Donnerstag, 21. Juni 2012

Die (neue) spiegellose Welt - Teil 3

In diesen dritten und letzten Teil möchte ich zu einem Fazit kommen. Einem Fazit zur Kamera an sich und meiner Einstellung zum mFT-System, wie ich es bis jetzt erlebt habe.

Kapitel 12: Warum mFT?

Oder genauer, warum überhaupt eine Miniknipse mit Wechselobjektiven? 
Man könnte sagen: "Back to the roots", da ich mit einer kleinen (aus damaliger Sicht) Kompaktkamera angefangen habe. Das wäre aber falsch. Die technischen Vorteile einer ausgewachsenen Kleinbildkamera habe ich über mehrere Stufen von mini bis riesig kennengelernt. Nach dem heutigen Stand der Technik ist eine digitale Kleinbildspiegelreflexkamera nun mal das Instrument um auch bei schwierigen Situationen hochwerte Bilder machen zu können oder die maximale Kreativität ausschöpfen zu können, zumindest wenn es für einen Hobbyknipser gerade noch bezahlbar sein soll. 
Auch Autofokus und Bedienung verlangen aktuell einfach nach diesen "Ziegelsteinen" mit kiloschweren Objektiven. Ich denke da wird sich erstmal auch nichts dran ändern. Ich werde also weiterhin für viele Dinge nur solche Kameras verwenden. Auch auf Reisen bin ich mir nicht zu schade das Geraffel mitzuschleppen, weil ich damit alles so fotografieren kann, wie ich es möchte.
Die mFTs sind nun aber genau das Richtige, wenn man einfach mal nur so durch die Gegend ziehen möchte. Wenn man weder großartige Events fotografieren will, noch bei ungünstigen Bedingungen unbedingt was in den Kasten kriegen will. Also eine ganz entspannte Art Fotos zu machen. Wenig zu schleppen, unauffällig und wenn es mal nicht geht...dann geht es halt nicht. Auf der anderen Seite kann man bei einfachen Bedingungen weit mehr erreichen, wenn man alles Notwendige in eine Minitasche quetschen kann und trotzdem hochwertige Objektive dabei hat, bzw. einen Brennweitenbereich, der bei Kleinbild schon eher nach einem Rucksack schreit.
Die mittlere Schiene, also APS-C, habe ich übrigens auch vor Kurzem ausprobiert und zwar in Form einer D7000. Das hat mich leider nicht überzeugt. Da ich bis auf eine Ausnahme die gleichen Objektive verwendet habe und die D7000 zwar kompakter, aber nun nicht wirklich extrem viel kleiner und leichter war als eine D700, war der Nutzen für mich eher zweifelhaft. Außerdem empfand ich da die Einbußen in Sachen ISO und Autofokus als zu groß gegenüber den Vorteilen. Hier werden sicherlich einige empört aufschreien, aber es geht hier   ja um meine persönlich Ansicht, nicht um eine allgemein gültige Wahrheit.

Die E-PL3, bzw. das System, empfinde ich trotz der doch geringeren Leistungsdaten, als sehr praktisch und spannend. Neben den anderen Möglichkeiten und Features scheint es mir auch eine andere Art des Fotografierens zu forcieren. Bis jetzt macht es mir einfach Spaß mit diesem Minisystem Bilder zu machen. Bei APS-C habe ich immer nur Vergleiche zum Kleinbild gezogen und war nicht zufrieden. Mal sehen wie sich das entwickelt ;)


Kapitel 13: Fazit


Die beiden winzigen Festbrennweiten, das Panasonic 20/1.7 und das Olympus 45/1.8 liefern extrem gute Abbildungsleistungen im Endergebnis. Ich sage Endergebnis, da wohl die typischen Abbildungsfehler dieser Objektive durchaus stark ausgeprägt sind! Verzeichnung beim Pana und CAs beim Olympus sind sicherlich nicht gerade als außergewöhnlich gut einzuordnen. Letztendlich zählt für mich aber das erzielbare Ergebnis und da kann ich bis jetzt nicht klagen. Einiges scheint sogar der RAW-Konverter (zumindest der Oly und LR) zu verbergen. Einige anderen Dinge muss man beherzt selber korrigieren, z.B. die "geliebten" lila Ränder um Kontrastkanten, die auch die geheime Automatikkorrektur nicht immer ganz verbergen kann. 


