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Sonntag, 14. Januar 2024

Lichter der City

Heute war ich mit einem Kumpel mal wieder in der Bremer City unterwegs. Wir hatten von dem Event 
Lichter der City im Internet erfahren und wollten uns das nicht entgehen lassen. Das Wetter war zwar kalt und nass, aber was tut man nicht alles für ein paar Opportunities?! 

Bremer Dom, linke Seite


Bei dem Event werden historische Gebäude auf dem Marktplatz mit Beamer angestrahlt und mit einer abstrakten Licht-Animation überzogen. Außerdem durchstreifen Darsteller mit phantasievollen und beleuchteten Kostümen die historische Innenstadt Bremens. 

Der Schütting auf dem Markplatz (Gildehaus, heute Sitz der Handelskammer)


Der Markplatz und "um zu" waren gut gefüllt mit Einheimischen und Touristen. Natürlich eine perfekte Gelegenheit für spannenden Selfies.

Ich hatte mich an diesem Abend für Fotos entschieden und meine Z6 mit 24-70/2.8 und 70-200/2.8 eingepackt; beides F-Version (also die alten Objektive, die per FTZ-Adapter adaptiert werden). Mein Kumpel war auf der Videospur.

Technik:
Ich habe bewusst kein Stativ mitgeschleppt. Nicht wegen des Schleppens, sondern wegen der Menschenmengen und der Agilität. Daraus ergaben sich natürlich grenzwertige Belichtungszeiten (teilweise 1/25) und herausfordernde ISOs (bis zu 6400). Die Nikon Z6 hat zum Glück einen guten Stabilisator (IBIS) und das Gewicht der alten, fetten F-Objektive hilft auch dabei, dass man nicht verzappelt. Bei Bewegungen musste ich natürlich Spray and Pray spielen. Wobei ich kein Dauerfeuer verwendet habe, sondern auf den richtigen Moment gewartet und dann 3-4 Bilder schnell hintereinander gemacht habe.

Wegen des Kunstlichts habe ich den mechanischen Shutter verwendet und nicht den elektronischen, der bei diese Situation schnell zu Streifenbildung führt (Interferenzen mit der Frequenz der diversen Lichter, die nicht immer bei exakt 50 Hz liegen; Beamer, LEDs...).


Was mich gewundert hat, trotz Blende 2.8 bis 4.0, hat das gute alte Nikkor 24-70/2.8 noch ordentliche Blendensterne produziert. Ich habe so das Gefühl, das die modernen Z-Linsen kaum noch Blendensterne erzeugen, zumindest nicht nennenswert bei Offenblende. Ich muss mal schauen, ob dem wirklich so ist.


Marktplatz, v.r.n.l. Bürgerschaft, Dom, Rathaus

Während ich an diesem Abend nur Fotos gemacht habe, hat mein Kumpel das Geschehen per Video festgehalten. Hier der Link zum Video:



Laterne auf dem Marktplatz

Das Wetter war leider nicht so sonderlich kompatibel zu einer leidlosen Knips-Session. Es war kalt und nass...nasskalt, brrr. Die eher kleinen und fummeligen Knöpfe der Z6 ließen sich nicht wirklich gut mit Handschuhen bedienen, so dass Finger abfrieren angesagt war. Aber was tut man nicht alles für ein paar Fotos.



Liebfrauenkirche neben dem Rathaus

Die Motive, mit denen die historischen Gebäude angestrahlt wurden, waren meistens abstrakt. Hier und da war aber auch mal Text oder wie hier, etwas gegenständliches zu sehen.



Liebfrauenkirche 

Die oben erwähnten Darsteller, mit ihren leuchtenden Verkleidungen, waren nur schwer zu fotografieren. Nicht nur aus technischen Gründen (ISO 6400, Zeiten teilweise bis zu 1/50 oder sogar noch länger), sondern auch wegen der Menschenmenge. Wenn man nicht zur Fraktion der Drängler gehört, wie ich, dann hat man immer eine Menschentraube vor sich, die einen guten Teil der Szene verdeckt.




