Freitag, 19. August 2016

Meine Landschaftsfotografie

Sollte eigentlich ein Arbeitstitel sein, aber wie ich mich kenne bleibt der so ;)

2016 und auch mehr oder weniger die Jahre davor, habe ich mich sehr viel mit Landschaftsfotografie beschäftigt. Wobei beschäftigt ein wenig hochtrabend ist. Ich wollte einfach weg vom Schreibtisch und mit dem Rad in die Landschaft fahren. Natürlich ist eine Kamera dann immer dabei, denn nur mit dem Rad im Kreis fahren, wie bei den Olympischen Spielen, ist mir zu öde.



Ich habe dann immer so meine Stationen. Seit ungefähr einem Jahr auch in paar mehr, da ich Geocaching betreibe. Das führt mich dann an Stellen, die ich vorher noch nicht so genau betrachtet habe. Wenn ich dann an einem Platz bin, schaue ich mich um. Ich suche interessante Stellen, Blickwinkel, Wasser, Himmel, Bäume oder was man sonst so auf norddeutschen Wiesen zu sehen bekommt. Wenn mir was interessant erscheint, wird die Kamera aus der Tasche gezogen.

Weide an Wümmearm

In diesem Fall war es die Kombination aus Sonnenuntergangslicht, Flüsschen und Birke im Gegenlicht. Da man um diese Zeit meistens ein Stativ braucht und ich teilweise HDRs mache (machen muss), kommt dann ein Stativ zum Einsatz. Die ersten Probeaufnahmen mache ich aber immer aus der Hand. Wenn die für mich nicht gut genug sind, spare ich mir den Aufbau.



Viele finden Sonnenuntergänge kitschig. Kann ich nicht nachvollziehen. Es gibt sicherlich klischeebelandene Bilder, bei denen ein Sonnenuntergang dabei ist, aber es würde ja auch keiner auf die Idee kommen ein Bild von einem Regentag als kitschig zu empfinden und der ist bei uns noch viel öfter anzutreffen ;) Ein Sonnenuntergang liefert einfach geniale Lichtstimmungen, Schatten und Reflektionen. Ich habe überhaupt kein Problem damit diese normale Tageszeit immer wieder zu fotografieren. Ob das Kunst ist oder "rührseliger" Müll, ist mir mal so was von -piep-egal!



Außerdem kann man ja auch alles zu ernsthafter Kunst machen, wenn man es schwarz-weiß macht....okay SCHERZ! Warum das hier nicht in Farbe ist? Weil ich bei der Aufnahme Hell und Dunkel "gesehen" habe. Der Kontrast zwischen dem Schatten auf der Wiese und den seitlich hell angeleuchteten Wolken war mein Motiv. Die Farben haben mich in dem Moment nicht interessiert. Ich finde, man sollte in seinen Bildern das versuchen darzustellen, was einen interessiert hat. Wenn man eine Mülltonne als spannendes Motiv empfindet, warum nicht? Wenn man bei einem Motiv keine Farbe "sieht", warum sie dann verwenden?



Ein Sonnenuntergang ohne Wolken ist für mich oft langweilig. Wenn die Wolken ins Spiel kommen wird es aufregend.



Ich stehe total auf Lichtfinger. Also sichtbare Lichtstrahlen, die durch Wolken oder andere Hindernisse erzeugt werden. Auch Lichtsterne, wie sie durch Brechung hervorgerufen werden, sind gerne willkommen.



Ich suche gerne die Gegenlichtsituation und stelle Dinge vor die Sonne. Das ist technisch eine Herausforderung, weil man so normalerweise mit Über- und Unterbelichtung auf einer Aufnahme zu kämpfen hat. Mit der D800 kriegt man das meistens mit einem Bild und beherzter Nachbearbeitung in den Griff, mit der Olympus machen ich da immer mehrere Aufnahmen und erzeuge daraus am Rechner ein HDR.



Ich stehe teilweise eine Stunde oder länger an einer Stelle. Man muss abwarten können, wie sich das Licht entwickelt, wie die Wolken werden und was sonst noch so passiert. Dabei variiere ich immer ein wenig den Blickwinkel oder die Brennweite:



Gleicher Standpunkt, quasi gleiche Zeit, nur weiter nach oben gehalten. So experimentiere ich immer mal wieder herum. Gerade in den Phasen, in denen nicht so viel passiert, versuch ich den besten Blickwinkel zu finden. Allerdings kann sich die Szene auch schnell ändern, so dass eine ganz andere Ecke auf einmal das Ziel ist.