Aber letztendlich sind das für mich alles keine unbekannten Störgrößen, da ich diese auch von den meisten Kleinbildobjektiven zur Genüge kenne, z.B. den oft sehr ausgeprägten Qualitätsabfall an den Bildrändern, wie Vignettierung und Farbverzeichnung.
Bis jetzt konnte ich noch fast jedes Foto im Rawkonverter so aufbereiten, dass es mir gefiel. 

Was die Bedienung angeht, muss man sicherlich mit Einschränkungen bei der E-PL3 leben. Man kann nur einen Parameter, z.B. Blende oder Belichtungskorrektur über ein fummeliges Rädchen, das gleichzeitig als Steuerkreuz dient, einstellen. Das schränkt ein wenig die Reaktionsgeschwindigkeit ein und verlangt nach ein Vorausschau. Ich kann nicht behaupten, dass man dadurch nicht das eine oder andere Motiv verpasst. Auf der anderen Seite kriegt man dafür oft Motive, die man ansonsten nicht bekommen würden, schlicht aufgrund der Unauffälligkeit der Kamera.


Anstatt für den offiziellem Fotografen einer Hochzeitsgesellschaft gehalten zu werden, kann man einfach locker wie der Herr vorne die Kamera am ausgestreckten Arm in die Szene halten. Das macht irgendwie Laune. 

Der Autofokus ist zumindest für solche Motive bei weitem ausreichend. Was dagegen gewaltig nervt, ist die Zeit bis die Kamera bereit ist! Auch wenn sie sich nur im Standby-Modus befindet, vergehen gefühlt quälenden Sekunden, bevor man das erste Bild machen kann. Bei meiner Spiegelreflex vergehen selbst bei ausgeschaltetem Zustand nur Bruchteile einer Sekunde und ich habe noch nie etwas verpasst, weil ich zunächst die Kamera einschalten oder aufwecken musste. Einzige Chance: die Kamera permanent aktiv lassen, was natürlich den Akku frisst (bei der D700 wird quasi kein Strom verbraucht, auch nicht im Standby, da kein stromfressende Display aktiv ist). 

Wo wir schon beim Stromverbrauch sind, die Akkuleistung, bzw. die Laufzeit der E-PL3 ist gut. Ich habe zwar keinen direkten Vergleich mit anderen Systemkameras diese Machart, aber ich kann mich noch sehr gut in die desaströse Akkulaufzeit meiner ersten Kompaktkameras erinnern! Das ist zwar schon einige Jährchen her, aber ich fürchte bei aktuellen Knipsen dürfte das teilweise immer noch so aussehen. Nichts für jemanden der locker 500 Bilder am Tag macht, bzw. stundenlang auf Motivsuche ist und ständig bereit für einen Schnappschuss sein will. Einen Ersatzakku habe ich trotzdem immer dabei.


Was die Verarbeitung der Kamera angeht, bin ich übrigens begeistert! Für das Geld bekommt man wirklich gute Qualität. Ob das Gerät langfristig auch entsprechend haltbar ist, steht auf einem anderen Blatt...Wetterbeständigkeit ist nicht gegeben und mechanisch beanspruchte Teile wie das Klappdisplay müssen auch erst im Alltag beweisen, dass sie so stabil sind, wie sie aussehen. Sie fühlt sich aber hochwertig an. Wie es im Inneren aussieht, weiß ich nicht. Da der Verschluss mechanisch ist, muss man auch hier Älterungserscheinungen oder sogar einen Ausfall befürchten. Denke, bzw. hoffe aber, sie hält länger als alle meine Kompaktkameras, die meistens nur wenige Bilder geschafft haben...zumindest aus heutiger Sicht.


