Mittwoch, 14. August 2013

Stativaufnahmen

Über die Zeit bin ich vom Stativverweigerer, über den Stativmuffel zum Stativfreund mutiert. Gerade durch die Anschaffung der kleinen Systemkamera von Olympus und damit der Möglichkeit ein sehr kleines und leichtes Reisestativ verwenden zu können, bin ich da immer mehr auf den Geschmack gekommen. Da ich sehr gerne zu später Abendstunde noch Bilder mache, vor, während und auch nach der Blauen Stunde, ist so ein Stativ auch die einzige Möglichkeit noch qualitativ hochwertige Bilder zu erzeugen, da man trotz hoher ISO-Werte und Stabilisatoren sonst häufig nur verwackelte und verrauschte Bilder bekommt und einem auch die Dynamik in der Farb- und Helligkeitsdarstellung verloren geht (durch die höheren ISO-Werte).


Nachdem sich mein Cullmann nach nicht gerade langer Verwendungszeit mehr oder wenig zerlegt hatte (der Kopf ist buchstäblich nach und nach auseinander gefallen), habe ich mir ein etwas hochwertigeres Sirui-Stativ zugelegt. Genauer das T-005K. Gefällt mir bis jetzt ganz gut, auch wenn ich die Arca Swiss kompatible Platte unpraktisch finde. Da gefiel mir zumindest von der Bedienung her das Schnellkupplungssystem des Cullmann besser...wenn es denn gehalten hätte ;)



Auf jeden Fall ist es so leicht und klein, dass ich es locker in die Tasche an meinem Fahrrad bekomme. Voll ausgefahren ist es zwar relativ wackelig, aber nicht instabil, dafür aber auch sehr hoch. Bei starkem Wind und viel Gewicht auf dem Kopf, schwingt es. Aber nicht immer ist Wind.



Ich verwende gerne einen Funkauslöser, so dass ich die Kamera zum Auslösen nicht berühren muss. So kann ich mir die Beruhigungsphase mit Selbstauslöser-Timer sparen und spontaner reagieren, z.B. hier, wo man die Möwe gerade recht kam. Allerdings war die Zeit hier auch noch so kurz, dass ein Stativ nicht unbedingt notwendig gewesen wäre und ich mir auch die Verzögerung durch die Vorauslösungsmaßnahmen sparen konnte.



Im Gegensatz zu dieser Aufnahme, die nicht mehr aus der Hand möglich ist. Die Belichtungszeit lag bei 60 Sekunden! Eine vorbeifliegende Möwe wäre hier nicht mehr sichtbar und selbst der helle Stern oben links von der Mitte zeigt schon die Erdrotation.



Eigentlich ist das Stativ nur für kleine Kameras gedacht, also wie meine E-PL5. Aber es gehen auch andere Kaliber, wenn man etwas Vorsicht walten lässt. Hier eine Aufnahme mit einer D800 Kleinbildkamera. Da das Gehäuse alleine schon weit mehr wiegt, als eine mFT-Kamera mit beliebigem Objektiv, muss man ein wenig auf die Objektivwahl achten. Schwerer als max. 1 Kilo sollte das Objektiv nicht sein! Vorsichtshalber würde ich nur kleinere Festbrennweiten mit max. 500-750 Gramm verwenden. Zum Thema D800 werde ich noch einen (oder mehrere ;) ) gesonderte Beiträge verfassen.



Zum Abschluss noch eines mit der D800 und dem Sigma 35/1.4 (siehe auch Sigma 35mm F1.4 DG HSM (Art) - Testbilder bei Sonne... und andere Beiträge) und dem Sirui-Stativ. Das ging trotz wackelnder Brücke und leichtem Wind besser als ich gedacht habe. Ein wenig Bedenken hatte ich erst schon und man sollte schon aufpassen, nicht an Kamera oder Stativ zu stoßen, denn sooooo stabil ist die Sache dann auch wieder nicht :)

Ein paar kleine Tipps vielleicht noch: man sollte bei allen Kameras mit mechanischen Teilen im Verschlusssystem, und dazu zählen auch die kleine mFT-Systemkameras wie die E-PL5, immer die Vorauslösung einschalten. Damit vermindert oder vermeidet man die Vibrationen durch die Mechanik. Außerdem sollte man entweder den Selbstauslöser der Kamera oder aber einen Fernauslöser verwenden. Hat die Kamera oder das Objektiv einen Stabilisator, sollte man diesen auch ausschalten. Die Stabilisatoren sind auf die Verwacklungsfrequenz und die -Wege bei Aufnahmen aus der Hand optimiert und können bei Stativaufnahmen kontraproduktiv wirken. Weht der Wind so stark, dass das System aus Kamera und Stativ ins Wackeln gerät, kann man drei Dinge versuchen:
1) das Stativ nicht komplett ausfahren, gerade Mittelsäule und die kleinen Beinsegmente sollte man einfahren, wenn der Standpunkt und das Motiv das zulassen
2) den Kameragurt um das Stativ wickeln oder abnehmen! Klingt komisch, aber ein Kameragurt kann im Wind wie ein Segel wirken und zerrt somit an der Kamera
3) sich schützend in die Windrichtig stellen. Da muss die Windrichtung natürlich mitspielen ;)

Viel Spaß bei Aufnahmen mit dem Stativ,

Gordon