Mittwoch, 20. Februar 2013

Alte JPEGs mit Lightroom bearbeiten

Heute mal ein ungewohnt kurzer Beitrag von mir. Ich gehe seit mehreren Tagen ein paar aus meiner Sicht ziemlich alte JPEGs durch. Genau genommen Aufnahmen die ich damals u.a. in Berlin mit einer Pentax K10D gemacht habe...inklusive Sigma Superzoom. Damals hatte ich weder die Software, noch genug Ahnung um Raws zu verwenden, daher sind leider(!) alle Aufnahmen nur als JPEG vorhanden und vom heutigen Standpunkt aus betrachtet entsprechend gruselig, nicht nur was die technische Qualität angeht ;) Aber darum soll es jetzt hier nicht gehen.

Normalerweise hat man bei einem JPEG keinen großen Spielraum für eine nachträgliche Bearbeitung am PC. Die Schärfung ist oft schon zu heftig und Halos und Artefakte werden nur noch schlimmer wenn man an den Reglern zieht. Auch der Weißabgleich, Schatten und Spitzlichter sind meistens final, bzw. man kann nur noch einen Bruchteil dessen heraus holen, was man aus der Raw-Datei machen könnte...wenn man sie denn hätte.

Das folgende Bild, auch wenn es sicherlich den meisten als ziemlich belanglos erscheinen mag, gefällt mir irgendwie ganz gut. Das tat es damals schon. Heute habe ich mal versucht das Bild mehr so zu gestalten, wie ich es mir damals vorgestellt hatte. Das Bild ist wie gesagt ein Original-JPEG aus einer Pentax K10D.

Aufgenommen irgendwo in Berlin - Eisenbahnüberführung im Gegenlicht von 2007

Das erste was mir auffällt, das JPEG ist grünstichig. Dieses Problem zeigen fast alle JPEG-Aufnahmen mit der K10D mehr oder weniger stark ausgeprägt. Ob das eine Eigenart der Kamera war oder ob ich damals einfach irgendwas am Weißabgleich verstellt hatte, kann ich heute nicht mehr sagen. Ich habe damals fast ausschließlich Weißabgleichsautomatik verwendet, aber ich meine man konnte auch bei der Kamera schon eine Anpassung einstellen, also eine Farbpunktverschiebung. Mein erster Schritt bei der Restaurierung war also die Anpassung der Tönung von Grün nach Magenta.

Tönung in Richtung Magenta angepasst

Ob das nun wirklich der "richtige" Weißabgleich ist, lasse ich mal dahingestellt. Es ist zumindest einer der mir hier besser gefällt und der Grünstich fast aller meiner Aufnahmen mit dieser Kamera ist Fakt.

Nun lebte dieses Motiv eigentlich nicht nur vom Scherenschnitt einer etwas schief aufgenommen und eher langweiligen kleinen Brücke mit Strommast und dem Himmel mit Wolken, sondern von einem Grafiti-Schriftzug an der Brücke. Zwar hätte ich damals schon bei der Aufnahme eine Belichtungskorrektur machen können, nur wäre bei dem bescheidenen Dynamikumfang wohl ein blasser Himmel dabei herausgekommen, inklusive ausgebrannten Wolken. Mein nächster Schritt in Lightroom war also die Rettung der dunklen Stellen. Dazu habe ich einfach den Regler "Tiefen" beherzt nach rechts gezogen (auf +54):


Aha! "Cloud Trik". Was auch immer das bedeuten mag, ich fand es damals irgendwie witzig...oder passend. Das Gebäude das teilweise durch das Geländer zu sehen ist, hat nun ebenfalls wieder Struktur. Man kann außerdem gut sehen, dass der Himmel und die Wolken nicht gelitten haben, wie es der Fall wäre, wenn man einfach nur die Helligkeit hochgedreht hätte.

Was mich nun noch gestört hat, ist der kalte Farbton der im Schatten liegenden Sprüherei. Man könnte nun den Weißabgleich weiter Richtung Warm drehen, würde damit aber dann auch den Himmel zu warm machen. Hier kommt eine, wie ich finde, geniale Methode in LR zum Tragen, lokale Änderung des Weißabgleichs. Man kann per Pinsel oder Verlauf einen Bereich markieren und alle erdenklichen Maßnahmen lokal anwenden lassen, so eben auch eine Änderung des Weißabgleichs. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Lokale Anpassung des Weißabgleich im Schattenbereich

Der Schriftzug und die gesamte Front der Brücke ist nun deutlich wärmer. Ist sicherlich auch wieder eine Geschmackssache, aber ich denke es passt besser zu dem was man als Mensch auch sieht. Ansonsten sind blaue Schatten künstlerisch betrachtet natürlich nicht verkehrt. Oft werden in der Malerei Schattenbereiche blau dargstellt, was auch der Abstraktion Schatten = kühl = Blau geschuldet sein dürfte.

Wer die letzten beiden Bilder mit dem Ausgangbild aufmerksam verglichen hat, wird noch eine andere Änderung bemerkt haben. Eine perspektivische Korrektur. In diesem Fall bestehend aus einer Korrektur der Verzeichnung des Objektivs und einem vertikalen Kippen um die leicht stürzenden Linien zu korrigieren. Andere Änderungen wie nachträgliche Feinschärfung und Entrauschen kann man sicherlich nicht in dieser Darstellungsgröße erkennen.

Fazit: selbst bei JPEGs kann man noch eine Menge verändern mit Lightroom (oder vergleichbaren Programmen). Natürlich nicht so viel wie bei Raws; schon der Weißabgleich ist nur in einem sehr kleinen Bereich korrigierbar, da das Bild sonst von Tonwertabrissen zerstört wird. Es lohnt sich also durchaus die alten JPEG-Schätze aus frühen Tagen noch einmal durch die Bildbearbeitungsmühle zu drehen und sei es auch nur, um mal wieder die alten Bilder zu betrachten.

In diesem Sinne,

Gordon