Die Fotos enttäuschen zuhause am Rechner oft. Das hat aus meiner Sicht mehrere Gründe. Erstens können aktuelle Kameras nicht den gesamten Dynamikumfang solcher Szenen aufzeichen, der Blickwinkel der menschlichen Auges ist mit keinen Objektiv der Welt zu imitieren und dann fühlt man Szenen anders als sie rein optisch betrachtet sind.
Ich war ganz am Anfang mal von der Idee beseelt, dass Fotos die Realtität so exakt wie möglich abbilden sollten. Das sehe ich heute anders. Ich versuche jetzt die Bilder so zu gestalten, dass sie meine Empfindung ausdrücken oder zumindest die Teile besonders deutlich zeigen, die mir wichtig waren, als ich die Aufnahme gemacht habe.



Nicht immer muss dabei viel an den Reglern gedreht oder gar ein HDR gemacht werden. Manchmal ist die Aufnahme auch schon fast fertig, wenn man auf den Auslöser gedrückt hat.



Es muss auch nicht immer Bilderbuchsonnenuntergang sein. Auch ein auf den ersten Blick unspannendes Wetter inspiriert mich zu Fotos. Dann muss allerdings auch etwas mehr auf dem Bild sein. Hier z.B. Spiegelungen und recht interessant angeordnete Pflanzen. Hier fummel ich immer relativ lange herum bis ich einen guten Ausschnitt und Blickwinkel gefunden habe.



Neben Sonnenuntergängen sind natürlich Gewitter richtig gei....toll. Hier nur ein harmloses Lichtzucken über einem Badesee. Ich bin regelrecht gierig nach dieser Art von "schlechtem" Wetter, weil ich hier die ungewöhnlichstens Wetterphänomene vorfinde. Vom Starkregen, über Gewitter bis hin zu Sommernebel...gibt es den Begriff? Na ja, ihr wisst was ich meine.


Ungewöhnliche Lichterscheinung nach Sommergewitter über Badesee in Bremen

Hier sieht man so ein ungewöhnliches Licht-Ding. Neben einer einzelnen Wolke ist noch irgendwas. Keine Ahnung was das ist. Habe ich so vorher noch nicht gesehen.



Hier noch mal mit kleinerer Brennweite. Dachte erst an einen Regenbogen; war es aber nicht. War relativ lange zu sehen, bestimmt 2-3 Minuten.



Pralles Tageslicht ist eigentlich nicht so mein Ding. Da muss die Landschaft schon wirklich toll sein. Aber manchmal ergibt sich trotzdem was für mich. Hier ist es die Wolkenstruktur in ihrer isolierten Lage.



Richtiges Mistwetter! Auch das kann seinen Reiz haben. Hier spürt man richtig die Bedrohung heranrollen. Wenige Minuten nach der Aufnahme kam auch schon der Wolkenbruch.



Das hier hat für mich gleich mehrere Sachen: Sonne mit sichtbaren Strahlen, beleuchtete und durchleuchtete Wolken, verschiedene Wolkenarten und Farben.



Aufgenommen in den Niederlanden. Das Wetter in Küstennähe ist immer sehr wechselhaft und zeigt oft grandiose Wolkenformationen. Ich war dort im Kurzurlaub und habe mich trotz oder gerade wegen des wechselhaften Wetters abends noch mit der Kamera vor die Tür der Ferienwohnung getraut. Der Wind war teilweise heftig (zu viel für ein Reisestativ) und mit heftigen Schauern musste man jederzeit rechnen.



Ich habe an diesem Abend hinter einem Zaun Schutz gesucht. So konnte ich den Windböen zeitweise entgehen und ein wenig verschnaufen. Da das Reisestativ dem Wind nicht gewachsen war, habe ich diesen Zaun als Auflage verwendet.Irgendwann kam ich dann auf die Idee den Zaun auch mit einzubeziehen.



Ein wenig abgelegener und zu späterer Stunde, konnte ich das Stativ dann wieder verwenden. Der Wind war aber immer noch heftig. Das kann man hier sehen. Die Gräser sind verwaschen, weil ich eine sehr lange Belichtungszeit gewählt habe...war auch schon recht dunkel, viel kürzer wäre auch nicht sinnvoll gewesen.



Der Mond ist für mich auch ein ganz wichtiges Motiv. Oder sagen wir mal, ein Bestandteil. Mitten in der Nacht ist er natürlich meistens das Hauptmotiv, aber tagsüber kann er auch nur als Fixpunkt oder Zugabe dienen.



Wenn es dann zu dunkel ist, nehme ich aber auch gerne noch mal eine Aufnahme vom Mond als einziges Element mit. Ich habe da immer noch so eine Wette mit mir selber laufen: schaffe ich eine noch bessere Mondaufnahme?! Ich habe einmal mit einem alten manuellen Supertele eine wirklich knackscharfe Aufnahme vom Mond hinbekommen...mitten in der Nacht, aus der Hand, bei 500mm! Das konnte ich bis jetzt noch nicht wirklich toppen...aber das ist eine andere Geschichte.