Wenn man aber mal abseits des Hauptgeschehens geschaut hat, war dort durchaus freies Sichtfeld. Die Menschen sind den umherziehenden Darstellern gefolgt und ich beschloss nicht mitzulaufen, sondern eigene Wege zu gehen...eine Idee, die auch sonst im Leben oft nicht verkehrt ist ;)



Marcus-Brunnen auf dem Liebfrauenkirchhof und Liebfrauenkirche


Die meisten Aufnahmen sind mit hohen ISO-Werten gemacht worden. Bei ISO 6400 ist für mich bei der Z6 Ende. Ist ohnehin der native Maximalwert der Bildsensoreinheit. Da ich auf die Lichter belichtet habe, musste ich in der Nachbearbeitung noch ordentlich die Tiefen wieder hochziehen, was teilweise das Rauschen in diesen Bereichen noch einmal um ca. 1-3 Blendenstufen erhöht hat.




In Lightroom gibt es seit kurzer Zeit eine KI-gestützte Rauschminderung. Wie viel KI da wirklich drin steckt, kann ich nicht sagen, aber der Effekt ist mehr als verblüffend! 



Moltkedenkmal an der Liebfrauenkirche

Was mich früher beim Entrauschen viel Zeit und Arbeit gekostet hat, in Form von Masken und Pinsel-Aktionen, geht mit der neuen LR-KI-Entrauschung super schnell und die Ergebnisse sind besser, als alles was ich jemals hinbekommen habe. Okay, wenn ich mir ganz viel Mühe gegeben habe, kam es nah heran. Aber diese Qualität mit einem Knopfdruck ist schon wirklich ein Gamechanger! Ich vermute, dass eine Motiverkennung durchgeführt wird und darauf basierend mehrere Masken erstellt werden, die dann unterschiedlich bei der Rauschminderung behandelt werden. Der CPU- und GPU-Lüfter des Rechners geht dabei für ca. 10 Sekunden auf hörbar höhere Touren.




Die Kostüme erinnern teilweise sehr an die vom Bremer Samba-Karneval und das ist kein Zufall!





Wenn man genau hinschaut, erkennt man viele Gesichter auch wieder.




Vielleicht kurz was zur Aufnahmetechnik. Ich habe, wie fast immer, den A-Modus verwendet, also Blendenpriorität. Dazu die ISO-Automatik mit max. 6400 und einer "Daumenregelautomatik" für die Belichtungszeit, die einen Wert wählt der sich aus der Brennweite und der Daumenregel gegen das Verwackeln ergibt.

Max. Belichtungszeit = 1 / Brennweite, z.B. 50mm => 1/50 ist die längste Belichtungszeit, die man wählen sollte.

Nun hat die Z6 natürlich einen Stabilisator im Gehäuse (IBIS), der mechanisch arbeitet und Objektive, wie das 70-200, die zusätzlich im Strahlengang einen mechanischen Stabilisator haben. Somit wären weit längere Zeiten möglich. Da sich auch was bewegt, ist eine zu lange Zeit natürlich nicht sinnvoll.

Die ISO-Automatik ist somit ein guter und einfacher Weg, sich ein wenig Arbeit zu ersparen. Man kann die Blendenstufe vorgeben, die als Grundlage gewählt werden soll. Somit kann man positiv als auch negativ von der Daumenregel abweichen; 2 Blendenstufen länger oder 3 Blendenstufen kürzer zum Beispiel. Damit kann man sich das Wunschverhalten der Automatik schnell einstellen. Wenn sich nicht viel bewegt oder Bewegungsunschärfe durchaus gewollt ist, hat man eine max. Belichtungszeit, die man aus der Hand mit Stabilisator noch halten kann und wenn sich bewegende Dinge im Sucher befinden, geht man etwas höher und hat so dann vielleicht 1/125 als längste Zeit, trotz 200 mm Brennweite. Ist mehr Licht da, als für die oberste eingestellte ISO-Grenze notwendig ist, verkürzt sich die Belichtungszeit automatisch. Somit hat man nicht den Stress alles ständig von Hand nachregeln zu müssen.



