Freitag, 21. November 2014

Mamiya RB 67 - Erste Versuche mit einer Mittelformatkamera

Diesen Beitrag wollte ich schon vor einem Jahr erstellen, aber irgendwie bin ich nicht dazu gekommen. Also hole ich das heute mal nach.

Eine Mamiya RB 67 ist ein schon recht betagte "analoge" Mittelformatkamera, wie sie wohl hauptsächlich in Studios verwendet wurde.

Mamiya RB 67 Mittelformatkamera, Markteinführung 1970


Die Kamera ist gewaltig in ihren Ausmaßen und im Gewicht. Sie ist zwar transportabel, aber glaubt mir, so ein Teil hängt man sich nicht freiwillig um den Hals. Dafür ist sie auch zu klobig und sieht für den unwissenden Betrachter eher wie eine alte Filmkamera aus, da sie weit tiefer ist als breit. Die Fokussierung erfolgt durch einen Balgen, was die Kamera bei Aufnahmen mit kurzem Motivabstand noch einmal imposanter macht ;)

Mamiya RB 67 mit voll ausgefahrenem Balgen

Damit ist dieses Monster dann so lang wie ein Schuhkarton. Es gibt sogar einen Griff für diese Kamera. Natürlich kein Batteriegriff, denn die Kamera braucht keine Batterien, sie ist komplett mechanisch. Weder Autofokus, noch Steuerelektronik, Filmtransport, nicht einmal ein Belichtungsmesser sind in dieser Ausführung hier vorhanden.


Hier sieht man das Prachtstück von den Seite. Die Photodose (normaler 35mm-Film; nicht für die Mamiya verwendbar) dient als Größenvergleich. Wobei viele wahrscheinlich gar nicht mehr wissen wie groß (oder klein) so eine Photodose ist...ich denke ich muss noch mal ein neues Bild mit einem gängigen Smartphone daneben machen ;)

Man erkennt hier auch ganz gut die Hauptbestandteile der Kamera. Diese ist modular aufgebaut. Der Mittelteil besteht aus dem Spiegelkasten mit Auslösemechanik, dem Balgen und Bajonett für die Wechselobjektive und dem Lichtschachtsucher, der streng genommen auch wieder ein Modul ist und auch durch Prismensucher ersetzt werden kann. Vorne ist ein 127mm, f3.8 ("drei-komma-acht") Objektiv installiert, was übrigens aus Kleinbildkamera-Sicht ca. einem 60 mm-Objektiv entspricht, also fast "Normalbrennweite".

Hinten befindet sich das Filmmagazin. Hier wird ein Rollfilm Type 120 auf Spulen gewickelt und durch den kleinen Transporthebel auf dem Magazin(!) transportiert. Das Format ist dabei 6x7, also ca. 6 cm x 7 cm Filmfläche pro Bild. Zum Vergleich: die Bildfläche bei Kleinbild beträgt 2,4 cm x 3,6 cm. Mehr hier: http://en.wikipedia.org/wiki/120_film

Das Magizin kann man drehen, so dass man Hoch- und Querformat erlangt, ohne die sperrige Kamera drehen zu müssen. Diese wird man überwiegend auf einem massiven Stativ verwenden und hat daher wenig Lust bei einem Formatwechsel die Kamera ab- und wieder aufzubauen. Was ohnehin gar nicht gehr, da man die Kamera nicht in Hochformatposition auf dem Stativ befestigen kann. Dazu müsste man was basteln und selbst dann würde man Probleme haben in den Schachtsucher zu blicken, der dann seitlich wäre.

Der große Spannhebel am mittleren Modul dient zum Spannen der Spiegelmechanik und des Verschlusses. Die Kamera ist eine Spiegelreflexkamera. Das heisst, man schaut bei gespannter Mechanik vom Lichtschaftsucher über den Spiegel durch das Objektiv. Somit kann man beim Scharfstellen sehr präzise arbeiten. Der Lichtschachtsucher ist übrigens genauso riesig wie die Kamera und auch ohne Vergrößererungslupe, die man zusätzlich per Knopfdruck einschwenken kann, gleicht das Bild eher einer Autokinoleinwand verglichen mit dem Puschenkino einer Kleinbildkamera. Auch das man von oben in diesen Schacht hinausschaut, hat irgendwie was...

