Samstag, 21. März 2015

DIY Quadro Copter, it's done! Oder warum ich heute unbedingt noch Tischtennisbälle kaufen musste!

Wer noch nicht weiß, worum es eigentlich geht, hier die Vorgeschichte:
Er fliegt - Erster selbst gebauter Quadrocopter

Erster selbstgebauter Quadrocopter, Gewicht ca. 800 Gramm, 53 cm Durchmesser ohne Propeller

Nachdem ich diesen Kollegen da oben erfolgreich gebaut und auch schon schon geflogen habe, konnte ich dieses Wochenende eine weiter wichtige Stufe abschließen. Was nämlich noch fehlte, war eine anständige Beleuchtung und eine aktuellere Firmware für die Flugsteuerung.

Die Beleuchtung ist bei einem solchen Fluggerät schon sehr wichtig und mehr als nur Zierde. Auch die Farbgebung ist nicht zufällig. Da sich ein Quadrocopter in alle Richtungen gleich fliegt und in dieser Baumform auch von allen Seiten gleich aussieht, braucht man eine optische Orientierungshilfe beim Flug. Ohne diese kann man schnell die Lage falsch einschätzen und glaubt beispielsweise eine 90-Grad-Drehung gemacht zu haben, obwohl es tatsächlich eine 180 Grad Drehung oder Kurve war. Die Folge: man lenkt das Gerät darauf hin in die falsche Richtung. Wenn dann kein Platz und keine Zeit mehr für eine Korrektur ist, knallt es! Gelb ist vorne, schwarz hinten. Um auch bei Dämmerung noch die Lage erkennen zu können, ist es üblich eine Beleuchtung anzubringen. Jedes echte Flugzeug hat ja auch Positionslichter, die dann den anderen anzeigen, aus welcher Richtung sie das Flugzeug sehen. Bei den Quadros und anderen Modellfluggeräten ohne leicht zu erkennende Lage, wird daher ein wahres Feuerwerk an LED-Beleuchtung von vielen gezündet. Ich bin die Sache relativ entspannt angegangen und habe auf stromfressende 1 oder mehr Watt Ultrahell-LEDs verzichtet. Dafür habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie man mit normalen Beleuchtungs-LEDs (ca. 30 mA) noch eine gute Lageerkennung erreichen kann.

Positionsbeleuchtung an meinem ersten Quadro mit hellen LEDs und Tischtennisbällen
Das hier ist das Ergebnis meiner Überlegungen.

Anmerkung: Leider sind LEDs extrem schwer zu fotografieren, da das annähernd monochromatische Licht die Farbkanäle der Kamera überlaufen lassen, so dass Fehlfarben und weiße Flecken durch Überbelichtung entstehen. Wer in letzter Zeit mal Bühnesachen fotografiert hat, wird das Problem kennen!

Wir sehen hier die Rückseite des Quadros. Ich habe mich hier für grüne LEDs entschieden, da diese Ansicht die "normale" und unkritische Ansicht ist. So fliegt der Quadro von mir weg. Gegen den hellen Himmel wird sich dabei eher die schwarze Farbgebung abheben als die Beleuchtung, zumindest wenn noch keine Dämmerung eingesetzt hat.

Man sieht nun auch, was es mit den Tischtennisbällen im Titel aufsich hat. Die 5 mm LEDs strahlen leider ein sehr gedündeltes Licht ab, so 10 bis 30 Grad. Das ist zwar für eine Taschenlampenapplikation gut, aber wenn man ein Signallicht realisieren will, eher schlecht. Man sieht das Licht nur hell, wenn man in dem begrenzten Winkel auf die LED schaut. Daher habe ich einfach normale Tischtennisbälle genommen, ein 5mm-Loch hineingebort und die LEDs dann hineingesteckt und verklebt. So wird der Ball hell erleuchtet und man hat effektiv eine viel größere Lichtquelle, die aus weit mehr als den 10 bis 30 Grad hell zu sehen ist. Ganz perfekt klappt das allerdings nicht, wie man sieht. Die LEDs mit ihrem Linsengehäuse projezieren einen sehr hellen Fleck auf die Vorderseite des Tischtennisballes. Der Rest leuchtet nicht ganz so hell. Man hätte die LED auch hinter dem Ball anbringen können, dann wäre er homogen beleuchtet gewesen. Allerdings geht dabei viel Lichtenergie verloren und da ich vom gekauften Quadro schon weiß, wie schnell bei Tageslicht auch hellstes Signallicht nicht mehr zu sehen ist, habe ich es so realisiert.