Bei einigen Motiven habe ich die Dunkelheit ausgenutzt, um einen schwarzen Hintergrund zu erhalten. Gerade wenn im Hintergrund nur eine langweilige Wand zu sehen war, erschien mir das die beste Wahl für das Motiv. Ein wenig Nacharbeit mit Vignette und Co. in LR sind natürlich notwendig.



Schütting am Marktplatz

Es waren mindestens 2 Beamer-Stationen aufgebaut. Durch den niedrigen Abstrahlwinkel, wurde man teilweise heftig geblendet.



Bremer Neptunbrunnen

Bei dieser Szene der Projektion fiel mir sofort der Neptunbrunnen ein, den ich im Vordergrund haben wollte. Da ich nur wenige Schritte entfernt war, stellte das kein Problem dar. Für die, die den Brunnen nicht kennen, das schwarze Zackengebilde ist Teil der Projektion, nicht der Brunnenfigur.



Neptunbrunnen



Der Bremer Dom

Wie bereits oben erwähnt, gab es neben abstrakten Mustern teilweise auch Figürliches oder Texte.




Die Projektionen waren animiert, so dass man sich längere Zeit das Schauspiel ansehen mochte.




Einige der Animationen waren wirklich spannend. Die hier erinnerte so ein wenig an einer Lasershow oder Bühnenshow aus den 80zigern.




Kleinere Darbietungen gab es abseits der großen Projektionen auch zu sehen.



Bremer Markplatz, links der Roland, rechts die Arkaden des Rathauses


Wäre die nasse Kälte nicht gewesen, wäre es ein durchweg gelungener Ausflug geworden. Fotografisch angenehm herausfordernd, aber nicht zu heftig. Bekannte Objekte und Motive konnte man in einem völlig neuen Licht sehen und ablichten.

Ich hatte ein wenig ein Problem mit den Menschenmengen. Das man fast immer dunkle Hinterköpfe im Sucher hatte, war jetzt nicht wirklich ideal. Die Kamera hoch in die Luft zu halten und quasi blind zu knipsen, kommt für mich aber nicht wirklich in Frage. Ich mag es viel zu sehr die Kamera in den Hand zu halten, mit dem Auge am Sucher. Mit einem Smartphone konnte man natürlich einen Meter gewinnen und ich habe sogar jemanden gesehen, der seine Kamera an eine Art Selfiestick oder Einbeinstativ in die Höhe reckte! Das wäre mir zu gefährlich. Nicht nur für die Kamera, sondern auch für die Leute! Ich konnte die Kamera nicht genau erkennen, aber meine Z6 mit 24-70/2.8 (F-Mount) wiegt genug, um eine Gefahr darzustellen.

Insgesamt fand ich es aber gut genug, um im nächsten Jahr wieder dabei sein zu wollen und ich kann das allen Foto- und Videographen durchaus empfehlen. Ob sich eine Anreise aus größerer Entfernung dafür lohnt, muss aber jeder selber entscheiden.

Danke!

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Hier nochmal der Link zum Video:



















































Samstag, 30. September 2023

Sigma 85mm F1,4 DG HSM | Art

Das Objektiv habe ich schon eine Weile, aber irgendwie habe ich kaum Fotos damit gemacht. Ich bin heute für ein paar Testaufnahmen auf einen Friedhof gefahren. Das Wetter und Licht war nicht so toll und mir fiel kein anderer Ort ein.

Das Sigma ist ein echter Brocken von einem Objektiv. Das hat es wohl mit den meisten Vertretern seiner Gattung gemeinsam. Blende 1.4 und Kleinbild bedeuten viele große Linsen und somit viel Volumen und Gewicht.

Sigma 85mm F1.4 DG HSM | Art

Das Filtermaß beträgt 86mm und das Gewicht liegt bei über 1,2 Kilo. Also nichts für das Handtäschchen.

Dafür bildet das Teil aber extrem scharf und kontrastreich ab, auch bei Offenblende. Wie alle Sigma-Art-Objektive, dich ich habe, kann man Blende 1.4 problemlos verwenden, egal bei welchen Lichtbedingungen. 