Der Balgen wird wie gesagt zum Fokussieren verwendet. Je näher das Motiv ist, desto weiter muss man den Balgen mit dem Objektiv daran ausfahren. Eine Fokuseinstellung am Objektiv gibt es nicht.

Das Objektiv ansich hat eine Besonderheit, denn es beherrbergt den Verschluss. Man nennt diese Art von Verschluss Zentralverschluss. Dieser kann zwar nur Zeiten bis zu 1/500 aber ist dafür sehr leise.
http://de.wikipedia.org/wiki/Zentralverschluss

Die Blende wird über einen Ring am Objektiv eingestellt. Nichts ungewöhnliches damals und es kommt gerade wieder in Mode.

Ausgelöst wird übrigens über einen sehr kleine, unscheinbaren Knopf unten rechts am Hauptmodul. Wenn man das Teil das erste Mal in der Hand hat, sucht man unter Umständen etwas danach.

Ich will jetzt aber keinen seitenlangen WiKi-Artikel über die technischen Details der Kamera niederschreiben, sondern einfach meine ersten Erfahrungen mit Unterstützung von einigen Aufnahmen darstellen.

Eine der ersten Testaufnahmen mit ASA 400 Film

Dieses Meisterwerk der modernen Fotografie anstand im Kinderzimmer meines Sohnes.

Ich hatte irgendwann beim Stöbern in den Fotoforen bemerkt, dass alte Mittelformatkameras wie die von Mamiya, Zenza Bronica, u.a. immer billiger angeboten wurden. Wenn man weiß, dass diese Kameras in ihren Zeit mal locker soviel gekostet haben wie ein Kleinwagen und damit definitiv NUR was für Profifotografen und Studios waren, traut man seinen Augen kaum angesichts der niedrigen 3-stelligen Zahlen...teilweise für eine ganze Ausrüstung, also mit Objektiv(en), zweitem Sucher, Rückteilen/Magazinen, Zubehör und oft auch noch ein paar Rollen Film, die heute übrigens alles andere als billig sind.

Ich konnte nach ca. einem Jahr der Recherche über diese Gattung von Kameras nicht widerstehen und habe mir eine funktionsfähige Mamiya über ein Forum gekauft.

Okay, dann stand das Montrsum nun vor mir! Alles 100% mechanisch, keinerlei aus heutiger Zeit bekannte Hilfsmittel. Selbst das Einlegen des Rollfilms ins Magazin ist schon eine spannende Sache, wenn man eigentlich nur Digitalkameras kennt. Die große Filmrolle ist nicht in einer lichtdichten Patrone untergebracht, wie die Kleinbildfilme, sondern muss von Hand vorsichtig abgerollt und eingefädelt werden. Macht man hier einen Fehler, ist der Film bereits verdorben, weil er dann teilweise belichtet ist oder sogar falsch herum in das Filmmagazin eingelegt ist. Die Filmmagazin kann man auch mit eingelegtem Film abnehmen, da es über ein Schiebeblech lichtdicht verschlossen werden kann, weckes man vor einer Aufnahme herausziehen muss! Auch hier kann man wieder einen Fehler machen und einen ganzen Film mit Aufnahmen eines Kohlenkellers bei ausgeschaltetem Licht produzieren ;) Wenn man dann noch daran gedacht hat den Film mit dem Transporthebel am Magazin zu transportieren UND den Verschluss und den Spiegel zu spannen, kann man theoretisch loslegen.