Fluglageerkennung von vorne
Meistens verwendet man nur die gleiche Anordnung von Lichter, aber mit unterschiedlicher Farbe, also z.B. 2 x Grün hinten und 2 x Rot vornet. Ich habe mich für Rot = vorne plus "Scheinwerfer" entschieden. Dazu habe ich zwei helle weiße LEDs im Zentrum des Quadros angebracht, die wie Autoscheinwerfen ihr Licht abstrahlen. Hier erkennt man dann auch den Unterschied der durch die Bälle gestreuten Lichts und dem der nackten LEDs gut. Die weißen LEDs sind genauso hell wie die roten und grünen, aber stellen für den Piloten am Boden nur 2 weiße Punkte da. Ich hoffe aber, die Farbe und Form des Lichtmusters plus der so illuminierten gelben Ausleger, lässt mich die Position ausreichend gut erkennen.


Netten Seiteneffekt: der ansonsten sehr harmlos aussehende Quadro, dem man seine Heimtüftelherkunft ansieht, wirkt ein wenig lebendiger...Alien oder Kampfroboter ;)


Hat man den Flieger in 45 Grad vor sich in der Luft, sieht man die roten und grünen Positionslichter, sowie Gelb und Schwarz. Auch eine sehr wichtige Information, gerade wenn man echte Kurven fliegt, wie mit einem Flugzeug und den Quadro nicht wie Pacman im rechten Winkel durch die Luft schubst ;)

Die Tischtennisbälle sind einfach mit Uhu Por in die Rohrisolationsschaumstoffteile (uff!) eingeklebt. Die LEDs im passenden 5 mm-Loch mit Sekundenkleber. Die Kabel gehen durch das ISO-Rohr und sind dann im Inneren des Sperrholzrahmens verlegt.

Technikkram: Angeschlossen sind die LEDs dann an einem 5-Volt-BEC. Dieser war sowieso notwendig, da die verwendeten optischen ESC keine 5-Volt-Spannung liefern, die man für die übrige Elektronik benötigt. Mit der durch den BEC gelieferten 3 Ampere max. komme ich locker aus. Die LEDs verbraten im Schnitt 25 mA => 6 * 25 mA = 150 mAh. Ansonsten hängt an der Versorgung noch die Flighcontrol, das Gehirn, der Empfänger und der Telemetriesender. Weiß gerade nicht, was die Verbrauchen, aber ist meine ich auch weit unter 500 mA, so dass es hier keine Probleme gibt. Die LEDs müssen übrigens über Vorwiderstände (hier 100 Ohm) angeschlossen werden! Über die Widerstände wird der Durchflussstrom begrenzt und die Spannung eingestellt (ca. 3 Volt bei dieser Art von LEDs).


Mit diesem grimmigen Gesichtsausdruck komme ich nun langsam zum Ende...für Erste :) Denn schließlich geht es hier immer noch um mein Nummer-Eins-Hobby, die Fotografie. Dieser Quadro mit seinen knapp 800 Gramm ist so stark motorisiert, dass er 200 oder sogar 300 Gramm Nutzlast in den Himmel bringen sollte.