Alle folgenden Aufnahmen sind mit Offenblende gemacht, da ich noch mal ausprobieren wollte, wo bokeh-technisch das Limit ist.


Das Objektiv ist gut verarbeitet, wie alle Art-Objektive, die ich habe. Die Geli ist ein wenig billig, aber das scheint seit einigen Jahren bei allen Herstellern und Objektiven so zu sein. Es gibt nur einen Schalter, der leidlich gut zu bedienen ist und mit dem man den Autofokus ein- und ausschalten kann.





Der riesige Fokusring stört mich allerdings ein wenig. Man hat kaum eine Chance das Objektiv zu halten, ohne dass man dabei den Fokusring in der Hand hat. Somit besteht die Gefahr, dass man unbeabsichtigt den Fokus verstellt. Bei Blende 1.4 und entsprechendem Motivabstand reicht schon eine minimale Verstellung, z.B. beim Auslösen und der Fokus liegt daneben.





Neben dem riesigen Fokusring liegt mir das Teil auch nicht besonders gut in der Hand. Der Durchmesser ist mir einfach zu groß. Nicht tragisch, aber es gibt andere Objektive, die ich lieber in der Hand halte.





Dazu kommt noch, dass ich das Objektiv an einer Nikon Z6 verwende und noch ein F-Z-Adapter dazwischen muss. Das vergrößert die Länge noch um ein paar Zentimeter. Somit hat das fast schon die Dimension eines 70-200/2.8.





Ein sehr merkwürdiges Problem hat das Objektiv übrigens bezüglich des AFs an der Z6. Der ist bei f1.4 ausreichend schnell (treffsicher ohnehin zu 100%, wie alles an der Z6, da spiegellos). Je weiter man die Blende aber schließt, desto langsamer wird der AF. Und damit meine ich nicht, dass zu wenig Licht vorhanden ist. Auch bei prallem Sonnenschein ist der Effekt unvermindert zu beobachten. Das habe ich bei keinem anderen Objektiv, egal ob Sigma Art mit Adapter oder nativem Z-Objektiv. Sehr merkwürdig. Auch Firmware-Updates haben keine Änderung gebracht.





Aber genug genörgelt. Was das Objektiv zu einem Must-have macht, ist die brachiale Schärfe, bei geringsten CAs und anderen Farbfehlern und einem Butter-Bokeh, dass man das Sabbern anfängt :-)





Beim Bokeh kommt kein anderes Objektiv aus meinem Schrank an das 85er heran. Wobei auch das Sigma 35/1.4 und 50/1.4 ein Traum sind, aber der Bildwinkel macht dann bei vielen Motiven noch mal einen deutlichen Unterschied, weil weniger im Hintergrund herumwuselt.




85mm sind ja eine klassische Portraitbrennweite. Allerdings mache ich eigentlich keine Portraits. Daher liegt das gute Stück wahrscheinlich auch mehr im Schrank, als es verdient hat.





Und natürlich sorgen auch die Größe und das Gewicht dafür, dass ich das Teil nicht wirklich oft mitschleppe.





Eigentlich schade, denn die Abbildungsleistung ist in meinen Augen so gut, dass man es immer dabei haben müsste.





Wenn man die Blende von 1.4 oder 2.0 nicht braucht, ist ein 70-200 die praktischere Wahl. Größe und Gewicht sind vergleichbar. Beide sind (zu) groß und schwer, als das man damit gerne den ganzen Tag herumläuft.






Fazit: 

Ein faszinierend gutes Objektiv, was aber nicht sonderlich praktisch ist, wenn man nicht 85mm und f1.4 die meiste Zeit braucht. Spaß macht es auf jeden Fall und das ist mir am wichtigsten.

Ich kann das Objektiv mit den genannten Einschränkungen empfehlen.

Sonntag, 24. September 2023

Sigma 105mm F2,8 EX Makro DG OS HSM an Nikon Z6

Nach einer sehr langen Pause will ich diesen Blog mal wieder aufleben lassen. Irgendwie weiß ich schon nicht mehr, warum ich 2019 einfach aufgehört habe. Aber heute Abend ist mir danach mal wieder einen Post zu tatzeln.

