Montag, 20. Oktober 2014

Nikon AF-S Nikkor 20mm f1.8 G ED - Erste Eindrücke

Nach dem ich vom AF-S 28/1.8 recht angetan war, mir die Brennweite aber zu dicht am hervorragenden Sigma 35/1.4 Art Art lag, habe ich letzte Woche das brandneue 20/1.8 besorgt. Das man das überhaupt schon bekommen konnte...in einem wohlbekannten Elektromarkt...hat mich schon sehr überrascht. Daher habe ich auch nicht lange gefackelt und zugegriffen. Eigentlich sollte man ja immer eine Weile warten, denn so spart man Geld und die Gefahr ein schlechtes Produkt zu kaufen ist gering. Aber diesmal hat mein Bauch entschieden und wie es scheint korrekt.

Ich fange mal mit den negativen Punkten an. Das Objektiv fühlt sich nicht wirklich so an, wie es der Preis suggeriert. Es ist (schön) klein und leicht und der Fokusring läuft recht rauh und geräuschvoll. Die Streulichtblende wirkt auch nicht gerade überragend was die Materialanmutung und Stabilität angeht. Ich finde, es macht einen noch weniger wertvollen Eindruck, als das AF-S 28/1.8 und liegt nur wenig über dem Niveau eines weit günstigerem AF-S 50/1.8.

Trotz starkem Weitwinkel führt das geringe Gewicht schnell zu Verwacklern (an D800), selbst bei 1/40 oder kürzer. Aus der Hand erziele ich mit dem Sigma 35/1.4 weit mehr scharfe Bilder bei längeren Zeiten, da es größer und schwerer ist und damit besser in der Hand liegt und sich auch erfolgreicher gegen die mechanisch induzierten Erschütterungen der Spiegelreflex stemmt. Natürlich ist kompakt auch gut, weil man weniger schleppen muss und mehr in die Fototasche bekommt, aber für die absolute Bildqualität bei Aufnahmen aus der Hand ist das leider eher kontraproduktiv.


Hier die technischen Daten laut Hersteller:

Brennweite20 mm
Lichtstärke1:1,8
Kleinste Blende16
Optischer Aufbau13 Linsen in 11 Gruppen (inkl. 2 ED-Glas-Linsen, 2 asphärischen Linsen und Linsen mit Nanokristallvergütung)
BildwinkelAnaloge Kleinbild-Spiegelreflexkameras und digitale FX-Format-Spiegelreflexkameras von Nikon: 94°, digitale Nikon-DX-Format-Spiegelreflexkameras: 70°
Naheinstellgrenze0,2 m ab Sensorebene
Maximaler Abbildungsmaßstabca. 1:4,3
Anzahl der Blendenlamellen7 (Blendenöffnung mit abgerundeten Lamellen)
Filtergewinde77 mm (P = 0,75 mm)
Abmessungenca. 82,5 x 80,5 mm
Gewichtca. 355 g
Mitgeliefertes ZubehörVorderer Objektivdeckel mit Schnappverschluss LC-77 (77 mm), hinterer Objektivdeckel LF-4, Bajonett-Gegenlichtblende HB-72, Objektivbeutel CL-1015

Zum Vergleich, dass Sigma 35/1.4 Art wiegt immerhin 665 g, bringt also ca. 300 Gramm mehr auf die Waage. Außerdem ist es größer und ich kann es besser handhaben als das doch eher zu leichte 20er. Auf der anderen Seite verwendet man ein Weitwinkel auch oft vom Stativ, so gesehen wohl keine große Sache.

Eine Abdichtung gegen Staub und Regen hat das neue Nikkor angeblich nicht. Diese Gummimanschette am Bajonett ist aber vorhanden....was auch immer das nun genau bedeuten mag.
7 Blendenlamellen können gut sein, 9 sind mir aber irgendwie lieber. Durch die Abrundung scheint es aber keinen allzu großen negativen Effekt auf das Bokeh zu geben. Wie die Blendensterne aussehen, konnte ich noch nicht ausprobieren. Generell gilt: bei ungerader Anzahl an Lamellen gibt es doppelt so viele Strahlen...also müsste das in diesem Fall 14 ergeben.

Okay, so viel zu den negativen Dingen aus meiner Sicht. Kommen wir zu den positiven Eindrücken.
Es ist scharf! Nicht tödlich scharf wie die beiden Art-Sigmas 35 und 50mm, aber gefühlt schärfer als das 28 und 50mm Nikkor mit Offenblende f=1.8. Auch sehe ich kaum bis gar keine chromatischen Abberationen in Form von Farbsäumen in Lila und Grün an Kontrastkanten. Der Unschärfeverlauf ist auch sehr harmonisch. Geht man sehr nah an ein Objekt heran, bekommt man ein schönes Bokeh vor und hinter der Schärfeebene. Bilder habe ich erst wenige machen können, bzw. die meisten davon sind jetzt nicht gerade so, dass ich sie hier unbedingt zeigen müsste. Sobald ich vorzeigbare Bilder habe, stelle ich sie natürlich hier rein.