Mit dem kleinen gekauften und umgebauten Quadro (siehe Umbau eines Quadrocopters - Blade 200 QX in Rakonheli CFK-Frame ) konnte ich ja schon erfolgreich eine <50 Gramm Mini-Action-Kamera für Luftaufnahmen verwenden. Hier sollte sogar meine mFT-Knipse mit leichtem Objektiv möglich sein! Das wäre natürlich ein riesiger Schritt nach vorne bezüglich Bildqualität. Quasi Handy vs. "The real thing" ;) Ob meine Kalkulationen da stimmen...und die Herstellerangaben der verwendeten Komponenten, wie Motoren, Stromversorgung und Propeller, wird sich nur durch Versuche ermitteln lassen. Ich werde einfach mal Gewichte dranhängen und mich da langsam steigern. Da ich keine rasanten Action-Videos drehen, sondern nur gemütlich Einzelbildaufnahmen von Landschaften machen will, muss der Quadrocopter sich nur bei leichtem Wind noch sicher steuern lassen. Ich bin mal gespannt!

Danke und viele Grüße,
Gordon

Nachtrag: Ich sehe gerade, dass ich die Sache mit der Firmware komplett unterschlagen habe. Ich meine aber, dass würde hier zu weit führen, da es ja eigentlich um Fotografie geht. Nur soviel: die Steuerung des Copters, die aus einem Mikrocontroller mit Sensoren besteht, kann man neu programmieren...wie beim Smartphone oder dem BIOS eines PCs. Die Firmware der gekauften Version war relativ alt, daher habe ich eine neue installiert. Ist kein Hexenwerk, aber ein wenig Ahnung (und die notwendige Hardware) sollte man schon haben, da man sonst im Extremfall das Gerät auch schrotten kann. Ging aber, nachdem ich mich vorher eingelesen hatte, total problemlos. Ob die neue Software bessere Flugeigenschaften bringt, als die zuvor, muss ich noch ausprobieren. Mehr einstellen und herumspielen kann man schon mal :)

Dienstag, 17. März 2015

Er fliegt - Erster selbst gebauter Quadrocopter

Noch mal eine kleine Exkursion in mein neues Hobby, den Modellflug. Nach dem ich hier: Umbau eines Quadrocopters - Blade 200 QX in Rakonheli CFK-Frame schon mal über die erste Schrauberei berichtet habe, möchte ich jetzt mal über meinen ersten komplett selbst gebauten Quadro berichten.
Okay, komplett selbst gebaut ist jetzt ein wenig Angabe. Die Steuerung, die Motoren, die Drehzahlregler und den Funkempfänger habe ich natürlich als fertige Teile gekauft. Sowas selber zu bauen ist eher ein Jahresprojekt. Aber man baut ja auch beim PC das Mainboard nicht selber.

Selbst gebauter Quadrocopter aus Holz und Kunststoff
So sieht das fast fertige Endprodukt meiner ca. 4 wöchigen Bemühungen aus...wenn man die Monate an Recherche und Einkaufslistenzusammenstellerei mal ausblendet ;)

So wie man das Gerät hier sieht, ist es schon flugfähig. Es ist auch schon wirklich geflogen. Fliegt schon ganz gut. Noch nicht perfekt, aber das ist nach Aussage eines Vereinsmitgliedes eine Sache der Programmierung der Regelungsparameter.

Der Copter hat schon eine recht beachtliche Größe. Hier mal ein Vergleich zu meinem allerersten, gekauften Quadrocopter, dem Blade Nano QX:

Größenvergleich Selbstbaucopter vs Nano QX

Schon ein einziger Propeller ist größer und schwerer(!) als der kleine Nano, mit dem ich u.a. in meinem Arbeitszimmer immer ein wenig übe. Die Dimensionen und Gewichte:
-Spannweite von Motor zu Motor, diagonal: ca. 52 cm
-Propellerdurchmesser: ca. 24 cm
-Gewicht mit 2200 mAh-Akku: ca. 850 Gramm

Wer die DJI Phantom-Quadrocopter kennt, kann sich eine ungefähre Vorstellung von der Größe machen. Diese Copter ist ein wenig größer, aber leichter. Flugzeit (nur errechnet aus Akkuverbrauch bei Testflug) ca. 15 Minuten oder mehr. Die mögliche Zuladung sollte locker bei 250 Gramm oder sogar mehr liegen; muss ich noch austesten.

