Mittwoch, 12. August 2015

Spaß mit dem Panasonic 100-300

An meiner Micro Four Thirds Knipse ist das große Panasonic 100-300, trotz einer Reihe von Festbrennweiten, mein heimliches Lieblingskind. Das und den Grund dafür habe ich bestimmt schon erwähnt. Es liegt an der auf Kleinbildformat bezogen Brennweite von 200 bis 600 mm. Für eine Kleinbildkamera wurde solch ein Objektiv die Länge eines Baseballschlägers haben, aber mehr wiegen ;) Wobei ich gestehen muss, dass ich das Gewicht...oder die Gewichte von Baseballschlägern nicht kenne. Aber egal, darum soll es hier jetzt nicht gehen. Es möchte vielmehr ein paar Bilder zeigen, die mit diesem Objektiv gemacht wurden und ein wenig auf die nicht ganz unproblematische Handhabung eingehen.

Ausschnitt, aufgenommen mit Panasonic 100-300 bei 269mm, f6.3
Ein Verwendungszweck ist die Aufnahme von Insekten aus großer Distanz. Zwar ist das Zoom kein Makro und der Abbildungsmaßstab ist weit von 1:2 oder sogar 1:1 entfernt, aber an einem warmen Tag gelingt es mir nicht, an Libellen näher als 2 Meter heranzukommen, bevor sie wegfliegen. Das 60er Olympus Makro (siehe auch Olympus M.Zuiko Digital ED 60mm 1: 2.8 Macro ) hätte mir bei dieser und vor allem den folgenden Aufnahmen also nicht viel genützt.


252mm, f7l.1
Besonders wenig nützt einem ein Makro, wenn man Libellen im Flug fotografieren will. Selbst wenn man selber im Wasser steht, wie ich hier, wird man nur selten einen dieser quirligen Flieger in Armreichweite vor sich schweben haben. Sicherlich wird das passieren, aber man muss viel Geduld haben und eventuell auch irgendwie getarnt sein müssen? Ich weiß es nicht genau, aber mich meiden diese Tieren und halten einen Sicherheitsabstand von mindesten 3 Metern ein ;)


252mm, f7.1

Das ich fast nur Brennweiten unterhalb von 300 mm bei diesem Objektiv verwende, hat einen Grund. Die optische Leistung nimmt ab ca. 250 mm sichtbar ab (chromatische Abberationen, Unschärfe). Das ist normal und dürfte für fast alle Telezooms gelten. Daher sollte man auf die letzten 50 mm verzichten und dafür lieber den Ausschnitt kleiner wählen.


183 mm, f7.1
Je geringer die Brennweite, desto schärfer die Ergebnisse. Das liegt nicht nur am optischen System, sondern auch an eventuellem Verwackeln! 300 mm, also 600mm bezogen auf Kleinbild, sind extrem schwer aus der Hand zu verwenden, auch mit Stabilisator in Kamera oder Objektiv. Da man für Libellen aber ohnehin eine Belichtungszeit weit kürzer als 1/1000 verwenden sollte, spielt das hier kaum eine Rolle. Was eine Rolle spielt: durch die geringe Lichtstärke von 4.0 bis 5.6 am langen Ende, muss man selbst bei Sonnenschein die ISO-Zahl hochdrehen (hier fast immer 800). Dadurch verrauschen die Fotos natürlich und man verliert beim anschließenden Entrauschen wieder Bilddetails. Das ist aber das kleinere Übel, denn ein verwackeltes oder durch Bewegungsunschärfe verunstaltetes Bild ist quasi nicht mehr zu retten.


Belichtungszeit 1/4000 (maximal kürzeste Zeit bei der E-M10)
Selbst bei einer 1/4000, wie in diesem Bild, sind die Flügel noch unscharf, da sie sich so schnell bewegen. Apropo bewegen...kommen wir nun zu ein paar Problemen und meinen bescheidenen Lösungsansätzen dagegen. Wie schafft man es überhaupt Libellen im Flug zu fotografieren? Eigentlich ist der AF einer Kamera dieses Typs denkbar ungeeignet dafür. Grund: der kontinuierliche AF basiert auf einem mehr recht als schlecht dafür geeignetem Kontrastmessungsverfahren, bei dem der Fokus hin- und herpumpt. Mit einer Spiegelreflex oder der neueren Generation von Spiegellosen, bei denen auch Phasen-AF-Messpunkte verwendet werden, geht dies weitaus besser.


