternen Nachbearbeitung. Von den z.B. 8 Megapixeln der Kamera im Arc S dürften effektiv nur sehr wenige übrig bleiben, wenn man die Details betrachtet. Soweit hatte ich das auch bei Testberichten aller anderen Smartphones gesehen, die ich mir angeschaut habe, darunter auch das iPhone 4GS. Die Unterschiede waren eher gering, wirklich überzeugende Bildergebnisse liefert in meinen Augen keines der Geräte...wenn man solche Ansprüche hat wie ich wohlgemerkt.
Eigentlich hätte ich also nach den ersten Testbildern schon aufgeben, und das Thema Handykamera zu den Akten legen können. Aber so leicht wollte ich es dann doch nicht auf sich beruhen lassen. Mich reizte einfach das Unperfekte und ich wollte wissen, was man aus diesem Teil herauskitzeln kann. Also das Teil geschnappt und an einem sonnigen Tag damit durch die Gegend gelaufen. Die Luft war kalt, der Himmel entsprechend klar, also beste Voraussetzungen.
Wie man sieht, war das Licht mehr als ausreichend. Wie alle Bilder in diesem Beitrag, ist auch dieses hier stark nachbearbeitet (mit Lightroom 3). Mich interessiert weniger was aus der Knipse kommt, als vielmehr das, was man daraus machen kann. Auch meine Fotos mit einer Spiegelreflexkamera sind grundsätzlich das Ergebnis einer mehr oder weniger starken Nachbearbeitung am Rechner.
Das Handy gerade zu halten viel mir übrigens reichlich schwer. Ist natürlich mein Problem und eine Sache der Übung. Was man auf diesem Bild vielleicht erahnen kann, ist die geringe Detailauflösung (Büsche, Bäume, Geäst). Sieht teilweise aus wie Wattebäusche, ein Effekt den ich auch von meinen ersten Kompaktkameras kenne. Hier noch nicht ganz so stark ausgeprägt, steigt dieser Effekt bei weniger Licht und damit steigender ISO-Zahl dramatisch an.
Ich Sachen Dynamikumfang darf man auch keine Wunder erwarten. Sehr schnell brennen einem helle Stellen im Bild aus und sind dann JPEG-typisch auch nicht mehr nachträglich zu retten. Ich musste oft unterbelichten, was aufgrund der Bedienung keine Freude ist. Apropo Bedienung! Die ist natürlich auch eher gewöhnungsbedürftig. Was man bei einer ausgewachsenen Kamera mit dedizierten Knöpfen, Rädern und Schaltern mal eben ändern kann, muss man hier teilweise recht umständlich einstellen. Die Belichtungskorrektur ist bei diesem Smartphone und der darin enthaltenen Standard-Kamera-Applikation nur über den Umweg ins Menü zu aktivieren und schlimmer noch, nach einem Foto ist sie wieder zurückgestellt! So kann man nicht für viele Fotos vom gleichen Motiv einmal einen Wert einstellen, sondern muss dies bei jedem Bild wieder tun! Sehr nervig und zeigt klar das die Entwickler die Belichtungskorrektur eher als Gimmick ansehen.
Bei Motiven mit wenig (wichtigen) Details gelingen übrigens recht brauchbare Bilder. Zwar würde man auch hier bei den Rissen in der Scheibe sehen können, dass die Details zu gering sind, aber das schadet dem Gesamteindruck bei kleinen Ausgabeformaten nicht sonderlich. Das gilt natürlich für alle Fotos, wenn das Ausgabeformat klein genug ist, wie z.B. auf dem Handy selber, wo die meisten Bilder noch sehr gut aussehen.
Die Schärfentiefe ist bis auf Makroaufnahmen, also wenige Zentimeter Entfernung zum Motiv, nahezu unendlich ausgedehnt. Keine Überraschung. Die Blende ist fest auf 2.4, so dass man immer mit "Offenblende" fotografiert, aber bei dem kleinen Objektiv und Sensor bedeutet das halt keinerlei kreative Möglichkeiten wie Freistellung.