Nun ist man es von einer modernen Kamera ja gewöhnt, erstmal draufzuhalten und der automatischen Belichtungsmessung die Hauptarbeit zu überlassen. Man schaut sich dann schnell mal eben die Ergebnisse auf dem hochauflösenden Farbdisplay an und korrigiert ein wenig vor den nächsten Aufnahmen. Tja...hier sieht die Sache nun anders aus. Zum einem kann man lediglich 10, in Worten "Zehn" Aufnahmen pro ca. 4-5 € teurer Filmrolle machen und zum anderen kostet einen die Entwicklung noch mal min. soviel + einer Wartezeit von ca. 3 Tagen bis 1 Woche oder länger! Da überlegt man zwei...nein zehn Mal, ob man einfach mal so den Auslöser drückt.

Da man die Belichtung daher auch nur ungerne schätzen möchte, muss man zunächst mal eine amtliche Belichtungsmessung machen. Dazu kann man einen externen Handbelichtungsmesser verwenden. Ich habe 2 Stück davon, einen so Baujahr 1980 und einen von 1950 bis 1960. Letzterer ist nur ein Virtrinenstück und ich weiß nicht, ob er überhaupt noch halbwegs brauchbare Werte anzeigen kann. Der neuere funktioniert augenscheinlich, aber wie genau mag ich auch nicht sagen. Also was tun?
Ich habe mir einfach mit einer kleinen Systemkamera beholfen. Man nimmt dazu ein Objektiv bei dem die äquivalente Brennweite ungefähr der Brennweite an der Mittelformatkamera entspricht (war in meinem Fall m43 mit 25 mm => ganz grob 100 mm in Mittelformat). Dann schaut man sich das Bild im elektronischer Sucher an und liest die Werte ab. Natürlich muss man dabei die richtige ISO-Zahl eingestellt habe und Blende und Zeit müssen passen, also z.B. keine 1/2000, denn die kann die Mamiya mit Zentralverschluss im Objektiv nicht. Man muss also im Grenzfall, z.B. ISO an Digiknipse gar nicht verfügbar, auch noch ein wenig Kopfrechnen. Hat man seinen Einstellungen gefunden, heißt es abdrücken und auf das Beste hoffen. Ob es was geworden ist, wird man erst in vielen Tagen wissen.


Nach ein paar Testaufnahmen im Inneraum, die mir aber keine Gewissheit darüber gaben, ob überhaupt ein halbwegs belichtetes Negativ dabei herausgekommen ist, habe ich einfach mal ein schweres Holzstativ mit ebenso schwerem Kopf und die Mamiya auf meinen Drahtesel geladen und bin bei bedecktem Wetter losgefahren. Ich wollte einfach 3 Rollen verknipsen und dann endlich Gewissheit erlangen, ob die Kamera überhaupt noch funktioniert und ob meine quasi nur theoretischen Erfahrungen mit "analoger" Fotografie überhaupt ausreichen, um so eine Kamera sinnvoll verwenden zu können.


Von den 30 Aufnahmen waren 2 verwackelt oder leicht unscharf und 2 nicht wirklich prickelnd belichtet. Ansonsten waren alle sehr gut...zumindest aus meiner amateurhaften Sicht. Das die Bilder teilweise schief sind, ist übrigens gewollte. Natürlich wollte ich sie nicht schief aufnehmen, aber normalerweise richte ich digitale Aufnahmen am Rechner immer sehr exakt aus. Hier habe ich mir einfach dagegen entschieden, damit man einen ungefähren Eindruck davon bekommt, wie die Bilder "unbearbeitet" aussehen. Wobei ich gerade auch nicht ausschließen mag, dass ich bei der Digitalisierung ein wenig Winkel hineingebracht habe :)

Kapelle Friedhof Osterholz in Bremen

Was mir bei der Kamera und dieser Tour wirklich extrem Laune bereitet hat, ist wie unpraktisch das Teil ist. Ja, wirklich. Klingt bescheuert, aber so ist es. Dieses enorme Gewicht des Metallblocks in der Hand, das Aufbauen des Stativs, bis man überhaupt mal soweit ist, dass man auch nur durch den Sucher schauen kann. Das ewige Herumgesuche und Umgestelle der Kamera, bis man endlich mal den Ausschnitt im Mattscheiben-Cineplex sieht, der einem gefällt... das unterscheidet den Vorgang des Fotografierens schon enorm von dem mit einer digitalen Spiegelreflex, wo man meistens aus Faulheit locker aus der Hüfte so 100-200 Aufnahmen hinrotzt.