Angefangen habe ich mit einem Probekauf beim Hobby King in Hongkong. Dort gibt es billige (weniger Dollar) Lasercut-Holzrahmen zu kaufen. Der erste bestellte Rahmen kam nie an, der zweite nach 3 Wochen. So ein Holzrahmen ist eigentlich nicht erste Wahl, da er theoretisch sehr leicht kaputt gehen kann. Ich habe den aber ein wenig modifiziert mit kleinen Kanthölzern und meine, der ist doch recht stabil. Ist ja auch kein Kunstflug-Quadro, sondern eine Schwebeplattform für eine Kamera.


Leider habe ich es versäumt Bilder vom Rohbau zu machen. Hier sieht man schon den zu 50 fertigen Quadro. Der Holzrahmen besteht aus sehr dünnen (ca. 2 mm) Sperrholzplatten, die mit einem Laser in Form geschnitten wurden und sich passgenau zusammenstecken und verleimen lassen. Natürlich sollte man das Holz dann noch anmalen, damit es keine Feuchtigkeit zieht. Außerdem braucht man bei einem Quadrocopter dieser Bauform eine optischen Anhaltspunkt wo vorne ist! Daher habe ich die beiden Arme in Flugrichtung gelb gestrichen. LEDs werden das dann noch bei Dämmerung weiter verbessern; fehlen aber aktuell noch.

KK2.1.5 Flightcontrol - das Hirn des Quadrocopters

Nachdem ich den billigen Holzrahmen mehr aus Spaß am Basteln zusammengeleimt, verbessert und lackiert hatte, was übrigens 2 Wochen gedauert hat (immer nur Abends 1-2 Stunden), war ich irgendwie davon überzeugt weitermachen zu wollen. Ich habe mir dann eine Flugsteuerung bestellt. Eigentlich hatte ich auf meinen Einkaufslisten immer eine CC3D-Steuerung stehen. Diese ist kleiner und leichter, aber muss per USB und Software mit einem PC programmiert werden. Diese KK 2.1.5 hat ein eigenes Display und 4 Buttons, so dass man alle Sachen vor Ort einstellen kann. Ich fand diese Idee sehr gut und da der Preis mehr oder weniger identisch war (KK billiger? vergessen), habe ich diese Teil genommen. Hier sieht man den allerersten Test. Also Akku dran und beten, das es nicht BUMMS macht ;)


Das Ding ist wirklich einfach zu handhaben. Sowohl die Bedienung über 4 Buttons, also auch das Anstöpseln der diversen Steckverbindungen ist logisch und einfach. Okay, man sollte vorher schon ein paar Stunden Anleitungen und Erfahrungsberichte gelesen haben, wenn man auf Nummer sicher gehen will.

Ich will und kann jetzt keinen Kurs in Sachen Multicopter geben, wie man diese Flugeräte auch übergeordnet bezeichnet. Nur soviel: diese Steuerung regelt die Drehzahl der Motoren und verfügt über Sensoren für Lage und Beschleunigung, damit sich solch ein Gerät überhaupt in der Luft halten kann. Ein Multikopter ist nicht von Natur aus stabil, was das Flugverhalten angeht. Genau genommen ist er extrem instabil, da keinerlei Aerodynamik das Gerät in der Lage hält. Lediglich der Schub der 4 (oder 6,8,...) Antriebseinheiten hält dieses Gerät wie einen Besenstiel auf der Fingerspitze in der Waage. Ein Mensch wäre mit der Steuerung der 4 einzelnen Motoren schon bei einem einfachen Schwebeflug total überfordert. Daher braucht es diesen Computer nebst Sensoren.


Hier kann man ein wenig erkennen, wie viele Kabel man in so einem Teil verbauen muss. Für jeden der 4 Motoren gibt es schon mal 5 Kabel. Stromversorgung und Steuerkabel. Die grauen Teile in den Armen mit "E300"-Aufdruck sind die Drehzahlsteller. Genaugenommen sind das auch kleine Computer (sogar mit Ton!), welche die Steuerbefehle der Flightcontrol (der Computer in der Mitte) in entsprechende Energie umsetzen, mit denen dann die Motoren angetrieben werden. Dann kommen noch diverse Kabel für den Funkemfänger zur Steuerung dazu.