Nach dem ich etliche Bilder draußen gemacht hatte, wollte ich noch einmal die Möglichkeiten in Innenräumen ohne "Blitz" ausprobieren. Am Rande: der Blitz ist nur eine kleine LED und hat max. 1.5m Reichweite, also nichts, was ich als Blitz bezeichnen würde. Reicht für Käsegesichter im Club aus nächster Nähe mit rabenschwarzem Hintergrund ;)
Die Kamera verfügt, wie oben geschrieben, nicht über eine echte Blende. Die einzigen beiden Parameter die daher wirklich (automatisch) verstellt werden können, sind Belichtungszeit und ISO (Verstärkung). Da auch den Entwicklern der Kamera klar gewesen sein dürfte, dass die ISOs nicht gerade problemlos erhöht werden können, wird gnadenlos an der Zeitschraube gedreht. Schon bei durch Tageslicht hell erleuchteten Innenräumen steigt die Belichtungszeit teilweise über 1/50 Sekunde! Viel zu lang für bewegte Motive wie langsam laufende Menschen. Entsprechend hat man es sehr viel mit Bewegungsunschärfe zu tun.
Bei statischen Motiven hat man dagegen eher mit geringer Schärfe zu kämpfen, die sich aus einer Kombination aus Objektivschwächen und JPEG-Verarbeitung ergeben dürften.
Bei solchen Motiven spielt das kaum eine Rolle, sofern man bei der Postproduction ein wenig nachhilft.
Mit ein "wenig" Bearbeitung in Lightroom kann man sogar recht knackige Ergebnisse erzielen, wenn es denn die Rahmenbedingungen erlauben.
Eine nachträgliche Schwarzweißkonvertierung macht die Bilder in meinen Augen etwas gefälliger, da man das Farbrauschen nicht mehr sehen kann.
Bei genügend Licht, wird die Zeit als einziger freier Parameter erhöht. Die minimale ISO-Zahl scheint 80 zu sein, die maximale war bei mir 1000, wobei das ein krummer Wert ist, so dass ich fürchte es könnte bis 1600 gehen. Die minimale Belichtungszeit dürfte eine 1/8000 sein, ein durchaus respektabler Wert. Aber auch notwendig, da wie gesagt keine echte Blende vorhanden.
Um Details wie kleine Schrift aufzunehmen, reicht es bei gutem Licht noch halbwegs. Das spionagemäßige abfotografieren von Geheimdokumenten sollte man aber dann doch mit dem eingebauten LED-Blitz machen :)
Was mich gewundert hat, auch mit einem Handy erregt man Aufmerksamkeit! Ich hatte insgeheim gehofft, mit dem Handy unbeachteter Aufnahmen machen zu können, als mit meiner fetten Kleinbildkamera, bei der schon die meisten Objektive ein Vielfaches der Größe des gesamten Handys erreichen. Leider war dies ein Trugschluss. Die Kommentare aus dem "Off" waren genauso häufig.
Eigentlich überflüssig über Chromatische Abberationen oder ähnliches zu philosophisieren, aber der Vollständigkeit halber hier ein extremes (?) Beispiel. Das offenliegende Objektiv ist sehr anfällig gegenüber Gegenlicht. Welche sonstigen Objektivprobleme noch vorhanden sind, kann man angesichts der geringen Gesamtqualität der Bilder schwer ausmachen, also spielen sie somit auch keine große Rolle.
Pseudomakroaufnahmen gelingen übrigens recht gut. Wirkliche Makros gehen natürlich nicht, aber trotz des angenehm weitwinkligen Objektivs kommt man nah genug an die meisten Motive heran. Das ist auch notwendig, z.B. für Barcodescanner-Applikationen, die durchaus nützlich sein können.