Die Brennweite gefällt mir erstmal ganz gut. Sie ist gerade noch so an der Grenze zum Ultraweitwinkel, bei der man die Fußspitzen mit auf dem Bild hat ;) Man sieht auf den Bildern schon deutlich den Weitwinkeleffekt wie stark stürzende Linien und endlose Weiten, wo gar keine waren oder auch den comic-artigen Effekt, wenn man Menschen oder Tiere aus kurzer Distanz aufnimmt; die Nase erscheint riesig im Vergleich zum kleinen Kopf "dahinter". So ausgeprägt wie bei 14 mm ist das aber noch lange nicht. Man bekommt aber schon eine Menge auf's Bild. Das macht so ein Weitwinkel aber auch schwierig. Wenn man viel auf dem Bild hat, muss man sich sehr gut überlegen was davon wirklich gut für die Komposition und die Wirkung des Bildes ist. Man kann nur sehr schwer ablenkende und störende Elemente ausschließen. Es ist also eher ein Spezialobjektiv, dass man nicht für jedes Motiv gewinnbringend verwenden kann.

Was die Farbwiedergabe und die Kontraste angeht, kann ich noch nicht viel sagen. Dazu war das natürliche Licht die letzten Tage nicht wirklich ausreichend gut genug. Ich erwarte da aber keine Überraschungen. Was ich so aus den wenigen Reviews zu dieser Linse entnehmen konnte, gibt es da keine Probleme mit Seiten- und Gegenlicht, die man nicht von dieser Brennweite erwarten muss. Gleiches gilt für die Farbwiedergabe, wo mir bis jetzt auch nichts aufgefallen ist...weder positiv, noch negativ. Das muss ich bei Gelegenheit noch genauer prüfen.

Der Autofokus arbeitet schnell und im normalen Rahmen zuverlässig. Bei sehr schlechten Bedingungen ruckelt sich die Kombination D800 + AF-S 20/1.8 ein wenig zögerlich ins Ziel, was aber jetzt nicht ungewöhnlich ist und auch für die meisten anderen Festbrennweiten mit <= f2.0 gilt. Durch den geringen Fokusweg ist es eher auf der schnellen Seite angesiedelt, was die Fokussiergeschwindigkeit angeht. Einen systematischen Fehlfokus (Back oder Front) konnte ich nicht ausmachen. Bei den wenigen nicht ganz scharfen Aufnahmen handelte es sich eher um Verwackler, als um Fehlfokus. Aufgrund der Brennweite und der Anfangsblende von 1.8 ist es nicht immer ganz leicht das Ziel zu treffen. Gerade bei mittleren und kurzen Motivabständen ist das Objekt oft viel zu klein bezüglich des Fokusfeldes...ob es damit dann wirklich auch ein Motiv darstellen kann, sei jetzt mal dahingestellt ;)

Was haben wir sonst noch...ach ja, Vignettierung und Randschärfe. Kann ich nicht viel zu sagen. Laut den Reviews die ich gelesen habe, gibt es da kein Grund zu meckern. Da mir noch nichts aufgefallen ist, will ich das mal einfach glauben. Natürlich ist bei f1.8 die Ecke dunkel und unscharf...dunkler und nicht ganz so scharf, aber das gilt mehr oder weniger stark ausgeprägt für alle Objektive. Wirklich total abgesoffen und matschig sieht es aber nicht aus, also passt das schon. Ab 1:2,8 sollte sich das Problem mehr oder weniger Erledigt haben. Davor muss man halt in der Nachbearbeitung darauf eingehen.

Als Verwendungszweck habe ich mir hauptsächlich Landschafts- oder Stadtaufnahmen vorgestellt. Also die typischen Motive für Weitwinkel. Auch in Innenräumen, wenn man z.B. viele Personen auf das Bild haben möchte, dürfte es sinnvoll sein. Der große Vorteil: es ist sehr viel kleiner als das 14-24 und so passt es zusammen mit einem 35, 50 und 85mm noch in eine große Fototasche. Ich bilde mir ein, ich habe so eine gute Bandbreite an Festbrennweiten im am häufigsten verwendeten Bereich. Ob sich das so bewahrheiten wird? Man ... ich werde es sehen.


Vorläufiges Fazit:

Den Preis sieht (und fühlt) man dem Objektiv nicht unbedingt an. Die optische Leistung scheint dem schon eher zu entsprechen. 20 mm sind schon eine eher spezielle Brennweite, die nur im Zusammenspiel mit anderen Brennweiten über den Tag bringt (es sei denn jemand ist wirklich sehr speziell unterwegs). Die Handhabung finde ich nicht überragend, es ist mir zu leicht und klein. Für den Transport mit dem Rad oder per Pedes ist es dagegen sehr gut ausgelegt. Inwieweit man die Blende von f=1.8 wirklich nutzen kann, weiß ich nicht. Freistellung erreicht man damit nur bei Motivabständen << 5 Metern. Aber es ist beruhigend zu wissen, dass man bei für diese Brennweite eher typischen Blendeneinstellungen von >> 2.8 schon so stark abgeblendet hat, dass optische Fehler durch Offenblende weit hinter einem liegen.

Ich hoffe ich komme in den nächsten Tagen zu einigen brauch- und zeigbaren Bildern. Testbilder werden das dann aber nicht sein, sondern einfach nur normale Aufnahmen, wie ich sie zum Spaß halt so mache. Aber als Technikfreak werde ich natürlich die Blende aufreißen und/oder gegen das Licht fotografieren :)

Vielen Dank und Grüße,
Gordon