Im Zentrum, wo alle Kabel zusammenlaufen, wird es wuselig. Das kleine Türmchen aus Kunststoffteilen hält Stromverteilerplatine und Steuerung. Außerdem muss noch ein Empfänger (hier Spektrum AR600) und ein optionaler Telemetry-Sender (Spektrum TM 1100) unterbracht werden. Telemetrie dient dazu, Statusinformationen auf die Fernsteueranlage zu übertragen. Damit kann ich z.B. im Flug die Akkuspannung sehen und überwachen, so dass mir das Modell nicht wegen leerem Akku auf den Acker kracht.

Hier sieht man den ersten Test der Telemetrieübermittlung:

Spektrum TM 1100 Telemetriemodul - Test auf dem Schreibtisch
Hier hatte ich nur den Temperatursensor angeschlossen. Aber für einen ersten Funktionstest war das ausreichend. Man sieht auf dem Display der Fernsteueranlage den Wert "24 c". So warm war es nicht, aber ich hatte den Sensor zwischen den Fingern, um zu überprüfen ob und wie schnell der Werte sich ändern.



Zwar ist der Copter schon recht groß, aber aufgrund der kleiner "center plate" hatte ich nicht wirklich viel Platz alles unterzubringen. Dabei sieht man den gröbsten Kabelsalat gar nicht, da dieser unterhalb und innerhalb des Holzgestells verstaut ist. Links sieht man übrigens die beiden Spektrum-Komponenten, 6-Kanal 2,4 Ghz Empfänger mit voller Reichweite und huckepack das Spektrum TM 1100 Telemetrie-Modul...das übrigens schon beim ersten Hallentestflug mitten im Flug keine Signale mehr senden wollte :/

Motor aus dem DJI E300 Set mit Temperatursensor

Hier sieht man einen Motor mit einem komischen roten Kabel an der Basis. Das ist ein Temperatursensor, der mir während des Fluges Werte senden soll. Ob das wirklich sinnvoll ist, lasse ich mal dahingestellt...war beim Telemetriemodul dabei und mein Spieltrieb verbot es dieses Ding nicht einzubauen ;) Weit wichtiger ist da schon der Spannungsensor...ein einfaches 2-adriges Kabel, das man direkt an den Hauptakku anklemmt (über Abgriffe am Stromverteilerboard). Das liefert einem die Spannung des Akkus. Zwar verfügt der Steuercomputer (Flightcontrol) auch über eine Spannungsmessung, die ich auch angeschlossen habe, aber diese meldet die einstellbare Unterschreitung der minimalen Spannung nur über Piepen oder LED (sofern eingebaut). Eine blinkende LED kann man bei Tageslicht locker übersehen! Auch Piepen muss schon sehr laut sein...und dann ist es auch nervig. Ich werde beides installieren und mal schauen. Die Telemetrie hat bei den ersten Probeflügen nicht gerade mein Vertrauen erworben, da sie in der Halle bei max. 20 Metern Entfernung schon dauerhaft Sendepause hatte und erst nach einem Neustart wieder zum Leben zu erwecken war. Eventuell ein Antennenproblem.

Fluglageerkennung durch Farbgebung
Wie oben schon erwähnt, ist die Fluglageerkennung bei solch einem symmetrischen Fluggerät kritisch. Ich habe daher noch eine Styropor-Kugel, die auch als Zierde und Wetterschutz für die Elektronik dient, mit zwei Farben angemalt. Gelb ist vorne, also im Normalfall die Flugrichtung. Wobei man einen Quadrocopter in jede Richtung fliegen kann, im Gegensatz zu einem herkömmlichen Flugzeug mit Tragflächen.