Fazit:
Am Ende meiner kurzen Session mit der Smartphone-Kamera blieb ein gemischtes Gefühl. Auf der einen Seite sind die klaren Defizite einer solchen Kamera, mit der man als ambitionierter Hobbyfotograf nicht wirklich leben kann, auf der anderen Seite war der Reiz dieser Einschränkungen groß. Groß deshalb, weil ich einfach sehen wollte, was man mit solchen geringen Mitteln erreichen kann. Ich habe dabei erst an der Spitze gekratzt und kann mir gut vorstellen, dass ich die Grenzen da noch weiter ausloten werde. Ist halt mal eine interessante Abwechslung zu einer Profikamera, bei der ohnehin alles geht und die technischen Grenzen meistens keine Rolle spielen.
Wirklich überrascht hat mich übrigens die elegante Art der Fokussierung die möglich ist. Statt den vorhandenen und schlecht gemachten Auslöser am Handy-Gehäuse zu verwenden, kann man auf dem Touchscreen direkt den Punkt bestimmen, auf den fokussiert werden soll. Bei der Schärfentiefen meistens nicht sonderlich wichtig, ist es doch mal ein Feature, was bei einer modernen Spiegelreflex nicht so elegant gelöst ist, da man dort mit Steuerkreuz und/oder Verschwenken arbeiten muss. Auch die Auslöseverzögerung hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Sicherlich weit entfernt von dem, was man als Actionfotograf benötigt, aber Action ist aus den hier genannten Gründen ohnehin kaum die Domäne einer solchen Handy-Kamera.
Wenn man keine allzu hohen Ansprüche hat, bzw. diese mal für einen Moment herunterschrauben kann, hat man durchaus einen kurzweiligen Spaß mit diesem Gerät. Um Dokumentationsfotos zu machen, die man dann direkt anderen auf's Handy sendet, reicht es wohl ebenfalls...meistens zumindest.
Definitiv kein Ersatz für eine Kompaktkamera, nicht einmal für eine günstige, aber besser so, als gar kein Bild...na ja, manchmal zumindest ;)
Vielen Dank für's Lesen.
Sonntag, 5. Februar 2012
Classic Motorshow
Am Samstag war ich für 3 Stunden auf der Bremen Classic Motorshow. Diese Messe ist weniger Show, als der Name vermuten lässt. Genau genommen suchte man dort sowas wie eine Show im Sinne von Spektakel eher vergeblich. Die meisten Hallen war komplett oder zum größten Teil voll von Verkaufsständen. Dort konnte man alles kaufen, vom kompletten renovierten Oldtimer, bis hin zum Autoaufkleber oder einer Fußmatte. Ich hatte auf mehr Autos gehofft und auch auf eine bessere Präsentation. Bis auf eine Ausstellungsfläche, waren die meistens Autos eher lieblos abgestellt worden.
Wie eigentlich immer, so war auch diesmal das Licht wieder eine Katastrophe. Von kunstvoller Ausleuchtung keine Spur. Man konnte froh sein, wenn man überhaupt genügend Licht vorfand, um ein brauchbares Foto zu machen. Das wild gemischte Kunstlicht war auch nicht gerade das, was man gerne zum Fotografieren verwendet. So viel zu den negativen Seiten. Positiv war die schiere Größe der Ausstellung. Sämtliche Hallen, inklusive dem Parkhaus wurden genutzt. Hatte man sich erstmal durch die Hallen mit Zubehörteilen gekämpft, konnte man schon eine große Anzahl von Motorrädern, Autos und landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen entdecken. Die meisten Fahrzeuge waren natürlich Oldtimer, wobei sich wohl auch einige "Youngtimer" dazwischen geschmuggelt haben dürften. Und ein ein definitiv modernes Auto habe ich dann auch entdeckt:
Die Oldtimer waren übrigens nicht alle so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Viele wurde anscheinend gar nicht restauriert und sahen aus, als hätte man sie gerade aus der Scheune gezogen.
Warum man die Autos nicht renoviert hat, weiß ich nicht. Ich denke die Kenner werden wissen warum, ich hätte lieber hochpolierte Karossen gesehen.
So wie dieses Exemplar hier.