2019 habe ich mir das 105er Makro von Sigma für meine Nikon Z6 besorgt. Eigentlich bin ich nicht so 
das Makro-Freak, aber ich versuche es tapfer alle paar Jahre wieder.


Okay, nicht wirklich ein Makro. Aber wenn ich eine neues Spielzeug habe, kann ich es einfach nicht abwarten das erste Bild damit zu machen. Die Schärfe, wie wohl bei allen guten Makros, absolut brachial. Da sind die 24 Megapixel der Z6 sicherlich zu wenig, um das wirklich auf die Straße zu bringen.

Der AF, auch typisch Makro, eher behäbig, um nicht zu sagen lahm. Der Stabi ist jetzt auch nicht wirklich super-toll. Ich denke so 2-3 Blendenstufen, mehr kann man da nicht erwarten. Aber für ein Makro jetzt kein Showstopper. Erstens fokussiert man meistens manuell und zweitens nutzt man oft einen Blitz oder Stativ, so dass der Stabi keine sooo große Rolle spielt.



Nach dem ersten Schuss erstmal raus in den Garten! Zum Glück gutes Wetter und gutes Licht.
Ach ja, es sind alles Crops, also Ausschnitte. Ein 1:1-Makro ist für viele Insekten nicht wirklich optimal. Somit muss man einen Beschnitt einkalkulieren, wenn es halbwegs spannende Bilder werden sollen. Zumindest bin ich nicht in der Lage mich bei den agilen Viechern bis auf 2-3 cmm zu nähern, ohne das diese die "Fliege" machen.



Was mich an Makros fasziniert; die Dinge die man mit bloßem Auge nicht sehen kann. Hier z.B. die Pollen auf dem Kopf der Biene. Ich denke, dass ist der Sinn einer Makroaufnahme. Ich bin immer wieder überrascht, was man zu sehen bekommt.




Die Herausforderung: Insekten im Flug! Bienen sind dabei noch harmlos. Wirklich ab geht es bei Libellen (im Flug). Aber auch sowas hier ist jetzt nicht ganz so trivial. 

Das Sigma liegt übrigens toll in der Hand. Es hat für mich die ideale Größe, Form und Gewicht. Ein 70-200/2.8 kann schnell ermüdend werden und ein Plastik-50er ist zu klein und zu leicht.




Ich habe leider keine Ahnung, wie dieses Tierchen heißt. Aber wir hatten hundert von denen auf den Büschen im Garten herumkrabbeln. Haben irgendwie was alien-artiges. 

Ich habe diese und andere Aufnahmen alle aus der Hand und ohne Blitz gemacht. Und wenn ich mich richtig erinnere, die meisten auch ohne den AF zu benutzen. Die Technik würde ich als "Kopf-Zoom" bezeichnen. Man fokussiert grob vor oder geht gleich auf 1:1 und bewegt dann den Kopf vor und zurück, bis man die Schärfeebene korrekt hat. Man muss dabei mit einem relativ großen Ausschuss rechnen. Also darf es auch ruhig mal Dauerfeuer sein, wenn man sichergehen will, dass der super schmale Schärfebereich einmal richtig sitzt.





Wind ist der schlimmste Feind bei der Makrofotografie im Freien! Nicht nur, dass man die Belichtungszeit entsprechend setzen muss (oder einen Blitz verwendet), auch die Positionsänderung eines Blattes um nur 1 mm macht die Aufnahme zunichte. Ein "Trick": man hält das Blatt oder den Ast oder was auch immer, fest. Da man dann aber nur noch mit einer Hand die Kamera hält, ist das auch wieder eine gewisse Herausforderung. Am besten man wartet einen windstillen Tag ab.




Die größte Herausforderung bei Makros im 1:1 Bereich, zumindest für mich, ist die Schärfentiefe. Man kann halt nicht immer Blende f=32 reindrehen. Und selbst wenn, bringt das auch nur wenige Bruchteile von Millimetern, wenn überhaupt. Dafür geht die Schärfe flöten. Manchmal ist es aus meiner Sicht besser, wenn man nicht auf die minimale Distanz, also 1:1, geht, sondern das mit einem beherzten Ausschnitt am Rechner löst. Damit gewinnt man ein paar Millimeter an Schärfentiefe. Aber auch dann ist es immer wichtig, dass man auf die Augen oder das wichtige Motivdetail fokussiert. 