300mm, f7.1
Bewegen sich die Motive in einer Ebene 90 Grad zur optischen Achse...als von links nach rechts oder umgekehrt an einem vorbei ;), braucht mein keinen kontinuierlichen Autofokus. Man verwendet den AF-S, ggfs. auch mehrmals und macht dann sein Bild. Das klappt auch mit der E-M10 sehr gut. Man sollte allerdings schon mit dem richtigen Fokus starten und beim Nachfokussieren auf keinen Fall das Ziel verfehlen! Denn wenn das passiert, hat man mit einem der Probleme des Panasonic 100-300 (und natürlich auch anderen Objektiven) zu kämpfen. Der AF rauscht einem erstmal sonst wo hin und bis man ihn wieder gebändigt hat, also das Motiv wieder im Fokus ist, können Sekunden vergehen! Viel zu lang für solche Bilder wie dieses hier. Der Vogel war nur ca. 2-3 Sekunden überhaupt in idealer Distanz zu mir und man möchte ja auch mehr als nur ein Bild machen (ohne Serienbildfunktion, damit man nachfokussieren kann).

Mit Tipp: falls man beim Start noch die völlig falsche Fokusdistanz hat, z.B. auf ganz nah, statt fast unendlich, sollte man schnell auf ein sicheres Ziel vorfokussieren und zwar mit Autofokus. Ich habe hier erstmal auf die Reihe von Pflanzen im Hintergrund gehalten. Damit ist dann der Fokus nah genug, so dass der Fotograf und vor allem der AF den Vogel "orten" kann.
Gleiches gilt auch, wenn man beim Verfolgen des Motivs mit AF-S (also mehrmals nachfokussieren) eine Fahrkarte schießt. Der AF rödelt dann wie gesagt wild hin und her und man sieht nur noch Matsch im Sucher. Man muss dann eventuell die Kamera vom Augen nehmen und sich schnell in feststehendes Ziel mit gutem Kontrast suchen und so den Fokus wieder auf Startposition bringen.


252mm, f6.3
Ein weiteres Problem, das uns der AF bescherrt, ist der recht grobe Fokuspunkt. Auch wenn im Sucher oder auf dem Display ein kleines Rechteckt angezeigt wird, die Ermittlung des Fokus erfolgt anscheinend mit einem viel größeren Areal. Dadurch kommt es häufiger als mit Phasen-AF vor, dass der Fokus auf den Hintergrund oder irgendwas neben oder vor dem eigentlich anvisierten Ziel gestellt wird. Das kann gerade mit dem 100-300 extrem nervig werden. Selbst wenn das Motiv sich nicht bewegt, kann man viele, viele Anläufe brauchen. Manchmal hilft vorfokussieren auf etwas mit gleicher Entfernung, manchmal aber auch nur eine Positionsänderung. Aber auch Schmetterlinge sitzen nicht ewig an der gleichen Stelle und mögen es nicht, wenn man vor ihnen herumtanzt.


258mm, f6.3
Was die Kamera auch nicht sehr mag, sind Spiegelungen im Wasser. Bei knapp 260 mm kann da der Fokus schon mal die entscheidenen Zentimeter danebenliegen...oder einen halben Meter. Hier hilft bei mir nur mehrmaliges Fokussieren und Auslösen, so nach dem Motto: "Bei einem wird es schon passen!".


264mm, f7.1
Eine sinnvolle Hilfe, wenn man so etwas schnelles wie Libellen, aber auch dieses Flugzeug vor neutralem Hintergrund fotografieren will, ist die Verwendung von mehreren Fokusfeldern. Bei der E-M10 kann man neben allen Feldern auch ein 9x9 Gitter wählen. Das würde ich immer bei solchen Anlässen verwenden, da das Motiv so einfacher zu treffen ist und man beim manuellen Nachverfolgen nicht in Gefahr läuft, dass einem der AF davongallopiert. Durch diese AF-Feld-Gruppierung kann man auch mal neben das Ziel fokussieren und die Kamera fokussiert trotzdem korrekt, da sind automatisch das passende Feld auswählt.


Ziel verfehlt!
Wie leicht man sein schnelles Ziel verfehlt, zeigt diese Libellenaufnahme. Die Flugbahn ist kaum vorhersagbar und bei 250 mm sieht man oft nur für einen Bruchteil einer Sekunde überhaupt etwas von dem Tier im Sucher. Hat man dann noch nur ein Fokusfeld aktiviert, geht der AF mit Sicherheit ständig stiften und man fängt wieder bei Null an; sprich man hat das Foto verpasst und wartet auf die nächste Libelle oder was auch sonst.

Mein Tipp: Mit beiden Augen schauen! Klingt wirr und unmöglich, aber mit ein wenig Übung geht das. Man kneift nicht das eine Auge zu, sondern lässt beide offen. Mit dem freien Auge peilt man nun das Objekt an und ermittelt so grob die Position. Dann folgt man mit der Kamera und "schaltet" auf das Auge am Sucher um, bzw. versucht die beiden Bilder zu überlagern. Sieht man das Objekt im Sucher, konzentriert man sich nur noch auf dieses Auge. Man hat damit 2 Sichtweisen/Brennweiten. Sozusagen einen Weitwinkel-Sucher, das unbewaffnete Auge, und den Tele-Sucher durch die Kamera. Wichtig ist es dabei, dass man nicht abwechselnd versucht das jeweilige Auge zuzukneifen, sondern das Gehirn die Arbeit machen lässt. So kann man sogar beide Bilder überlagert sehen. Wie gesagt, dazu muss man ein wenig üben. Manche werden das vielleicht nie richtig hinbekommen, andere eventuell beim ersten Versuch, kann ich nicht sagen.