Wie man sieht, bleibt man nicht immer unbeachtet ;) Liegt vielleicht an meiner Art wie ich auf solche und ähnliche Motive zugehe, bzw. mit solch einer Kamera unbemerkt zu bleiben. Vielleicht hatte ich da gerade unbewusst meine Macho-Kleinbild-Pose eingenommen :)))

Bei diesem Foto, trotz bedecktem Himmels, hatte ich teilweise ein wenig mit dem leicht gegenüber meiner Stammkamera eingeschränkten Dynamikumfang zu kämpfen. Gerade bei höheren ISO, also alles über 200 in Fall der E-PL3 ;) , bekomme ich noch Probleme, da dort dann auch die Qualität der Farbwiedergabe deutlich einbricht. Letztendlich versuche ich bei ISO 200 zu bleiben und verwende die nur leidlich praktische ISO-Automatik nicht. 
Die ISO-Automatik ist deshalb nicht sehr praktisch, weil man die maximal gewünschte Belichtungszeit nur über einen Trick (Blitzzeit) festlegen kann und dann leider auch nur bis maximal 1/160. Zu viel! Bei der D700 stelle ich z.B. bei Sport 1/1000 oder weniger als untere Grenze ein und erlaube maximal ISO 2000 und bin so immer im sicheren Bereich. Erst bei unterschreiten dieser Grenze wird in "A" die Zeit entsprechend verringert. Die E-PL3 ist eben weder für Lowlight noch Action wirklich 100% geeignet. 


Die Möglichkeit mit der Blende "kreativ" zu sein, ist zumindest mit lichtstarken Festbrennweiten, wie hier dem 45/1.8, weit wenige Eingeschränkt, als man angesichts des kleineren Sensors gegenüber Kleinbildformat denken mag. Natürlich hat man hier andere Auswirkungen der Parameter, aber das man deshalb nur Bilder mit "vorne bis hinten scharf" machen könnte, ist schlicht Unsinn. Wenn die Szene es nicht erlaubt, ist man natürlich auf Kleinbild...oder Mittelformat oder... angewiesen ;)


Auch in relativ hektischen Situationen, wo ich dutzende Bilder in kurzem Abstand meine machen zu müssen, komme ich relativ gut mit der Kleinen klar. Ich verliere vielleicht die ersten paar Sekunden, bevor es losgehen kann, aber dann kann ich durchaus eine längere Szene mit vielen Bildern dokumentieren.


Die Dauerfeuergeschwindigkeit...oder technisch korrekt, die Serienbildgeschwindigkeit der E-PL3 ist okay. Mit ca. 4-5 Bildern pro Sekunde (die Angaben des Herstellers mag jeder selber nachlesen, das hier ist mein gefühlter Wert) bricht bei RAW leider sehr schnell ein, so das keine längeren Serien in hoher Geschwindigkeit möglich sind. 


Die Schärfe der Bilder wird nicht nur alleine durch die Objektive bestimmt. Eine wichtige Rolle spielt auch der Antialiasing-Filter in der Kamera. Dieser scheint mir eher dünn ausgefallen zu sein. Auf der einen Seite sehr gut, weil man wirklich extrem scharfe Abbildungen erzielen kann (kommen mir teilweise schärfer vor, als mit meiner D700...sind es wohl auch, da ich weit weniger Schärfung im RAW-Konverter anwende), auf der anderen Seite bezahlt man das aber mit relativ oft sichtbaren, leichten Moiré-Effekten, also bunten Störmustern in feinen Strukturen, die man nicht mal eben am Rechner beseitigen kann. Denke wer eine D800 oder sogar eine D800E hat, weiß wovon ich spreche und kann darüber nur milde lächeln ;)


Ich will nicht mit einer Pro-/Kontra-Liste abschließen, sondern ein einfaches Fazit nach nur ca. 1000 Bildern abgeben. Ich mag das Teil! Hätte nicht gedacht, dass ich es mögen könnte. War eigentlich nur ein Testkauf. Meine ersten Blicke auf die technische Daten und Test-RAWs haben mich lange von mFT abgehalten. Übrigens auch die OM-D E-M5 hat mich in den Testberichten und anhand von selbst entwickelten RAWs nicht überzeugt! Ich habe sogar die Bedienungsanleitungen der Kameras gelesen und fand viele Haare in der Suppe. Letztendlich bin ich aber eines Besseren belehrt worden. Wenn man weiß wozu und wie man diese Kamera verwenden kann, dann ist sie wirklich sehr gut. Und das sagt jemand, der ansonsten mit allem relativ unzufrieden ist ;)

Fazit:

für mich ist die E-PL3 oder besser gesagt das mFT-System eine wirkliche Überraschung. Besser als gedacht und aktuell mein Lieblingsspielzeug. Macht mich als Hobbyknipser froh und nur darauf kommt es für mich zum Glück an.