Samstag, 25. Juni 2016

Keine Sonne, kein interessanter Ort, keine Fotos! Oder doch?

Jeder kennt diese Tage. Man ist schon die ganze Zeit total heiß darauf raus zu fahren und Fotos zu machen und wenn man dann endlich kann, passt mal wieder gar nichts! Statt Sonne bedeckter Himmel und Regenschauer. Statt einer tollen neuen Location kommt maximal der Baggersee um die Ecke in Frage, der schon bei Sonne irgendwie langweilig ist. Und auch sonst ist irgendwie nichts in Sicht, was das Fotografenherz aus dem Ruhepuls bringt. Also bleibt man am besten zuhause und ärgert sich? Nein! Zumindest ich entscheide mich häufig trotzdem loszuziehen.

Aber was bringt einem das? Nun, erstmal kommt man überhaupt vor die Tür. Macht eine Radtour, Wanderung oder was auch immer. Außerdem kann man nie wissen, ob nicht doch das Motiv des Jahres da draußen lauert und abgeschossen werden will. Wenn nicht, hat man immer noch die Möglichkeit ein paar Sachen auszuprobieren und mal zu schauen, was man aus "nichts" alles machen kann.


Achterdieksee bei Gewitterwetter
Es war schon spät, es war schrecklich schwül warm und der Himmel wolkenverhangen. Gewitter und
Schauer waren angesagt. Ich habe dann trotzdem meine kleinste Fototasche mit der Olympus und einem einzigen Standardzoom-Objektiv gepackt und mich auf das Rad geschwungen.
Da ich keine Lust hatte allzu weit zu fahren, war schon spät und bei einem Schauer wollte ich nicht erst 2 Stunden Fahrt nach Hause vor mir haben, bin ich ohne die geringsten Erwartungen zum nächsten Baggersee gefahren. Ich hoffe doch mal, der Achterdieksee ist ein Baggersee?!

Dort angekommen traf ich erstmal das erwartete Mistwetter an. Null Sonne, leichter Regen und trotzdem schwitzig ohne Ende. Nach ca. 1 Stunde konnte man dann das Gewitter anrollen hören und plötzlich riss die Wolkendecke stellenweise auf.


Man kann hier sehen, wie schmal das Wolkenband geöffnet war. Das war fast schon ein Spotlight.



Hier noch mal eine Panoramaversion (unecht, nur Beschnitt) dieser Lichtsituation ein paar Minuten später.

Das gefiel mir schon mal ganz gut. War der Weg also doch nicht ganz umsonst. Die Spiegelungen am See, zusammen mit diesem Licht und Himmel, hatten schon was, fand ich...und finde ich noch.


Merkwürdiges Lichtphänomen über dem Achterdieksee

Das Gewitter kam immer näher und es war nur noch eine Frage von Minuten, bis der Abstand zwischen Blitz und Donne deutlich unter 5 Sekunden liegen würde. Plötzlich habe ich diese Lichterscheinung hier entdeckt. Man sieht eine einzelne Wolke, die durch die Sonne orange angeleuchtet wird und irgendwas, was ich nicht deuten kann. Ich meine diesen regenbogenartigen "Stummel" links neber der kleinen Wolke. Sieht man auf dieser Aufnahme vielleicht besser:


Ist kein Lensflare, da man es auch mit den Augen so gesehen hat. Sieht auch nicht nach einem Regenbogen aus. Keine Ahnung was es ist und ob es dafür einen Namen gibt. War aber spannend zu beobachten und zu fotografieren. Es war übrigens viele Minuten zu sehen, weit länger als die meisten Regenbögen oder "Lichtfinger", die durch die Wolken stoßen.


Leichtes Gewitter in der Nähe des Achterdieksees

Und dann war es da das Gewitter! Nicht sehr heftig und auch nicht wirklich sehr nah. Aber für eine einzige brauchbare Aufnahme hat es gereicht. Das aufnehmen von Gewittern ist übrigens mit der Olympus E-M1 ein Kinderspiel! Normalerweise macht man das mit einer Technik wie hier beschrieben: Rummsbumms auf Rügen - Gewitterfotografie
Mit dem additiven Verfahren der neuen Oly "Live Composite" geht es aber einfacher. Man kann quasi eine unbegrenzt lange Belichtung machen und einfach warten, bis einer oder sogar mehrere Blitze im Kasten sind. Dementsprechend habe ich einfach die Kamera auf das Stativ gestellt und bestimmt 45 Minuten abgewartet (in ca. 5 Anläufen).

Für die Technik-Freaks ganz kurz erläutert: die Kamera macht eine initiale Aufnahme mit passender Belichtung und dann in einstellbarer Frequenz weitere Aufnahmen, bei denen aber nur die Änderungen gegenüber des ersten Bildes hinzugefügt werden. Da man die Zeit nicht kürzer als 0,5 Sekunden wählen kann, braucht man ggfs. einen Graufilter.

Nach dieser Aufnahme habe ich mich dann wieder auf den Heimweg gemacht und war irgendwie happy. Ich bin bei der Hitze nicht in der Bude den Hitzetod gestorben, habe mein neues Rad wieder bewegt und sogar ein paar ganz nette Bilder machen können. Was will man mehr?