Insgesamt fand ich die Ausstellung okay. Zum Fotografieren ist sie aber sicherlich nicht das Ziel Nummer Eins, es sei denn man ist wirklich ein Autofreak. Ich denke die unter freiem Himmel stattfindende Oldtimershow in der Bremer Innenstadt, die wohl nun jedes Jahr stattfinden wird, ist weit besser für das Fotografieren geeignet...gutes Wetter vorausgesetzt. Bei dem aktuellen Wetter war es aber eine nette Abwechslung und die einzige Chance mehr als 10 Bilder zu machen, bevor einem die Finger abfallen ;)
Die komplette Galerie mit größeren und schärferen Bildern findet man wie immer auf meiner Homepage. Direkter Einstieg: http://www.gstoever.de/fotos/classicmotorshow/index.html
Samstag, 4. Februar 2012
Mein erstes Studio-Geknipse
Irgendwann musste es ja mal passieren...mein erstes Studiogeknipse.
Meistens fängt es beim Hobby Fotografie ja mit Urlaubsbilder und den geliebten Familienangehörigen oder Haustieren an, sofern vorhanden, und irgendwann kommen dann wahrscheinlich auch Events wie Konzerte oder Jahrmärkte oder was auch immer man gerade so besucht oder was einen auch immer interessiert. Die unausweichlichen "Aufträge" auf Familienfeiern stehen dann meistens an, wenn man genug mit seiner eigenen Meisterschaft in der Fotografie angegeben hat, so dass sogar Tante Frieda einen unmissverständlich auffordert, die Bilder der nächsten Goldenen zu machen! Da kommt dann oft die erste Panik auf und wenn nicht schon in der Tasche, dann kommt auch spätestens dann das erste Blitzgerät und ergänzt das Portfolio des Hobbyfotografen.
Hat man das dann mehr oder weniger erfolgreich gemeistert, folgen vielleicht ein bis zwei Hochzeiten im Angehörigenkreis und eventuell sogar mal die ersten echten Aufträge. Aber was dann? Hat man schon alles mal gemacht? Gibt es noch was, was man unbedingt noch machen muss, bevor man sich dem nächsten Hobby zuwenden kann?! Natürlich, Studiofotografie!
An dieser Stufe angekommen, zog es nun auch mich ins Studio, um dort meine ersten Erfahrungen zu sammeln. Genauer gesagt, sollte es ein Workshop für Portraitfotografie im Studio sein. Viel tun muss man dafür nicht, außer ein wenig Geld auf den Tisch zu legen.
Dieses Bild hier ist eigentlich am Thema vorbei, aber dazu später mehr.
Den Workshop hatte ich in einer seriösen Fotoschule gebucht und mir auch gleich Verstärkung in Form eines Leidensgenossen dazu genommen. Die Gruppe der Teilnehmen war überschaubar, 6 hätten es sein sollen, 5 kamen. Nach einer lockeren Vorstellungsrunde wurden wichtige Themen wie Modellverträge und Co. erläutert. Anschließend kam der interessante Teil, in dem die Beleuchtungstechnik erklärt wurde. Dazu gehörten natürlich auch Belichtungsmessung und ein wenig "Blendenkunde". Insgesamt für mich nicht wirklich spannend, aber teilweise doch informativ. Man kann ja viel lesen, aber in der Praxis muss man doch noch das eine oder andere erfahren.