Was man hier noch erkennen kann, sind die unterschiedlichen Farben der Propellerbefestigungsschrauben. Das DJI E300-Set besteht aus 2 links und 2 rechts drehenden Motoren und den dazu passenden Propellern. Der Witz dabei ist das Gewinde, an dem die Propeller angeschraubt werden. Die Propeller müssen ohnehin unterschiedlich drehen, aber durch die konträren Gewinde sind die Propeller selbstsichernd. Das heisst, man muss sie nur ganz leicht aufschrauben. Sobald die Motoren andrehen, ziehen sich die Propeller selbst fest. Das ist extrem praktisch und sicher, da man keine Angst vor zu locker angezogenen Propellern haben muss, die sich mitten im Flug verabschieden und damit definitiv einen Crash verursachen. Außerdem kann man sie so leicht wieder abdrehen, da sie eben nicht "festgeknallt" werden müssen und das erleichtert den Transport. Apropo Propeller ab: NIEMALS NICHT mit Propellern dran irgendwas fummeln! Die Teile sind extrem gefährlich, auch wenn sie "nur" knapp 20 Gramm wiegen und 24 cm lang sind. Durch die Hohe Drehzahl riskiert man locker Finger, Nase oder Augen!

Landgestell aus dem Baumarkt

Baumarkt...Männerparadies ;) Im Baumarkt findet man viele Dinge, auch für einen Selbstbauquadrocopter. Der Holzrahmen hatte nur kleine, fragile Holzstummel als Landebeine. Da ich auch noch eine Kamera installieren will und das Holz Landungen auf hartem Untergrund nicht lange überlebt hätte, musste ich eine Lösung finden. Die Lösung heißt Schaumstoffisolierung für Wasserrohre! Die gibt es nicht nur als gerade Rohre mit Einschnitt, sondern auch als T-Stücke oder wie hier als Halb-U-Stücke. Passte perfekt auf die Holzstummel, so dass ich nicht einmal verkleben musste.  Sie erhöhen das Fluggerät und schaffen unten Platz für Akku und Kamera und federn auch noch eine unsanfte Landung ab. Das Gewicht ist dabei moderat...meine es sind 20 Gramm.

Inzwischen bin ich das Teil mehrmals testhalber geflogen. Das Ding ist wirklich brachial im Vergleich zu meinen kleinen Quadros. Der Sound ist sanft, aber enorm druckvoll und einem flattern selbst in ein paar Metern die Hosenbeine ;) Das Ding hebt ab wie auf Schienen und liegt auch genauso in der Luft. Das Flugverhalten ist in Ermangelung von anständigen Werten für die Regelkreise noch nicht 100%, aber man kann damit schon herumschweben und auch ich als Anfänger ziehe damit müde Kurven ohne Probleme. Das allerdings alles im "Selflevelmodus". Dabei ist das Teil extrem eigenstabil vom Flugverhalten her. Will man flüssig seine Bahnen ziehen oder sogar mal ein wenig Kunstflug machen, muss man das abschalten. Die Einstellungen für Selflevel und freien Flug sind noch zu finden. Da man die entsprechenden Werte aber Dank des Displays und der  4 Buttons direkt am Flugfeld ändern kann, werde ich da sicherlich mit Hilfe der Kollegen bald ein gutes Setup ausgetüftelt haben.

Was jetzt noch fehlt: LEDs für die Lageerkennung...weil's halt schön ist :) Dafür will ich Tischtennisbälle an die Enden der Baumarktschaumstoffteile ankleben, die dann durch die LEDs (grün und rot) illuminiert werden. Die T-Bälle kommen also dahin, wo jetzt die Löcher sind. Eine Tischtennis-LED kommt dann noch oben auf die Styropor-Halbkugel und blinkt gelb oder blau, wenn der Akku sich dem Ende neigt.

