Samstag, 12. Oktober 2013

Foam - Der Schaum aus dem die Träume sind

Was für ein bescheuerter Titel oder? Egal. Es geht um Schaum (engl. Foam). Irgendwo in den Untiefen des Internets habe ich mehr oder weniger zufällig eine Aufnahme von Seifenschaum gesehen und fand die Idee recht spannend. Es geht genau genommen um Makroaufnahmen von ordinärem Schaum. Man sieht mit bloßem Auge meistens eine weiße Masse und teilweise noch größere Bläschen. Mit einem Makroobjektiv entdeckt man dann aber schon erstaunliche Strukturen und Symmetrien in dem scheinbar belanglosem Chaos.

Makroaufnahme (ca. 5:1) von normalem Seifenschaum
Das sieht dann schon ein wenig wie eine Mikroskopaufnahme einer Zellstruktur aus; finde ich. Man sieht schon eine gewisse Ordnung, die sich aus den physikalischen Gesetzen ergibt.  Jemand hat zu diesem Bild in einem Kommentar sinngemäß gemeint, es sähe nach einem Fraktal aus (http://de.wikipedia.org/wiki/Fraktal). Zumindest lässt sich eine Eigenart von Fraktalen hier beobachten, die Wiederholung von immer gleichen Strukturen im scheinbaren Chaos, wobei diese immer kleiner werden. Okay, das war jetzt sicherlich die schlimmste Beschreibung von Fraktaler Geometrie, die es je gegeben hat ;)


Wie macht man überhaupt Aufnahmen von Schaum? Das habe ich mich auch zuerst gefragt und einfach mal ganz primitiv angefangen. Ein Glas mit Wasser und Spülmittel drin und ein wenig gerührt. Dabei habe ich es aber nur so stark schäumen lassen, dass eine dünne Schicht von feinem Schaum auf der Wasseroberfläche entstanden ist. Das Glas habe ich dann auf einen Topfuntersetzer aus Metall gestellt, was eine reflektierende Fläche darstellt. Die Kamera habe ich dann auf einem Stativ befestigt und mit dem Objektiv möglichst senkrecht und in kurzem Abstand (Makro-Objektiv mit 1:1) von oben auf das Glas gerichtet.


Wichtig ist dabei, dass man möglichst senkrecht ausrichtet, da man durch die geringe Schärfentiefe schnell unscharfe Bereiche bekommt, wenn die Wasserebene nicht exakt im Lot ist.

Die ersten Aufnahmen waren ziemlich langweilig. Man sah nur weißen Schaum mit blassen grauen Blasen. Daher habe ich einen Systemblitz genommen und diesen in verschiedenen Winkeln den Schaum ausleuchten lassen (Blitz "entfesselt", also frei von der Kamera positionierbar). Die unterschiedliche Wirkung der Blitzlichtrichtung sieht man in den beiden Aufnahmen hier.


Je nach Position, z.B. mehr von unten durch das Glas, ergab sich ein anderes Bild. So wirklich happy war ich mit dem Ergebnis aber noch nicht.


Also habe ich erstmal zwei Dinge geändert. Den Abbildungsmaßstab und die Farbe. Ersteres durch kürzeren Abstand zum Motiv, Achromat und Ausschnitt und Letzteres durch einen Farbfilter vor dem Blitz.


Dann war mir schnell die Struktur zu langweilig und ich habe in der Schaumschicht nach interessanteren Ausschnitten gesucht. So z.B. hier, wo man auch mal einfach glatte Wasseroberfläche sieht.




Das ganze habe ich dann wieder mit verschiedenen Positionierungen und Leistungen des Systemblitzes ausprobiert.

Die nächste Idee war etwas in das Glas zu werfen, z.B. einen Kronkorker einer Bierflasche ;) oder eine Münze.


Damit ergab sich dann eine Abbildung dieses Objekts in den linsenförmigen Blasen und eine andere Farbe.




Ich habe dann noch ein wenig so herumprobiert und diverse Sachen ausprobiert.


Hochformat...



...oder Schwarzweißbearbeitung.

Insgesamt eine spannende Sache, wie ich finde. Ich hätte nicht gedacht, dass man so viele Details zu sehen bekommt, die man in der Badewanne sitzend nicht vermuten würde. Auch die Möglichkeiten den Schaum auszuleuchten, ihn zu modellieren oder mit einfachen Mitteln (z.B. Münze im Glas) neue Varianten abzugewinnen, haben mich überrascht. Da ist sicherlich noch eine Menge Potenzial (Potential) drin.

Also, einfach mal ausprobieren. Ist schnell und einfach gemacht. Wasserglas mit Seifenlauge drin, Stativ, Kamera mit Makromöglichkeit, Blitz oder andere ausrichtbare Lichtquelle und es kann schaumig werden ;)

Grüße,
Gordon