Dienstag, 7. Mai 2013

Erste Versuche mit einem Neutraldichtefilter aka Graufilter

Da die Filter für die kleinen Objektive eines Micro-Four-Thirds-System gebraucht so schön günstig sind, habe ich mir neben einem Polfilter auch auch gleich mal einen ND-Filter 1000x gegönnt (ND = Neutraldichte). Mit diesem Filter vermindert man die Lichtmenge um 10 Blendenstufen oder halt um den Faktor 1000, bzw. auf 0,1%.  Konkret kann man damit die Belichtungszeit 10 mal länger wählen und muss dies auch, als es ohne Filter der Fall wäre.

Kleine Rechnung: 1/1000 ohne 1000x ND-Filter wird zu...
=>  1/500, 1/250, 1/125, 1/60, 1/30,  1/15, 1/8, 1/4, 1/2, 1 Sekunde

Mit dieser Verlängerung der Belichtungszeit kann man verschiedene Dinge anstellen. Man kann bei prallem Sonnenschein mit sehr großer Blendenöffnung fotografieren, z.B. um eine geringe Schärfentiefe zu erreichen. Man kann damit Bewegungen des Motivs extrem verschwischen lassen. Sogar so stark, dass bewegte Teile im Bild gegenüber den statischen verschwinden. Oder man kann damit auch eine Bewegung verdeutlichen, z.B. von fließendem Wasser oder ziehenden Wolken am Himmel. Letzteres habe ich mal kurz, wenige Radminuten von meiner Haustür entfernt, ausprobiert.

Normaler Sonnenuntergang - ohne Neutraldichtefilter

Hier die Ausgangssituation, ein leidlich interessanter Sonnenuntergang mit ein paar Wolken am Himmel. Diese Aufnahme ist vom Stativ, aber ohne ND-Filter gemacht. Die Wolkenbewegung ist so langsam, dass es bei normaler Belichtungszeit (hier 1/250 bei Blende 4.0) zu keinerlei sichtbarer Bewegungsunschärfe kommt.

Nun mit dem oben beschriebenen Graufilter:

Vergleichbares Motiv mit 1000x ND-Filter

Hier war die Belichtungszeit 60 Sekunden, bei Blende 9. Man sieht nun schon recht deutlich die verwischte Struktur der Wolken und deren Bewegungsrichtung. Die Wolkengeschwindigkeit war eigentlich gering, daher ist der Effekt nicht so stark ausgeprägt. Spannender sieht es meistens aus, wenn die Windrichtung so ist, dass die Wolken mehr auf den Betrachter zukommen und nicht wir hier mehr von links nach rechts ziehen. Bei einem Sonneuntergang kann man sich das leider nicht so gut aussuchen, will man nicht in die "falsche" Richtung fotografieren, in der blau-graue Ödnis angesagt ist.

Hier noch zwei Beispiele vom gleichen Standpunkt aus.


Wieder mit 60 Sekunden, aber Blende 8.


Und zum Abschluss des Tages noch ein letzter Versuch.

Ich finde die Wolkengeschichte sehr interessant und werde bei Gelegenheit noch mehr damit experimentieren. Fließendes Wasser ist bei uns leider nicht so interessant, da außer begradigten Flüssen und Springbrunnen oder Wehren eigentlich nicht viel in der Nähe liegt. Den Markplatz einmal leer zu fegen, dürfte bei den doch immer noch recht kurzen Zeiten nicht so einfach sein, aber den Strom von Menschenmengen kann man mit dieser Technik und dem vorliegenden Filter bestimmt gut abbilden. Ich glaube, es gibt noch einige Anwendungsbereiche, die ich da erforschen kann, auch wenn mir bis jetzt nur Dinge einfallen, die andere schon tausend Mal gemacht haben und sicherlich weit besser. Aber Spaß macht es allemal und darauf kommt es (mir) an.

Grüße,
Gordon