Das Scharfstellen ist übrigens nicht so leicht wie ich gedacht habe. Vielleicht brauche ich wirklich so langsam eine Brille. Trotz des großen Suchers, bei dem man sogar noch eine Linse einschwenken kann die das Bild noch einmal enorm größer darstellt, habe ich eine Weile bei jedem Bild herumgefummelt und versucht zu erkennen, wo die Schärfeebene sitzt. Man kann auch weniger feinfühlig einstellen als es der absolut spielfreie und butterweich laufende Balgenmechanismus zuerst vermuten lässt. Gerade im Bereich von Unendlich ist der Verstellbereich sehr klein und man muss mit spitzen Fingern arbeiten.
Die Skala die man auf dem 2. und 3. Bild dieses Artikels sieht, wird übrigens für die Korrektur des gemessenen Blendenwerts benötigt. Je weiter man das Objektiv herausfährt, desto weniger Licht fällt auf den Film (der Lichtkegel wird größer und nicht alles Licht fällt auf den Filmstreifen). Auch das muss man mit einberechnen! Also wahrlich kein Ponyhof die ganze Sache. Zum Glück spielt das nur bei extremen Nahaufnahmen wirklich eine größere Rolle.


Der Vorgang des Fotografierens gleicht schnell so einer Art rituellen Handlung. Motiv suchen, Stativ aufbauen, Verschluss/Spiegel spannen, Ausrichten auf Motiv und scharfstellen. Dann Filmtransport nur nicht vergessen! Oh Gott, beinahe hätte ich vergessen die Metallplatte zwischen Magazin und Mittelgehäuse rauszuziehen! Dann noch mal ausrichten, wieder scharfstellen, dann Blendenwert auswählen und Schärfentiefe kontrollieren (wie ging das eigentlich noch?). Dann mit der Digiknipse die Einstellungen der Blende übernehmen und die Belichtungszeit ermitteln. MIST! Zeit ist zu kurz oder liegt genau in einem Bereich, den man gar nicht einstellen kann. Also anderen Blendenwert, bis man endlich eine Zeit gefunden hat, die sich auch einstellen lässt und die sinnvoll für das Motiv ist.

Dann, endlich, den Kabelauslöser in die Hand nehmen...noch mal ganz kurz in den Schacht schauen....FLOPPPP-SCHAPPP. Ein Windhauch trifft das Auge welches in den Schachtsucher geschaut hat und es wird dunkel. Kamera-Porno pur! Das Gerausch, das der mächtige Spiegel macht, kann man nicht schriftlich darstellen. Das man tatsächlich einen Luftzug merkt, liegt an der Verdrängung durch den Spiegel. Der Sound hat überhaupt nichts mit dem winseligen Geschrabbel von Canon oder dem polternden Geklacker von Nikon-Spiegelkästchen gemeinsam. Das klingt eher nach 8 Zylinder Bigblock mit 450 PS gegenüber dem Geknatter einer Kleinwagen-Asphaltblase, YEEHA! ;)

Hochformat durch Drehung des Magazins
Besonders kritisch sind sich schnell ändernde Lichtsituationen. Da man immer erst recht mühsam die Belichtung messen muss, ob nun mit Digiknipse oder Belichtungsmesser, kann man das nicht sehr schnell anpassen. Bei wechselhaftem Wetter macht einem die Sonne da ganz schnell einen Strich durch die Rechnung. Eben noch für bedeckt gemessen und eingestellt und schon kommt die Sonne durch. Also auch hier musste ich Geduld haben. Mit schnell mal eben ein Bild oder Zehn machen, ist hier nix.