Nach dem das Model eingetroffen war und sich seinen Platz in der riesigen weißen Hohlkehle gesucht hatte, wurde es ernst. Der Kursleiter justierte die ersten Studioblitzlichter und erklärte deren Funktionsweise. Ausgelöst werden die verschiedenen Lichtquelle über Funkauslöser, wie ich sie auch selber schon vorher verwendet habe. Jeweils 2 Teilnehmer durften sich einen Sender auf die Kamera schnallen und den Worten Taten...äh Bilder folgen lassen. Ich muss zugeben, ich war verwundert wie einfach man sehr gut belichtete Bilder bekommt! Da die Kameraautomatik sinnlos ist, sie kann nicht wissen mit welchem Licht die Aufnahme gemacht wird, musste man vorher per Belichtungsmesser die richtige Blende ermitteln (und ISO, Zeit spielt keine Rolle, wenn man die Blitzsynchronzeit nicht überschreitet). Dieser Wert, einmal ermittelt, sollte fast den ganzen Abend seine Gültigkeit behalten. Korrekturen wurden teilweise einfach an den Studioblitzgeräten eingestellt. Ich hätte mir das schwieriger vorgestellt, warum auch immer. Tatsächlich war aber die einmal angesagt Blende 5.6 bei ISO 200 (niedrigsten Einstellung meiner Knipse) fast immer korrekt. Sicherlich auch ein Verdienst des "Beleuchters".
Wie oben bereits erwähnt, ist das erste Foto eigentlich am Thema vorbei, denn es wurde ohne Studioblitzlicht gemacht. War sozusagen ein "Making-Of"-Shot, als ich gerade nicht an der Reihe war. Dieses Bild hier war eines der ersten mit Studioblitz. Warum ich das erwähne? Nun, weil ich gerne was zum sogenannten Einstelllicht sagen möchte. Die eigentliche Aufnahme im Studio, zumindest hier, wird mit reinem Blitzlicht gemacht. Um aber überhaupt was sehen zu können und wichtiger, damit die Kamera was sehen kann und der AF seine Aufgabe erfüllen kann, gibt es ein Einstellllicht. Dieses Licht dient wohl ebenfalls dazu abschätzen zu können, wie die Ausleuchtung beim Zünden des oder der Blitze ausfallen wird. Hat man ausgelöst, brauchen die Geräte natürlich eine kurze Weil, um sich wieder aufzuladen. Das und die Tatsache, dass jeweils zwei Personen einen Senden hatten und damit auslösen konnten, hat es für das Model nicht gerade einfach gemacht im richtigen Moment in die richtige Kamera zu schauen. Sie hat es aber aus meiner Sicht sehr gut gemeistert, so dass jeder die Chance hatte ein gutes Bild auf den Sensor zu bannen.
Das Model. Für mich die spannendste Sache neben der Studiotechnik. Ein Portrait soll ja die Persönlichkeit eines Menschen widerspiegeln. Gut, keiner wird erwarten können, dass es bei so einem Übungs-Rudel-Geknipse gelingen kann ;) Aber trotzdem, wie interagiert man mit dem Model? Wie man auch sonst mit Menschen interagiert, man spricht mit ihnen. Erst wenn man die Kamera mal aus dem Gesicht nimmt und eine einfache Beziehung herstellt, kann man auch sowas ähnliches wie Portraits erstellen. Sicherlich nicht für jeden ganz einfach, aber anders geht es meiner Meinung nach nicht. Hier habe ich dann auch mal wieder gemerkt, dass ich noch lange nicht die Routine habe, die ich haben müsste, um die Kamera total zu vergessen. Viele wertvolle Sekunden gingen beim Gefummel an der Kamera verloren, in der ich mich besser hätte mit dem Motiv beschäftigen sollen, also dem Model. Notiz an mich selber: mach einfach 20 Fotos und kontrolliere dann deren Qualität! Wenn sie nichts geworden sind, egal! Die Kommunikation ist wichtiger als ein paar versaute Fotos. Außerdem waren wie gesagt die Einstellungen trivial, so dass 99% aller Bilder ausreichend gut geworden sind.
Hairlight und Co.: viele Begriffe kannte ich schon vom Lesen, aber wie was wirklich eingesetzt wird, hatte ich natürlich noch nicht erlebt. Wenn man es gezeigt bekommt, erklären sich aber alle Begriffe und Techniken mehr oder weniger von selber. Der Unterschied zum Fotografieren mit natürlichen Lichtquellen ist einfach nur die grenzenlose Verfügbarkeit aller Möglichkeiten. Natürlich kann man auch bei Tageslicht noch mit Reflektoren zusätzliche Lichtquellen generieren (im Studio natürlich auch), aber hier hat man wirklich alle Möglichkeiten. Anzahl, Position, Lichtmenge, Abstrahlwinkel, Farbe, Reflektion, alles kann man sich einrichten wie man es will. Das alles gekonnt einzusetzen ist natürlich die Kunst bei der Sache.