Anmerkung: Focus Stacking (https://en.wikipedia.org/wiki/Focus_stacking) kann man bei Insekten nur verwenden, wenn das Tierchen lange still hält, kein Wind weht und man ein Stativ verwenden kann.





Ich bin wie gesagt kein Makro-Experte. Somit fällt es mir auch schwer das Sigma 105er angemessen zu bewerten. Als Vergleich hatte ich in meiner Laufbahn 3...4 Makros. Angefangen beim "Joghurtbecher", einem Pentax-Plastik-Makro mit grandioser Abbildungsleistung (ansonsten wie der Name sagt ;) ), bis hin zu einem Nikon-F Makro (105mm, f2.8). Irgendwie waren alle gut...für mich. Ich denk, scharf sind sie alle. Der Rest ist eher die Übung und Geschicklichkeit beim Umgang mit einem Makro.



Der größte Spaß ist es auf kleinstem Raum zu schauen, was da so alles fliegt, kriecht, krabbelt oder einfach so abhängt. So geht es mir zumindest. Natürlich hat es auch seinen Reiz Alltagsgegenstände zu knipsen, wobei man dann Details sieht, die man sonst nicht sieht.




Fliegen mögen wohl die wenigsten. Aber auch diese Insekten sind spannend und man wundert sich, was man mit einem Makro zu sehen bekommt.



"Trinkflasche"? Ich habe beobachtet, wie diese Fliege den Tropfen langsam eingesogen hat. 



Fazit:

Für mich ist das Sigma ein gutes Objektiv. Wenn man mal gelegentlich Makros machen will, egal ob Blümchen, Insekten oder was auch immer, taugt das Teil sicherlich hervorragend. Der AF ist wie gesagt lahm. Aber ich hatte noch nie ein Makro (105mm), bei dem das anders war. Man muss auch bedenken, dass die Offenblende (hier f2.8) nur bei Fokussierung auf unendlich vorliegt! Konstruktionsbedingt ist die Offenblende abhängig von der Fokusdistanz und fängt bei ca. f4.0 an (Nahgrenze). 

Ein Makro ist halt ein Makro. Man kann damit natürlich auch einfach Sachen in "normaler" Distanz fotografieren, aber man gewinnt dabei nichts, z.B. gegenüber einem 70-200/2.8. Man sollte also schon Lust haben durch den Dreck zu kriechen und nach spannenden Sachen zu suchen, die man sonst nicht sehen und fotografieren kann.

Leider benutze ich das Teil sehr selten. Ein Grund dafür, ich knipse gerne Libellen und andere Insekten, die einen nicht nah herankommen lassen. Da sind 105 mm einfach zu wenig. Zumal wenn die Tiere eher über dem Wasser heimisch sind und man nicht gerne stundenlang im Tümpel stehen mag. Am besten ist ein Makro mit dieser Brennweite, wenn sich das Motiv nicht bewegt oder flüchtet. Ideal natürlich für Produktfotografie oder was man sonst noch an leblosen Dingen knipsen möchte. Wobei dann eventuell ein 60mm-Makro die besser Wahl sein könnte. 

Also, Butter bei die Fische!

-Verarbeitung: okay. Gutes Plastik, wobei leicht empfindlich für Kratzer; Bajonett aus Metall
-Größe, Gewicht: Standard. Mag das Feeling. Liegt mir sehr gut in der Hand mit einer Z6
-Autofokus: schnarch! Sehr langsam bei weiten Strecken und geht gerne mal ins Nichts. Ist normal bei Makros
-Stabilisation: joaaaaaahr...okay. Vollbringt keine Wunder. 2-3 Blendenstufen; geraten
-Schärfe: brennt ein Loch in den Sensor
-Farben, CAs und Co.: mir ist nichts aufgefallen. Also weder positiv, noch negativ
-Preis/Leistung: gibt es das Teil noch?! War "damals" gut. Ein Schnäppchen im Vergleich zum Org.-Nikon!