Wie oben erwähnt, bekommt man gerade einmal 10 Bilder auf einen 120er Film. Das ist verdammt wenig! Allerdings verdammt viel, wenn man sich die Entwicklungskosten dafür anschaut. Nicht nur der Rollfilm ist vergoldet, auch die Entwicklung kostet einen noch mal ordentlich was. Und sollen sogar großformatige Abzüge am Ende dabei herauskommen, die von einem prof. Fotolabor angefertigt werden, hat man schnell den Gegenwert der ganzen Ausrüstung verballert!  
(ich meine ich habe mal ausgerechnet, dass 10 Bilder vom Labor mit 30 Megapixeln gescannt auf CD 65 € kosten! Oder so ähnlich...zumindest klappte mir da die Kinnlade herunter!)


Mir war das für die ersten Testaufnahmen alles viel zu teuer. Da ich kein eigenes Fotolabor besitze und mir das ehrlich gesagt auch nicht zutraue, habe ich den Film zur Negativentwicklung bei einem örtlichen Fotoladen abgegeben. Wenn überhaupt was auf den Rollen sein sollte, werden die es schon finden, dachte ich mir :) Wie zu sehen ist, war was auf den Rollen und für mich als Analog-Mittelformat-Jungfrau sah das sogar ganz brauchbar aus.


Wenn man die Filmstreifen auf dem Lichttisch betrachtet, sieht man natürlich nur das negative Abbild. Also im Bild oben würde man überwiegend Schneeweiß sehen und ein wenig Grau und Schwarz. Wenn man Übung hat, kann man sicherlich gut erkennen, was auf den Negativen drauf ist.  Für mich aber war das teilweise raten angesagt.

SWB-Kraftwerk, aufgenommen vom Weserwehr in Bremen
Bei einigen Bildern war leicht was zu erkennen, bei anderen musste ich zuhause erstmal genauer nachschauen.

Ich hatte also nur die Negative vor mir liegen, was nun? Ich hätte natürlich einen teuren Spezialscanner kaufen können. Nur ehrlich gesagt war ich nicht bereit so viel Geld auszugeben, zumal die Ergebnisse für mich gar nicht abzusehen waren und ich mir auch nicht klar darüber war, wie oft ich überhaupt mit der Mamiya losziehen würde.


Ich hatte mir aber zuvor einige DIY (Do it yourself) Anleitungen angeschaut. Ich wollte die Negative einfach mit einer Digitalkamera abfotografieren. Das ging sogar besser als ich gedacht hatte.

Weserwehr in Bremen
Die Grundidee ist einfach. Man durchleutet des Negativ mit Dauer- oder Blitzlicht und macht einfach ein Foto davon. Es gibt Objektivvorsätze für sowas, allerdings nur für Kleinbildfilm/Diarahmen. Also habe ich in der Küche gesucht und bin fündig geworden.


Eine einfache Tupperbox aus weißem Plastik schien mir geeignet. Ich habe dann die D800 wegen der hohen Auflösung mit einem älteren 55 mm Makro bestückt und auf ein Stativ montiert, Objektiv senkrecht nach unten zeigend.


Die Tupperbox habe ich dann so auf zwei Bücherstapel gestellt, dass man darunter eine Lampe oder ein entfesseltes Blitzgerät legen konnte. Den Filmstreifen habe ich dann in so einen gekauften Plastikrahmen für "Lomos" gesteckt und damit fixiert. Der so möglichst plane Filmstreifen kam dann oben auf die Box.


So habe ich dann alle Bilder auf den Filmstreifen einzeln abfotografiert und die RAW-Dateien in Lightroom weiter verarbeitet. Da man es ja mit Negativen zu tun hat, muss man zunächst einmal die Helligkeitswerte invertieren. Da Lightroom dafür keine einfache Funktion anbietet, zumindest kenne ich keine, habe ich ein Profil erstellt, in dem eine invertierte Gradationskurve gesetzt ist.

Invertierte Gradationskurve für Umwandlung von Schwarzweiß-Negativen

Normalweise ist die Gradationskurve anders herum, also entsprechend der gestrichelten Linie.

Das abfotografierte Negativ sieht zunächst so aus:

Abfotografiertes Negativ

Natürlich ohne Unterschrift unten in der Ecke! Ich habe gerade das Original nicht zu Hand und habe daher einfach ein Blog-Bildchen nachträglich wieder zum Negativ gemacht. Aber der Prozess ist beliebig umkehrbar, daher entspricht das der Originalaufnahme.