Natur pur ist natürlich schön, aber es darf gerne auch mal ein wenig urbaner sein. Hier ganz schüchtern mit einem Schiffartsschild. Was das genau bedeutet, weiß ich leider nicht.



Ist das noch Landschaftsfotografie?! Na ja, ist Wasser drauf, Himmel...und ein Kraftwerk ;)



Auch hier sind urbane Teile zu erkennen. Die leichte Smog-Anmutung täuscht. Waren nur Regenwolken.



Die Sonne. Wenn solche Wolken wie beim vorherigen Bild im Spiel sind, gibt es bei passender Belichtung diese Streifen. Damit wirkt für mich die Sonne eher wie Saturn oder ein unbekannter Planet.


Haake Beck Badeinselregatte 2016

Meine Motivation (und Zeit) Events zu fotografieren, ist ein wenig eingeschlafen. Die Haake Beck Badeinsel-Regatta (http://www.bremen-tourismus.de/haake-beck-badeinsel-regatta) nehme ich aber gerne jedes Jahr mit; wenn es möglich ist. Mich interessiert dort eigentlich das Bühnenprogramm, das ich wahrscheinlich in einem anderen Post zum Besten geben werde.
Wenn auf der Bühne gerade mal nichts los ist oder das Drumherum interessanter erscheint, mache ich auch mal solche Aufnahmen.



Aber die pure Landschaft ist mir irgendwie schon lieber. Ist halt auch eine andere Art zu fotografieren. Nicht mal eben schnell abgedrückt, sondern oft mit Stativ und nach längerer Planung. Wobei es trotzdem auf den richtigen Augenblick ankommt. Gerade wenn die Sonne auf oder untergeht, hat man nur eine kurze Zeit zur Verfügung. Wartet man zu lange, ist der ideale Moment vorbei.

Besonders brutal ist das in Länder die nahe am Äquator liegen! Dort dauert der Sonnenauf- und Untergang nur wenige Minuten! Also zumindest die für mich interessante Phase. Dort muss man fast schon Serienaufnahmen machen ;) Erlebt vor Jahren auf Bali.




Manchmal muss es auch "quick and dirty" sein. Diese und die folgende Aufnahme habe ich quasi aus der Hüfte geschossen. Es war schlicht keine Zeit mehr ein Stativ aufzubauen. Ich war eigentlich schon auf dem Heimweg und sah dann dieses Feld mit Sonnenblumen. Also Rad abgestellt, auf das Feld gelaufen und hingekniet. Die Blende war kaum kleiner als 4.0 wählbar, da ich mit der D800 immer so 2-3 mal kürzere Zeiten brauche, als die Brennweite. Hatte ein 50er drauf => 1/125 war okay. ISO sollte natürlich Basis sein, damit die Dynamik 100% beträgt (Gegenlichtaufnahme!).



Es hat dann noch für ca. 10 Aufnahmen gereicht. Hier ist die Sonne schon kurz vor weg. Ich habe also relativ hektisch nach einem guten Standpunkt gesucht und ein paar Kompositionen ausprobiert.
Was sagt uns das nun? Na ja, vielleicht: "Nutze die Möglichkeit"? Natürlich wäre es mit Planung, Stativ und Co. eventuell noch besser geworden. Aber besser so, als gar nicht.



Auch wenn die Sonne dann weg ist, kann man noch was versuchen. Kühles Grün und Blau gegenüber warmen Orange zum Beispiel. War hier zumindest meine Motivation.



Stativaufnahme: 2 Sekunden Belichtungszeit, f8.0, ISO 100, -0.3 EV, 50mm Brennweite. Vielleicht nicht der Burner, aber ich habe gerne viel Material für die Session daheim. Also für die Bearbeitung am Rechner.



Wenn so gar nichts mehr geht, lichttechnisch, kann man immer noch HDRs versuchen. Wobei das hier kein HDR ist! Mit der D800 hat man so viele Reserven im Schattenbereich, dass man aus einer einzelnen Aufnahme ein Bild mit HDR-Look generieren kann. Dazu belichtet man konservativ auf die hellen Stellen und reißt nachher am Rechner die dunklen Bereiche wieder nach oben. Für mich immer noch unglaublich was da alles geht.

Okay, nun bin ich auch endlich fertig ;) Ich bin mal gespannt, wie ich in ein paar Jahren zu diesen Bildern und Beschreibungen stehe. In den letzten Jahren hat sich meine Art zu fotografieren schon ein wenig verändert. Kommt mir zumindest so vor. Ich hoffe, das geht so weiter. Ansonsten würde es bestimmt bald langweilig werden.

Danke und viele Grüße,
Gordon