Also ich kann das Objektiv empfehlen. Voraussetzung ist aber, dass man wirklich Makros machen will. Ansonsten braucht man das Teil nicht wirklich. 

Danke!






















Sonntag, 17. Februar 2019

Mit dem Sigma 150-600mm F5,0-6,3 DG OS HSM Contemporary im Tiergehege Hagenbeck

Wenn schon Zoo, dann auch gleich mit dem langen Rohr!

Heute war schönes Wetter, also gutes Licht, und ich habe meine D800 und das Sigma eingepackt und habe mich in Feindesland = Hamburg begeben. Mein bisher sehr positiver Eindruck zu der sehr erschwinglichen Optik ist heute in Euphorie umgeschlagen! Was für ein geiles Teil! Das Teil meißelt bei solchen idealen Bedingungen wirklich jedes Härchen und Federchen eines Tieres auf den Sensor, so dass man seinen Augen nicht traut. Und selbst bei Indoor-Aufnahmen geht noch was, weil der Stabi wirklich sehr gut ist (Anm.: ich habe den per USB-Dock erweitert/programmiert).


"Auftragsarbeit". Mein Sohn findet die niedlich, daher musste ich natürlich entsprechendes Bildmaterial liefern, auch wenn das Licht nicht so ideal war (kam von hinten und andere Position war nicht möglich).


Ich kann inzwischen ohne Lesebrille das Display der D800 nicht mehr wirklich gut deuten. Daher war ich mir im Zoo nicht sicher, ob die Bilder wirklich was taugen. Das der Fokus saß, habe ich gesehen und das es sehr scharf aussah auch, aber manchmal kommt die Ernüchterung ja zuhause vor dem 4k-Monitor.


Diesmal aber nicht...wobei, ist lange her das ich wirklich enttäuscht war von der Bildqualität. Man kann wirklich jedes noch so feine Haar erkennen und alles wirkt satt, scharf und man kann mit dem Pixelpeepen gar nicht aufhören.

ISO 6400 und starker Crop!

Die Schärfe und der Kontrast des Sigmas ist so gut, dass auch ISO 6400 bei Tageslicht, im Schatten, keinen Matsch produziert. Wieso es hier ISO 6400 waren? Keine Ahnung. Glaube ich war auf "M" + ISO-Automatik und hatte 1/500 eingestellt, weil ich die vorher gebraucht hatte. Wäre hier auch mit ISO 400 oder so gegangen, weil der Stabi wirklich gut ist.

Pampashase

Die liefen dort alle frei herum. Sind riesig! So groß wie ein kleiner Hund.


Mist, wollte das andere Bild nehmen :( Hier ist das eine Horn angeschnitten...na ja, anyway. Was mich extrem verwundert hat, der AF passt bei dem Teil so dermaßen gut, dass es schon gruselig ist! Ohne jede AF-Korrektur, egal ob bei Kerzenschein oder in der prallen Sonne und das an einer D800, die einen bei 1.4er-Gläsern zur Verzweiflung bringen kann.

Bei 600mm ist die Schärfeebene auch nur wenige Zentimeter auf dem Bild oben, also liegt es nicht am "Dunkelzoom". Der Fokus lag immer exakt auf den Augen (wenn nicht 100%, habe ich es verpeilt).



Die Bilder sind übrigens alle massiv bearbeitet. Also teilweise stark beschnitten und durch die Lightroom-Mühle gedreht, um z.B. Lichter und Schatten in den Griff zu kriegen. Woran ich allerdings nicht drehen musste, war die Schärfe. Die von LR standardmäßig gesetzte war schon krass genug. Ich hatte schon andere Linsen, wo man immer am Schärferad drehen musste, damit man...ich zufrieden war!