Eine andere Möglichkeit, die aber nur gut bei langsam oder gleichförmig bewegten Motiven funktioniert, ist das Reinzoomen. Dabei fängt man mit einer kleinen Brennweite an und zoomt langsam auf die gewünschte Telebrennweite. Allerdings sind Objektive wie das Panasonic nicht parfokal (https://de.wikipedia.org/wiki/Parfokal)! Das bedeutet, der Fokus verändert sich mit der Brennweite, so dass man ggfs. mehrmals nachfokussieren muss, während man sich an die Zielbrennweite herantastet.

Und sollte einem das dann doch alles mal zu anstrengend werden, kann man ja immer noch gemütlich eine Landschaftsaufahme machen :)

"Was steht auf dem Schild am Baum?", 177 mm, f7.1
Das hier war allerdings nur ein "Fernrohr"-Bild. Ich wollte wissen, was auf dem Schild am Baum links steht. Durch den Sucher konnte ich es noch nicht erkennen. Auf dem Foto auf 7x herangezoomt war es dann deutlich zu lesen: "Unbefugten ist der Zutritt verboten!"...schade, dann eben nicht.

Noch eine Anmerkung zur Blende. Einige wundern sich vielleicht, wieso ich oft Blende 7.1 genommen habe. Nun, die Blendewerte des Pana liegen bei 4.0 bis 5.6, je nach Brennweite. Offenblende ist gerade bei einem solchen Zoom sicherlich keine gute Idee, da die Abbildungsleistung da noch nicht wirklich optimal ist. Bei langer Brennweite liegt man schon bei 5.6 Offenblende. Einmal abgeblendet wäre man dann bei f=8.0. Nun kommt aber noch die Belichtungszeit ins Spiel. Trotz Stabilisator sollte man eine möglichst kurze Belichtungszeit verwenden, um keine Verwackler zu bekommen. Blende 7.1 erscheint mir bei diesem Objektiv am langen Ende ein guter Kompromiss zwischen Bildqualität durch Abblenden und kurzer Belichtungszeit zu sein. Die ISO-Zahl einfach zu erhöhen ist bei dem kleinen Sensor der Kamera ebenfalls keine gute Idee, da einem das Rauschen dann ziemlich schnell die Bilder versaut. Ich gehe ungerne über ISO 800.

Fazit, mal wieder: das Pana ist einfach eine Spaßlinse für mich. Sicherlich ist es nicht wirklich überragend was die Abbildungsleistung oder Handhabung angeht, aber es macht Spaß mal so richtig die Brennweitenkeule in die Hand zu nehmen. Gerade wenn man vorher mit der Kleinbildkamera und dann bei mir mit maximal 200 mm unterwegs war, da alles andere mir zu groß und/oder zu schwer ist.

Man kann sehr gut makroartige Aufnahmen machen. Mit ein paar Tricks kann man sogar sich schnell bewegende Motive aufnehmen und auch für Landschaften, Mond und Sterne oder alles andere kann man die Brennweiten verwenden.

Nicht unterschätzen sollte man den Einfluss der Erschütterungen! Nicht nur die durch den Fotografen verursachten, sondern auch die, welche durch den Verschluss verursacht werden. Man sieht deutlich den Einfluß des Verschlusses. Gerade bei bestimmten Brennweiten- und Belichtungszeitkombinationen gelingen einem kaum wirklich scharfe Bilder. Die mehrmalige Bewegung des kleinen Verschlussvorhangs pro Aufnahme versursacht Erschütterungen im ungünstigen Frequenzbereich (Interferenz), so dass die Bilder alle "weich" wirken. Kritisch scheint mir hier eine 1/125 und eine 1/600 und drumherum zu sein. Hängt natürlich von der Brennweite und der Handhabung und natürlich auch der Kamera(!) und letztendlich dem Stabilisierungssystem ab, wenn man eine andere Kamera als die OM-D E-M10 verwendet . Ich versuche diese für mich kritischen Zeiten- und Brennweitenkombinationen zu vermeiden. Das gelingt natürlich im Eifer des Gefechts nicht immer ;) Ein Segen wäre ein wirklich kompromisslos einsetzbarer elektronischer Verschluss...aber das ist ein anderes Thema.

In diesem Sinne: 
Danke für's Lesen und viele Grüße! 
Gordon