Mit der invertierten Gradationskurve erhält man dann das Positiv:

Umgekehrtes Negativ = Positiv
Das Positiv kann man dann wie gewohnt weiter bearbeiten. Wobei ich finde man sollte dabei möglichst wenig machen, um zumindest einen Teil des Eindrucks einer chemischen Fotografie zu erhalten. Wenn man es wirklich 100% analog haben will, muss man natürlich auf althergebrachte Art und Weise Abzüge anfertigen oder anfertigen lassen.

Alles was man also braucht, um ein Negativ als Digitalbild zu bekommen, ist eine gute Digitalkamera, ein Stativ oder vergleichbare Vorrichtung und ein Objektiv mit der passenden Brennweite und/oder Nahgrenze (am besten ein Makro). Außerdem eine Plastikfläche die Licht zwar durchlässt, aber es so weit streut, dass man eine weiße und gleichmäßig beleuchtete Fläche erhält, auf die man den Negativfilm legen kann. Als Lichtquelle kann man dann ein Dauerlicht (z.B. Tageslichtenergiesparlampe; darf nicht heiß werden!) verwenden. Blitz geht natürlich auch. Nachteil, man sieht nicht sehr viel, Vorteil, die Belichtungszeit spielt kaum eine Rolle und kann sehr kurz.

Ich will mir da auch noch was besseres basteln, was man einfach so aus dem Schrank nehmen kann und das dann gleich ohne großes Gefummel einsetzbar ist. Dazu habe ich hier schon ein paar Teile herumliegen, z.B. eine Fotobühne von einem alten Vergrößerer, wo man die Filmstreifen einlegen  und sogar schon die Ränder mit Schiebeblechen abdecken kann. Mal sehen, ob das jemals was wird ;)


Fazit:

Bis jetzt habe ich nur wenig mit der Mamiya gemacht. Das Wenige hat aber sehr viel Spaß gemacht. Als Vitrinenstück macht das Teil auch eine gute Figur, ist dafür aber eigentlich zu schade. Wenn man mal wirklich Lust auf erdige Erfahrungen mit Fotografie hat, ist so ein Monsterapparat eine feine Sache.

Man muss allerdings leidensfähig sein. Während die Kosten für den Kauf heutzutage als lächerlich angesehen werden können, verglichen mit den Preisen die sowas mal gekostet hat, sind die Kosten für die Filmentwicklung alles andere als lächerlich. Das tut richtig weh! Wenn man wirklich häufiger damit Fotos machen will, hat man schnell den Anschaffungspreis in Fotomaterial und Entwicklung gesteckt. Billiger wird es, wenn man selber entwickelt. Wobei man dafür auch erstmal die Fotolaborsachen anschaffen muss und die Filme und Chemikalien kosten auch Geld.

Auch die Bedienung ist nicht ganz schmerzfrei. Wer schnell und unkompliziert fotografieren will, kann das Teil getrost in der Vitrine lassen. Für den Außeneinsatz sollte man darüber hinaus mindestens ein Rad mit Stativhalterung und einen Rucksack einplanen. Oder zumindest sollte man die mehreren Kilo so transportieren können, dass es einem nicht die Schulter auskugelt.

Wem körniges Schwarzweiß nicht zusagt, dann kann auch Filme mit z.B. 100 ASA verwenden und nicht wie ich hier 400. Farbnegativ- und Diafilme gehen natürlich auch. Die Auswahl an Filmmaterial scheint mir noch ausreichend zu sein. Wie lange und zu welchem Preis es allerdings noch ausreichend Material gibt, kann ich nicht sagen. So lange sich Leute für diese inzwischen veraltet anmutende Art der Fotografie interessieren, wird es da auch noch was geben...wie Vinyl-Schallplatte z.B.. Aber die Preise werde sicherlich nicht mehr fallen, sondern eher unaufhaltsam steigen.

Danke und Grüße,
Gordon