400 mm, 1/50, ISO 3200, starker Crop
Neben den "super Licht"-Situationen gab es natürlich auch das genaue Gegenteil. Also gruseliges Kunstlicht in Innenräumen, wie hier bei den Aras. Eigentlich wollte ich da gar keine Aufnahmen machen, weil ich mir gedacht habe: "Das wird sowieso nix bei dem miesen Licht und dem Dunkelzoom.". Aber es ging. Der Stabi ist wirklich sehr, sehr gut. 1/50 bei 400 mm muss man erstmal auf die Straße bringen.


Natürlich war da nicht jede Aufnahme ein Treffer. Ich habe schon Serien von 3-5 Bildern geschossen, damit davon mindestens 1 Bild brauchbar ist.

ISO 5600, 1/30, 150mm, Crop ca. 2/3
Aber schon irre, was man mit einer "alten" D800 und der Linse hinbekommt. Wenn ich da an meine Anfänge mit der Pentax denke...dort hätte der AF nichts gefunden und ab ISO 1600 hätte man nur noch bunten Matsch auf den Sensor gebannt.


Die Bären finde ich ja immer toll. Leider sind wir da sehr schnell vorbei gerannt. Aus der Hüfte schießen ist für mich aber nicht so das Problem, da ich das öfter mache und auch sonst inzwischen ganz gut bin, wenn es schnell gehen muss, egal ob Sportevents oder die "Schnappschüsse", weil die Familienkarawane unaufhaltsam weiterzieht.


Das Licht wurde immer besser. Ich mag das wärme Licht am Nachmittag und auch die langen Schatten.


Dem Bär gefiel es offensichtlich auch sehr gut :)


Extreme Brennweiten ergeben für mich oft nur als Zoom Sinn. 150 mm ist gerade noch so brauchbar, wenn man mal mehr in den Frame kriegen will. Eine 600 mm-Festbrennweite wäre mir viel zu speziell. Gerade im Zoo braucht man nicht immer 600 mm und manchmal sind sogar 150 mm schon zu lang.


Wieder indoor. Trotz der bescheidenen Offenblende von 5.0 bis 6.3 am langen Ende, packt der AF der D800 gnadenlos gut zu. Ich plane mir eine Nikon Z6 zu kaufen, bei der der AF ja sooooooo schlecht sein soll, gerade bei Lowlight. Ich werde genau diese Linse hier mit in den Laden nehmen und das testen. Sollte die Z6 das nicht packen, bleibt sie auf dem Tresen liegen.


Was ich leider nicht aufnehmen konnte, weil bei f5.0 und ISO 6400 Schluss ist, die Tiere sind wie kleine Feiglinge einer nach dem anderen vom Felsen ins Wasser gesprungen (2 Meter) und sind dabei erstmal minutenlang an der Kante auf und ab gelaufen, bevor sie sich getraut haben :)


Ich finde Pinguine cool.


Die Löwen dürfen natürlich nicht fehlen. So faul herumliegen wäre spätestens ab diesem Zeitpunkt auch meine bevorzugte Situation gewesen. Ich hatte bewusst nur das eine Objektiv eingepackt und sonst nichts. Aber das Gewicht ist auf Dauer schon anstrengend. Mehrere Stunden damit durch die Gegend zu laufen, ohne Pause; da spürt man den Rücken und den Nacken schon (ich trage Kameras immer um den Hals, weil ich nicht cool aussehen und die Hände oft freihaben muss).


Der Chef checkt die Lage.

Ja, das Gewicht und die Größe der Linse sind natürlich ein Problem. Es hilft zwar dabei nicht zu verwackeln...ist im Extremfall mehr ein Schwanken, was der Stabi gut ausgleichen kann, aber man muss schon bereit sein ein wenig zu leiden.


Mich stört das nicht so sehr, solange ich nicht mit dem Rad unterwegs bin. In der Umhängetasche werde ich das bei den anstehenden Radtouren aber nicht transportieren; da kommt der Rucksack zum Einsatz.


Endstation Kuschelzoo.

Also, ich kann die Linse wirklich nur empfehlen. Ist groß, schwer und unpraktisch und natürlich auch nicht lichtstark (geht auch gar nicht bei dem Preis und den Abmessungen), aber mir macht das Teil bis jetzt viel Spaß.

Gordon