Schleichweg am Mahndorfer See

Es geht aber sogar noch hoffnungsloser ;) An einem wirklich miesen Tag, nicht mal Gewitter waren angesagt, habe ich mich zum Mahndorfer See aufgemacht. Das sind auch nur ca. 15 Minuten mit dem Rad von mir aus. Wieder im Gepäck die Oly mit dem 12-40/2.8-Zoom; sonst nichts. Meine Motivation oder Ausrede(?) war diesmal auch das Geocaching. Ein wirklich gutes Hobby für Fotografen, weil man Orte findet, die man sonst nicht findet. Wer nicht weiß was Geocaching ist...tja, Pech gehabt Muggel :)


Das Licht war wirklich nicht toll, also mussten irgendwelche Ideen her. Eine Standardidee ist natürlich ein nicht ganz so gewöhnlicher Blickwinkel. Hier ungefähr die Höhe in der Hocke. Durch das Klappdisplay der Oly braucht man dafür ja nicht einmal im Dreck liegen.

So, nun bitte alle wegschauen, die mit HDRs nichts anfangen können ;) Gegen meine eigene Überzeugung, habe ich auch mal ein extremeres HDR gemacht.

HDR einer eher langweiligen Szene
Der Himmel war wirklich lahm. Das Licht kalt und es gab quasi keine Schatten oder Lichtreflexe. Schon irre, was man mit HDR und Lightroom da noch rausholen kann. Ob einem das gefällt, ist wieder eine andere Frage. Ich würde es bevorzugen diese Szene bei natürlich gutem Licht und Himmel zu fotografieren. Aber HDR (Teufelszeug!) hat schon so seine Faszination.



Hier noch eine vielleicht etwas besser gelungene Variante.



Was ich auch immer gerne versuche sind Texturen. Das Kornfeld kam dafür gerade recht.


HDR - Mahndorfer See
Am See angekommen, war das Licht immer noch mau. Also habe ich einfach versucht die interessanteste Stelle zu finden und darauf vertraut, dass ich zuhause schon irgendwas daraus zaubern kann. Außerdem ist ja auch die Stimmung bei solch einem Wetter eine Stimmung, welche man versuchen kann in einem Foto wiederzugeben. Ob das hier gelungen ist, weiß ich nicht. Entspricht für mich schon dem Eindruck vor Ort.



See = Spiegelungen. Da das Wasser meistens sehr glatt ist, kann man immer irgendwas mit Spiegelungen machen.



Sieht fast so aus wie am Achterdieksee.



Wieder ein HDR. Die Reflektion der Wolken fand ich gut und den langsam aufziehenden Dunst über dem Wasser.



Hier ohne HDR ein wenig größer, so dass man den Dunst besser sehen kann.


Ja, was kann man sonst noch machen, wenn das Wetter nicht so der Bringer ist, man aber trotzdem lieber draußen ist um da Fotos zu machen? Makros zum Beispiel. Oder sagen wir mal, Macro to go :)


Blümchen mit dem Supertele im Vorbeigehen...



oder den Käfer am Waldboden...


oder halt auch mal eine Aktaufnahme ;)

Es gibt natürlich draußen nicht nur Natur, sondern auch Architektur. Oder um es weniger hochtrabend zu machen, irgendwelche Gebäude. Hier z.B. ein Beobachtungsturm aus Holz in einem Naturschutzgebiet.


Das konnte ich dann auch noch mit einer technischen Herausforderung kombinieren, Gegenlicht und zu hoher Helligkeitsunterschied.

HDR
Die Sonne war zwar nicht zu sehen, aber der weiße Himmel und die geringe Ausleuchtung in dem Holzturm waren eindeutig zu viel für eine Einzelaufnahme mit der Oly. Auch mit so etwas kann man sich über das schlechte Wetter hinwegtrösten. Wer weiß, wann man das mal bei einem wirklich guten Motiv brauchen kann?!

Einzelaufnahme mit Einsatz von digitalen Farbfiltern bei Schwarzweißkonvertierung

Man sollte sich ohnehin nicht so sehr von dem was man vor Ort sieht oder auf dem Display entmutigen lassen. Wer der Bildbearbeitung nicht total negativ gegenüber eingestellt ist, kann zuhause am Rechner noch das eine oder andere interessante Bild erzeugen. Hier habe ich einfach die Farbfilter in Lightroom verwendet, um bei der Schwarzweißkonvertierung die dunkelgrünen Blätter fast weiß erscheinen zu lassen.

Okay, was wollte ich hiermit sagen? Eigentlich nur, dass man auch Fotografieren gehen sollte, wenn man meint es wäre sinnlos. Irgendwas findet sich immer und wenn nicht, dann hat man trotzdem seine Sinne bei der Suche geschärft und eventuell ein paar Sachen ausprobiert und verfeinert. Der Weg ist das Ziel. Teilweise können die vermeintlich idealen Bedingungen einen mehr blockieren, als vermeintlich schlechte Bedingungen für gute Fotos.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig inspirieren oder zumindest ermutigen. Morgen ist übrigens wie heute Dauerregen wahrscheinlich...ich denke ich gehen Pfützen knipsen ;)

Grüße,
Gordon