Man könnte ja der Idee verfallen, ein paar ferngezündete Systemblitze würden ausreichen, um die Qualität einer Studiobeleuchtung zu erhalten. Leider falsch! Eine noch so große Menge von Aufsteckblitzen ersetzt sicherlich nicht die diversen Gerätschaften in einem professionellen Studio. Es kommt nämlich nicht nur auf die Anzahl der Lichtquellen an, sondern auch auf deren Qualität und Art der Lichtabgabe. Wie man auf dem Bild sieht, sind diese Lichtquellen teilweise extrem groß, bzw. die Softboxen, Reflektoren, Schirme und Co. erzeugen ein völlig anderen Licht, als es ein einfaches Blitzgerät aus der Fototasche alleine erzeugen könnte. Bei diesem Bild fehlt übrigens eine bessere Ausleuchtung von rechts...zumindest für meinen Geschmack ;) Nein, eigentlich habe ich hier nur nicht verstanden, worauf es ankommt.
Posen. Ja, schwierig für mich, gebe ich gerne zu. Während ich das klassische Portrait, also Aufnahme des Gesichts mit oder ohne Oberkörper ja noch problemlos einordnen kann, fällt es mir bei diesem oder auch beim folgenden Bild schwer die Qualität einzuordnen. Hat natürlich seinen Reiz, aber wirklich identifizieren kann ich mich damit erstmal nicht. Denke, da muss ich noch eine Menge an Infos sammeln was ich da nun eigentlich fotografiert habe, um das entsprechend einsortieren zu können und zu entscheiden, ob es ein gutes Motiv ist oder nicht. Rein vom Geschmack her war es mir "too much", da gefielen mir die natürlicheren Momente besser.
Hat sicherlich eine ästhetische Ausstrahlung, aber ich kann es einfach nicht einordnen. Natürlich geht es bei solchen Posen nicht um die alltägliche Stellung eines Menschen, sondern vielmehr um...ja, um was? Ich weiß es nicht. Ich werde mich mit der Thematik aber beschäftigen ;) Zumindest wirkt es irgendwie "stylish" und das ist ja auch schon mal was.
Fazit:
Für mich hat sich der Kurs auf jeden Fall gelohnt und es wird sicherlich nicht der letzte sein! Die Technik war für mich keine Herausforderung, auch wenn ich nicht sagen kann, dass ich nichts gelernt hätte. Die Arbeit mit dem Model war aber auf jeden Fall eine sehr wertvolle Erfahrung. Bis zu diesem Workshop hatte ich nur 2-3 Mal mir unbekannte Leute fotografiert, die sich auch fotografieren lassen wollten. Und nur ein einziges Mal habe ich wirklich Portraits einer unbekannten Person erstellt und musste dabei so weit wie möglich von der Kamera weg und zum Motiv hin. Ich denke, hier ist die Baustelle. Portraits werden nicht dadurch zum Portrait, dass man das Gesicht einer Person fotografiert, sondern dadurch, dass man die Person als Persönlichkeit abbildet. Dazu gehört sicherlich mehr als das richtige Licht. Ich bin gespannt wie viel ich davon beim nächsten Mal umsetzen kann.
Meine Empfehlung an alle, die es mit der Fotografie ernst meinen, macht es! Auch wenn man eigentlich keine Interesse an Portraits oder Studio hat, die Erfahrung sollte man gemacht haben, denn vielleicht entdeckt man so eine neues Thema für sich. Und wenn nicht, dann weiß man wenigstens das man sich damit nicht mehr beschäftigen muss.
Alle Bilder findet ihr auf meiner Homepage: www.gstoever.de
Danke fürs Lesen.
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