Die Akkuhalterung gefällt mir auch noch nicht. Die besteht aktuell nur aus zwei Klettbändern, die den Akku unterhalb des Mittenkreuzes halten. Ich möchte da einen richtigen Kasten, auch wenn das geschätzte 40-50 Gramm mehr bedeutet. Und zu guter Letzt soll auch noch die Möbius-Minikamera angebracht werden....vibrationsfrei! Vom Platz und Gewicht her kein Problem, aber wie sehr das Teil vibriert, kann ich noch nicht sagen. Es hört und fühlt sich sehr gutmütig an, aber das ist so eine Sache mit den Vibrationen bei CMOS-Kameras, wo das Bild zeilen-/pixelweise ausgelesen wird.

Ein paar Dinge gibt es also noch zu tun. Aber ich bin schon mal sehr zufrieden damit, dass mein erster selbst gebauter Flugapparat fliegt und das gar nicht mal so schlecht. Sollte sich das Teil noch weiter verbessern lassen, wovon ich ausgehe, werde ich damit meine Kamera in die Luft bringen...eventuell sogar die mFT-Kamera (muss ich noch ausprobieren, wegen des relativ hohen Gewichtes).

Definitiv ein Highlight für mich dieses Jahr. Macht Spaß! Hat alles was mir gefällt: lesen, lernen, kaufen, basteln, tüfteln, handwerken, löten, hoffen und bangen, FLIEGEN....alles halt :)

Grüße,
Gordon


Montag, 9. März 2015

D800 - Schattenreserver, ein Beispiel

Hier ein Beispiel für die enormen Reserven der D800 im Schattenbereich. Zunächst das unbearbeitete Bild (Standardentwicklung mit Lightroom 5.7):

RAW aus D800, unbearbeitet
Man sieht hier eine klassische Problemstellung: sehr heller Himmel in Kombination mit dunkle Bereichen. Man kann hier entweder den Himmel "ausbrennen" lassen, also so belichten, dass die dunkleren Bereiche korrekt belichtet sind oder man entscheidet sich für den Himmel, so wie hier. Nun ist der Himmel hier sicherlich nicht das Hauptmotiv, sondern das Denkmal (Niedersachenstein). Die Aufnahme wirkt also erstmal wie ein Kandidat für Ablage P.

Nun die in Lightroom bearbeitete Version:

In Lightroom mit "Tiefen und Lichter" bearbeitet
Hier hat man jetzt eine gut belichtete Szene. Der Himmel ist schön blau, die Wolken haben Struktur und sind keine flachen weißen Flecken. Das Denkmal ist jetzt gut zu erkennen, mit allen Details (wenn man näher hinschaut).

Der Trick ist denkbar einfach und heißt "Tiefen und Lichter".



Man sieht hier, ich habe die Belichtung nur um 0,10 angehoben, also nur minimal. Lichter steht aber auf -100, also volle Pulle und Tiefen auf +100. Damit werden die hellen Stellen abgedunkelt, bzw. restauriert und die dunklen Stellen werden stark aufgehellt. Das geht in dieser Ausprägung und mit unglaublich wenig Rauschen und Farbveränderung nur mit einer D800 und vergleichbaren Kameras, bzw. vergleichbaren Sensoren. Bei z.B. der Olympus E-M10 treten schnell starkes Rauschen und ausgebleichte Farben in den so aufgehellten Schattenbereichen auf. Neben Tiefen und Lichtern habe ich noch ein paar weitere Änderungen vorgenommen. Kontrast und Klarheit erhöht, Gradationskurve leicht s-förmig und noch ein paar weitere Dinge. Entscheidend ist aber die Aufhellung der dunklen Bereiche.

Also, wer einmal wieder vor einem solchen Problemmotiv steht und idealerweise auch noch eine D800 oder vergleichbare Kamera besitzt, kann ja mal versuchen einfach auf die hellen Stellen zu belichten. Ich garantiere der Effekt ist überraschend, wenn man zuhause den Tiefenregler zupft! Die Reserven in den dunklen Stellen sind enorm...ich würde sogar behaupten weit enormer als die auf der anderen Seite des Histogramms. Bei ausgebrannten Stellen scheint die D800 nicht besser zu sein, als meine alte D700.

Grüße,
Gordon